Zum Inhalt springen

Unternehmerische Rendite für Arbeitnehmer

Wer als Unternehmen Probleme hat, offene Stellen zu besetzen und Mitarbeiter auch langfristig zu binden, der sollte einmal über eine Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmen nachdenken. Das kann ein sehr effektives Mittel sein, dass der einzelne Mitarbeiter am Unternehmenserfolg interessiert ist und sich deshalb besonders ins Zeug legt. Außerdem wird die Arbeitsatmosphäre verbessert. Gleichermaßen interessant ist auch die Tatsache, dass eine Mitarbeiterbeteiligung auch ein Anreiz und Einstieg in mögliche Unternehmens-Nachfolgelösungen sein kann.

Win-win-Situation auf beiden Seiten: Arbeitgeber verzeichnen durch Mitarbeiterbeteiligung eine hohe Motivation bei den Mitarbeitern, sich für den Unternehmenserfolg einzusetzen und immer bessere Ergebnisse zu erwirtschaften. Für die Beschäftigten gilt die unternehmerische Rendite als Einkommen aus Kapitalvermögen und wird somit sozialabgabenfrei gestellt. (AdobeStock-Firma V)

Gibt es Mitarbeiterbeteiligungen, dann handelt es sich hierbei um ein über die traditionelle Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hinausgehendes Rechtsverhältnis auf partnerschaftlicher Grundlage. Der Beschäftigte wird erfolgs- und kapitalseitig an das Unternehmen gebunden. Der Bundesverband für Mitarbeiterbeteiligung schätzt, dass bislang nur etwa 2 % aller Unternehmen in Deutschland Mitarbeiterbeteiligungsprogramme anbieten.

Mitarbeiterbeteiligungsprogramme werden als echte oder virtuelle Kapitalbeteiligung oder in Form von Erfolgsbeteiligungen ausgestaltet. Die Beschäftigten sollen einmal mehr motiviert werden, sich mit ihrer Arbeitskraft für den Unternehmenserfolg einzusetzen. Der Einzelne kann damit sein Einkommen erhöhen und wird außerdem zum „Mitunternehmer“. Das ist ein Status, der von Experten für Mitarbeiterentwicklung immer wieder gefordert wird. In den Unternehmen, die Mitarbeiterbeteiligungen praktizieren, hat sich das Ganze als besonders wirkungsvoll herausgestellt.  

Auf der anderen Seite wurde es Unternehmen bisher relativ schwer gemacht, ihre Angestellten am Unternehmen sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig zu beteiligen. Jetzt zieht aber auch die Politik mit und will ein neues Gesetz auf den Weg bringen. Am 20. Januar 2021 hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf zur Stärkung des Fondsstandortes Deutschland beschlossen. Er befindet sich jetzt in parlamentarischer Beratung.

Das ist längst überfällig, denn eine Studie zeigt, dass die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für Mitarbeiterbeteiligungen in Deutschland kaum wettbewerbsfähig sind. Hier werden zum Beispiel die unangemessene Ungleichbehandlung bei der Besteuerung von Mitarbeitern einerseits und Investoren andererseits angeprangert. Gibt es Mitarbeiterbeteiligungen, dann müssen die Beschäftigten die Mehreinnahmen mit ihrem Einkommensteuersatz versteuern.

In diesem Punkt wurde bereits von der Bundesregierung entschieden, den jährlichen Freibetrag von 360 auf 720 Euro zu erhöhen. Steuerlich gilt generell: Die Vermögensbeteiligung stellt einen geldwerten Vorteil dar und unterliegt der Einkommensteuer, was wiederum heißt, dass Lohnsteuer, Sozialabgaben und Arbeitgeberanteile fällig werden. Die Hälfte des Vermögenswerts ist nach § 3 Nr. 39 EStG steuerfrei (jährlicher Freibetrag 720 Euro). Nun wird in der Politik die Forderung laut, den Steuerfreibetrag beim Erwerb vergünstigter Firmenanteile auf 5.000 Euro pro Jahr zu erhöhen. Es bleibt abzuwarten, was noch kommt.

Für den Steuerbonus gibt es bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen: So muss die Möglichkeit der Beteiligung allen Mitarbeitern offenstehen, die unbefristet, fest, mindestens mit einer 50%-Stelle beschäftigt und länger als ein Jahr im Unternehmen angestellt sind. Außerdem darf die Vermögensbeteiligung nicht mit Ansprüchen der Arbeitnehmer verrechnet werden.

Möglich sind verschiedene Arten der Mitarbeiterbeteiligung. Da gibt es zum Beispiel die Gewinnbeteiligung. Hier wiederum wird nochmals zwischen der Ausschüttungsgewinnbeteiligung, der Substanzgewinnbeteiligung und der Bilanzgewinnbeteiligung differenziert. Vor allen Dingen letztere hat Vorteile und ist in Deutschland die häufigste Form der Erfolgsbeteiligung. Hier wird eine Beteiligung am Unternehmenserfolg nur dann fällig, wenn tatsächlich Gewinn erwirtschaftet wird. Für alle Formen der Mitarbeiterbeteiligung gilt aber gleichermaßen, dass die genauen Eckpunkte mit einer klaren vertraglichen Abrede geregelt werden sollten, um Interpretationsfehlern der Mitarbeiter vorzubeugen und feste Regeln aufzustellen, an denen sich alle Beteiligten orientieren können.

Meistens läuft eine Mitarbeiter-Kapitalbeteiligung beispielsweise über die so genannte stille Beteiligung. Das bedeutet, der stille Gesellschafter hat zunächst kein Entscheidungs- und Mitbestimmungsrecht und haftet nicht mit seinem Vermögen, sondern lediglich in Höhe der in die Gesellschaft eingebrachten Vermögenseinlage. Außerdem tritt er öffentlich nicht für das Unternehmen auf. Aber der Mitarbeiter erhält durch die stille Beteiligung das Recht auf Gewinnbeteiligung und Kontrolle sowie Einsicht über die Ertragslage des Unternehmens. Der Vorteil dieser Variante: Die unternehmerische Rendite gilt als Einkommen aus Kapitalvermögen und ist somit sozialabgabenfrei. Steuerlich sind die Einnahmen grundsätzlich mit dem Kapitalertragsteuerabzug abgegolten.

Für die Unternehmen auf der anderen Seite sind Gewinnanteile gewinnmindernde Betriebsausgaben, zudem erfahren sie eine Verbesserung der Kapitalstruktur und ein günstigeres Rating bei der Finanzierung. Eine stille Gesellschaft hat zudem die Möglichkeit, sich durch Anpassungen im Laufe der Zeit zu einer „echten“ offenen Beteiligung und auch zur vollständigen Übernahme der wesentlichen oder aller Unternehmensanteile auszubauen.

Grundlegend lässt sich sagen, dass es Sinn macht, ein individuell passendes Modell bei der Mitarbeiterbeteiligung zu finden und auf die Bedürfnisse und Wünsche aller Beteiligten einzugehen. Alle Beteiligten sollten schon zufrieden sein. Das gilt auch für den Unternehmer, der nicht über Gebühr belastet werden sollte. Eine Mitarbeiterbeteiligung sollte immer auch die Unternehmensentwicklung fördern.