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Kritik an der Bundesregierung

Heftige Kritik an der Bundesregierung gibt es vom Fachverband Gebäude-Klima (FGK). Kritisiert wird die Tatsache, dass sich die Bundesregierung für eine Lüftungslösung dreier Unternehmen stark macht.

Screenshot vom Internetauftritt der DLR zum Testverfahren. Bild: DLR

Zum Hintergrund muss man wissen, dass es eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) gibt, die sich mit einem Belüftungskonzept mit Filtersystem für Klassenzimmer, Restaurants und Kinos beschäftigt. Das Ganze wird als „Next Generation Classroom“ bezeichnet und wurde von drei Unternehmen in Auftrag gegeben. Dieses Konzept basiert auf einem vertikalen – von unten nach oben gerichteten – Lüftungskonzept. Die frische Luft wird am Boden zugeführt, dann an der Decke abgesaugt und wiederum dem Boden zugehführt, nachdem die Luft gefiltert wurde. Die Bundesregierung spricht auf ihrer Internetseite von „vielversprechenden Ergebnissen“, wobei sie eine Pressemitteilung des DLR veröffentlicht.

Der Fachverband Gebäude-Klima aber sagt, das Ganze ist nichts Neues und nimmt folgendermaßen Stellung: „Mit Befremden reagierten Wissenschaftler und Experten der Klima- und Lüftungstechnik auf eine Werbekampagne der Bundesregierung zum Thema Schullüftung. Ein seit Jahrzehnten bekanntes Lüftungskonzept, die Quelllüftung, wird als Next Generation Class Room propagiert und altbekannte Effekte dieser Lüftung als Neuheit dargestellt.“ Weiterhin sieht der FGK das Ganze so, dass die Bundesregierung unter dem Slogan „Weltraumtechnik fürs Klassenzimmer“ gar für eine Entwicklung privater Einrichtungen wirbt.

Prof. Dr.-Ing. Christoph Kaup ist der 1. Vorsitzende des FGK. Er meint: „Es ist nicht nachvollziehbar, wie sich die Bundesregierung vor einen solchen Karren spannen lässt.“ Er gibt zu bedenken, dass es am Markt weitreichende und für alle Räume in Nicht-Wohngebäuden bewährte Lüftungssysteme gibt. Er sagt weiter: „Insofern stehen für alle Anforderungen vom Schulgebäude bis zum Reinraum hervorragende Lösungen zur Verfügung.“

Auch Günther Merz, FGK-Geschäftsführer, sieht die Positionierung der Bundesregierung kritisch und sagt zum Thema: „Sie wäre gut beraten, einen ordnungspolitischen Rahmen für angemessene Luftqualität in Klassenzimmern zu schaffen, statt nun plötzlich ein System zu propagieren, dem wahrlich nicht das Prädikat 'innovativ' zugeschrieben werden kann.“

Tatsache ist, dass in Deutschland weniger als 10 % der Schulgebäude mit mechanischen Lüftungssystemen ausgestattet sind. Der FGK sagt: „Dies rächt sich jetzt, da man weiß, dass gute Lüftung zur Reduzierung der Virenbelastung in Räumen unerlässlich ist.“ Jetzt muss man mit ansehen, dass Schüler mit Winterkleidung in den Klassenzimmern sitzen und der kalten Außenluft und Lärmbelästigungen ausgesetzt sind. Der Verband meint, dass das „ein wahres Trauerspiel“ sei, nicht zuletzt, weil es seit Jahren kostengünstige und effiziente Lüftungssysteme gebe.