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Heizungsanlagentausch bringt zusätzlichen Nutzraum

Braucht man mehr Platz in seinen eigenen vier Wänden, so muss man nicht unbedingt einen teuren Anbau in Angriff nehmen – manchmal reicht auch ein Heizungstausch. So ist es auch Familie Noll ergangen, die ihre alte Öl-Anlage durch eine Wärmepumpe mit kompakter Inneneinheit ersetzt hat.

Das brachte der Familie am Ende einen zusätzlichen Raum mit fast 14 Quadratmetern Platz. Natürlich war nicht nur der Platz ausschlaggebend für die Neuerung, sondern auch der Aspekt des Energiesparens. Die installierte Wärmepumpe gewinnt 75 Prozent der Energie aus der Umgebungsluft.

Je nachdem, wie alt die Häuser sind, liegt der Wärmebedarf hier und da schon mal über 250 W/m2. Mit der 2. Wärmeschutzverordnung aus dem Jahr 1995 wurde dann eine Obergrenze von 220 W/m2 festgelegt, die bei Neubauten nicht mehr überschritten werden durfte. Das ist mit einer ausreichend bemessenen Ölheizungsanlage problemlos möglich. Steht nun bei Eigenheimbesitzern die Erneuerung der Heizungsanlage an, dann ist guter Rat oft teuer. Dann stellt sich die Frage, welche alternativen Systeme und Maßnahmen zum Einsatz kommen sollten. Schließlich möchte man sowohl der Umwelt als auch den eigenen Finanzen Rechnung tragen.

So erging es auch der Familie Noll aus Wuppertal. Der eigene Flachbungalow stammt aus dem Jahr 1968. Herr Noll sagt: „Als wir das Haus bezogen, waren weder die aus Kalksandstein gemauerten Außenwände noch das Dach gedämmt. Das haben wir im ersten Schritt mit einer 120 mm starken Fassaden- sowie einer passenden Aufdachdämmung geändert. Dadurch konnten wir den Primärenergiebedarf schon um etwa 25 % auf ungefähr 170 kWh/ (m2 · a) reduzieren.“ Vor zehn Jahren wurde dann die alte Ölheizung durch eine modernere 20-kW-Ölheizung mit Brennwerttechnologie ersetzt. Hiermit wurde nochmal Energie gespart. Noll sagt: „In Verbindung mit der zwischenzeitlich ergänzend installierten PV-Anlage mit 7,7 kWp Leistung war damit aber im Prinzip die Grenze der energetischen Gebäudeoptimierung unter technologischen wie wirtschaftlichen Gesichtspunkten erreicht.“

Jetzt wurde aber das Thema „ökologische Wärme- und Warmwasserbereitung“ durch die Familie erneut aufgegriffen, weil sie einfach dringend mehr Platz brauchten. Die gemeinsamen Überlegungen der Familie führten immer wieder zum 14 Quadratmeter großen Kellerraum, den der Öltank ausfüllte. Noll sagt: „Für uns war es vorrangig eine Rechenfrage, ob wir den zusätzlichen Raum anbauen oder die Heizung gegen eine platzsparendere Variante austauschen sollten.“ Dank der Ratschläge von Fachhandwerker Stefan Simeit aus Wuppertal fiel die Entscheidung zugunsten einer neuen Heizung, genauer gesagt einer Wärmepumpe. Stefan Simeit betrachtete das Haus ganzheitlich und erstellte ein „Wärmekonzept für ein Bestandsobjekt“. Er sagt: „Wenn ich nur die Heizlast angesetzt hätte, wäre eine Wärmepumpe kaum in die engere Wahl gekommen. Beziehe ich aber darüber hinaus das individuelle Nutzungsprofil, die großzügigen Konvektoren zur Wärmeübertragung und die bereits vorhandene PV-Anlage mit in die Berechnungen ein, stellt sich das Ergebnis schon ganz anders dar.“

Am 1. Januar 2020 ist das „Klimapaket“ in Kraft getreten und damit stehen Fördermöglichkeiten bereit, wenn Hausbesitzer ihre alte Heizung durch eine umweltfreundliche Wärmepumpe ersetzen, also künftig regenerative Energien nutzen. Zusätzlich gibt es das Marktanreizprogramm (MAP) des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, welches sowohl den Einbau der Wärmepumpe als auch die notwendigen Umfeldmaßnahmen mit 35 % der förderfähigen Kosten unterstützt. Schlussendlich kann die Förderung noch einmal mit der Austauschprämie (für Ölheizung) auf 45 % erhöht werden.

Bei Familie Noll wurde eine Wärmepumpe installiert, die etwa 75 % ihrer Leistung aus der Umwelt gewinnt. Als Luft/Wasser-Anlage mit 12 kW kann die „aroTHERM plus“ von Vaillant Vorlauftemperaturen von bis zu 75 °C erreichen. „Damit ist sie ideal für die Kombination mit Radiatoren zur Wärmeübergabe an den Raum geeignet. Dieser Wert wird aber in der Praxis eigentlich nie gebraucht“, so Heizungsbaumeister Simeit: „denn einen derart hohen Heizwärmebedarf gibt es nur an ganz wenigen Tagen im Jahr. In der Regel genügen deutlich niedrigere Vorlauftemperaturen, um die Raumtemperaturen gemäß den normativen Anforderungen abzusichern.“ Nimmt man in unserem Fall jetzt die vorhandenen großzügig dimensionierten Heizkörper dazu, dann ergibt sich die Tatsache, dass so viel Wärmeübertragerfläche vorhanden ist, dass die Vorlauftemperatur selbst bei minus 5 °C nicht höher als 40 °C liegen muss, um in den Wohnräumen 20 bis 22 °C Raumtemperatur zu erreichen.

Simeit hat außerdem den Warmwasserbedarf des Zwei-Personen-Haushaltes mit in das Konzept einbezogen und die Inneneinheit der Wärmepumpe mit ihrem integriertem 190-Liter-Trinkwasserspeicher im Heizkreis um einen 100-Liter-Pufferspeicher als Rücklauf-Reihenspeicher ergänzt. Damit ergibt sich ein entsprechender Wirkungsgrad der Wärmepumpe einerseits und eine geregelte Abschaltung bei fehlender Wärmeanforderung andererseits. Simeit sagt: „Und notfalls kann sogar noch die PV-Anlage auf dem eigenen Hausdach über einen Elektroheizstab unterstützend regenerative Energie liefern, wenn der Wärme- und Warmwasserbedarf nicht nur das vorgehaltene Volumen, sondern gleichzeitig noch die Leistungsfähigkeit der Wärmepumpe übersteigen sollte. Die Akzeptanz der ökologischen Wärmepumpentechnologie steht und fällt letztlich wie bei jeder anderen Heizungsvariante mit der praktischen Realität. Durch die bedarfsgerechte Anlagenkombination haben wir hier sowohl den punktuell hohen Heizwärmebedarf wie die komfortable Warmwasserversorgung zuverlässig abgesichert. Wir bedienen damit genau die Ansprüche, die Hausbesitzer bei der Sanierung ihres Objektes heute eigentlich immer an die technische Gebäudeausrüstung stellen.“

Die gesamte Steuerung der komplexen Anlage ist denkbar einfach und wird mit einer Bedieneinheit realisiert. Simeit: „Der zugehörige Systemregler ‚multiMATIC 700‘ wurde mit wenigen Handgriffen als Ersatz der alten Heizungsregelung im Wohnzimmer montiert. Jetzt steuert er über die vorhandene Verkabelung in Verbindung mit der Regelung in der Inneneinheit nicht nur die Wärmepumpe, sondern zugleich den höchst effizienten Eigenstromeinsatz.“ Die Hausbesitzer jedenfalls freuen sich über die Bedienungsfreundlichkeit genauso wie über die einfache Installation.