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Legionellenrisiko in stillgelegten Gebäuden

Corona birgt noch weitere, nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbare, Gefahren. Eine davon ist das Legionellenrisiko in stillgelegten Gebäuden. Durch die Schließung unzähliger Gebäude, wozu unter anderem Schulen, Hotels und Kitas gehören, wird auch der Trinkwasserkreislauf dieser Gebäude nicht mehr genutzt.

Eine fehlende Wasserentnahme kann hier eine Vermehrung von Mikroorganismen und Krankheitserregern wie Legionellen bedeuten. Es ist unbedingt erforderlich, bestimmte Präventivmaßnahmen zu ergreifen, wenn diese Gebäude wieder in Betrieb gehen. Ansonsten kann der fatale Ausbruch der Legionärskrankheit drohen.

Zu diesem Zweck haben Trinkwasserexperten der FH Münster, der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und der freien Wirtschaft ein Merkblatt mit Regeln und Maßnahmen verfasst. Es geht darin darum, die hygienische Trinkwasserqualität auch in stillgelegten Gebäuden weiterhin zu sichern. Prof. Dr. Carsten Bäcker ist Experte für Gebäudetechnik der FH Münster. Er sagt dazu: „Wir sehen es an unseren eigenen Hochschulgebäuden. Allein auf dem Campus Steinfurt sind sonst rund 5000 Studierende unterwegs und nutzen die Trinkwasserinstallationen. Das fällt jetzt alles weg. An den Trinkwasserentnahmestellen wie Waschbecken oder Toilette stagniert deshalb das Wasser, und das begünstigt das Wachstum von Legionellen. Den meisten Betreibern von Gebäuden sind die erheblichen hygienischen Risiken nicht bewusst, die aus einer nicht ausreichend betriebenen Trinkwasserinstallationen resultieren können.“ Deshalb hat Bäcker zusammen mit Prof. Dr. Werner Mathys (WWU Münster), Prof. Bernd Rickmann (FH Münster), Jürgen Kannegießer (Ingenieurbüro KaTPlan), Timo Kirchhoff (Kemper GmbH) und Stefan Cloppenburg (FH Münster) das Merkblatt verfasst.

Legionellen bedeuten mitunter eine große Gefahr. Sie können aggressive, oft tödlich verlaufende Lungenentzündungen hervorrufen. Verläuft der Infekt leichter, dann kann es trotzdem zu Fieber und Symptomen kommen, die bei einer Influenza oder auch der SARS-CoV-2-Infektion möglich sind. Die Experten sprechen in ihrem Merkblatt daher eine Warnung aus: „Es ist davon auszugehen, dass jede Infektion mit Legionellen den Verlauf einer parallelen oder später stattfindenden Infektion mit SARS-CoV-2 erheblich verschlechtern wird, da es zu erheblichen Schädigungen der Lunge und zu einer gefährlichen Schwächung des Gesamtorganismus kommt. Infektionsgefährdet sind insbesondere Ältere, immunschwache oder immunsupprimierte Personen – also die gleichen Risikogruppen wie bei SARS-CoV-2.“

Die Legionellen werden nicht über das Wasser, sondern über den feinen Sprühnebel beim Öffnen des Wasserhahns aufgenommen. Es gibt aber Grundregeln, die bei Einhaltung dazu führen, dass sich Legionellen gar nicht erst ansiedeln. Zu allererst ist es wichtig, dass das Trinkwasser frisch ist und auch frisch bleiben muss. Prof. Bernd Rickmann sagt dazu: „An allen Entnahmestellen sollte man regelmäßig das Wasser laufen lassen, am besten täglich. Zweitens müssen die zulässigen Temperaturen für kaltes und warmes Wasser berücksichtigt werden. Denn Legionellen vermehren sich besonders gut bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius. Genau diese Temperaturen sollten im Trinkwasserbereich vermieden werden. Zuletzt ist darauf zu achten, dass die Installation gespült oder desinfiziert wird, bevor sie wieder in Betrieb genommen wird.“ Genau beschrieben sind diese Punkte in dem Merkblatt.

Weiterhin gibt das Merkblatt auch Aufschluss darüber, wie verschiedene Szenarien aussehen, die die Hygiene in den Trinkwasserinstallationen sicherstellen. Jürgen Kannegießer sagt hierzu: „Es ist wichtig, dass die Installation immer so betrieben wird, wie sie auch geplant wurde. Das gilt nicht nur für Krisenzeiten. Leider rückt die Bedeutung einer gesundheitlich sicheren Trinkwasserqualität in so einer Zeit aus dem Fokus, aber das sind Maßnahmen, die immer durchgeführt werden müssen.“ Alles, was an Maßnahmen durchgeführt werden sollte, beschreibt das Merkblatt im Detail. Besonders angesprochen sind hier Kommunen, Gesundheitsämter, Betreiber von Kitas, Seniorenheimen, Kliniken, Wohnheimen, Beherbergungsbetrieben und alle anderen Betroffenen.

Das Merkblatt ist im Internet frei verfügbar unter fhms.eu/twq.