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Klimafreundlich mit einer Ölheizung

Auch mit einer Ölheizung im eigenen Haus kann man CO2 einsparen und die Umwelt schonen. Am Beispiel vom Innovationshaus Wolfhagen wird eindrucksvoll bewiesen, dass trotz einer Ölheizung im Keller 88 % CO2 weniger entsteht.

Hört man den Begriff Ölheizung, dann rümpft jeder die Nase und weiß, dass es spätestens 2026 keine Ölheizungen mehr gibt. Was viele nicht wissen, ist, dass der Stand der Technik so weit ist, dass der Klimaschutz auch mit einer Ölheizung machbar ist. Das Ganze wird durch treibhausgasneutrale flüssige Energieträger ermöglicht. Hier und da werden diese Energieträger schon genutzt, wie zum Beispiel in verschiedenen Modellprojekten des Instituts für Wärme und Oeltechnik. Auch im Alltag werden synthetische Fuels bereits getestet, so wie im hessischen Wolfhagen.

Schon im Dezember 2017 wurde hier ein einzigartiges Projekt gestartet. Es wurde in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Wolfhagen, einem Energiesystemehersteller und des IWO das Innovationshaus Wolfhagen geschaffen. Es erfolgte eine Modernisierung der Wärmeversorgung mit einer neuen Heizungsanlage mit Öl-Brennwerttechnik, einer Strom-Wärmepumpe, Strom- und Wärmespeichern im Keller und einer Solarstromanlage auf dem Dach. Der Ort selber sorgt mit einem Solarpark und Windenergieanlagen für ausreichend grünen Strom. Leider stimmen hier die wetterbedingte Stromproduktion und die Abnahme durch die Haushalte nicht immer überein, weshalb vor Ort jetzt dynamische Stromtarife und neue Technologien getestet werden.

Das Projekt-Haus kann hier nun den Ökostrom aufnehmen und die eigene Strom- und Wärmeversorgung sicherstellen. Reicht der Strom nicht aus, dann springt die die Wärmeversorgung durch das Öl-Brennwertgerät ein. Ausgestattet ist das Haus mit einem Hybridheizgerät, das Strom-Wärmepumpe und Öl-Brennwertmodul kombiniert. Außerdem sind vorhanden: eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, eine Batterie zur Stromspeicherung, zwei Wärmespeicher mit insgesamt 500 Liter Volumen und ein 1500-Liter-Heizöltank. Der Öltank ist befüllt mit einer, wie bereits erwähnt, treibhausgasreduzierten Mischung, die nur noch zu rund einem Viertel aus klassischem Heizöl und zu drei Vierteln aus einem neuen Brennstoff besteht. Dieser Brennstoff wiederum wird aus Altfetten hergestellt und ermöglicht dadurch eine CO2-Minderung von rund 80 %. Eine Regelung im Haus sorgt außerdem für eine intelligente Steuerung, die sich dem jeweiligen Angebot von Wind- und Solarstrom anpasst.

Seit Beginn des Projektes sind nun eineinhalb Jahre vergangen und das IWO hat alle Messergebnisse ausgewertet. Christian Halper, IWO-Projektleiter für Modellvorhaben, sagt: „Das Innovationshaus Wolfhagen kommt bei der ganzheitlichen Betrachtung von Strom- und Wärmeversorgung auf eine CO2-Minderung von insgesamt 88 %.“ Weitere Messergebnisse überzeugen ebenso: Vom 1. September 2018 bis 1. September 2019 produzierte die PV-Anlage 5.170 Kilowattstunden (kWh) Strom, wovon 1.983 kWh als Haushaltsstrom und 689 kWh zur Wärmeversorgung genutzt wurden. Der restliche Strom ging ins öffentliche Stromnetz. Im Ganzen wurde der Treibhausgasausstoß für die Strom- und Wärmeversorgung um insgesamt rund 6 Tonnen auf nur noch 800 kg gesenkt. Verbraucht wurden 245 Liter klassisches schwefelarmes Heizöl und 821 Liter treibhausgasreduzierter Brennstoff, anstatt 1.600 Liter klassischen Heizöls.

Auf diese Weise kann man sagen, dass das Innovationshaus Wolfhagen ein voller Erfolg ist und zeigt, was technisch möglich wäre. Halper ist mit Recht stolz und sagt: „Die von uns praktizierte Lösung zeigt vor allem, wie Gebäude mit Hybridsystemen zur Harmonisierung von Ökostrom-Angebot und -Nachfrage beitragen können.“