Zum Inhalt springen

Aufbereitung von Trinkwasser

Der Kalkschutz im Trinkwasser hat eine besondere Bedeutung. Leider gehört dieses Thema noch nicht zu den Grundvoraussetzungen in der Anlagentechnik. Dabei sollte die Beschaffenheit des Trinkwassers eine große Rolle spielen. Im Bereich der Heizung zum Beispiel müssen die Fachleute sowohl die VDI 20351 als auch diverse spezifische Vorgaben von Herstellern für das Füll- und Ergänzungswasser berücksichtigen. Wenn es um warmes und Kaltes Trinkwasser geht, dann sollte der Kalkschutz auch eine grundsätzliche Voraussetzung sein, denn sonst leidet die Hygiene.

Kalkablagerungen sichtbar machen: Bei einer vorgeschriebenen Aufbereitung von 150 l Füllwasser für einen Heizungskreislauf werden bei 17,9 °dH etwa 10 g Kalk einmalig ent­zogen (entspricht einem Teelöffel rechts). Doch wenn der Kalkschutz fürs Trinkwarmwasser ausbleibt, werden jährlich (bei 42 m³) 3 kg Kalk ausgeschieden, wenn das Wasser auf 60 °C erwärmt wird. Diese Menge setzt sich im System ab oder wird über Armaturen ausgeschieden. Hier sind Kalkflecken oder Kalkkrusten sichtbar. Bild: Watercryst

In breiten Gegenden Deutschlands sind Härtegrade im Trinkwasser von 15 Grad Deutsche Härte (abgekürzt °dH) oder sogar weit mehr keine Seltenheit. Die daraus resultierenden Wirkungen sind in den letzten Jahren immer berechenbarer geworden und auch die Reaktion des Trinkwassers ist weitestgehend erforscht.

Zur Verdeutlichung: Pro Grad Deutscher Härte sind insgesamt 17,9 Gramm an Härte bildenden Substanzen pro Kubikmeter Trinkwasser vorhanden. Das bedeutet, wenn 1000 Liter Wasser mit 12°dH fließen, dann können theoretisch 214,8 Gramm an Substanzen wirksam werden. Bei 20°dH ergeben sich Substanzen von 358 Gramm pro Kubikmeter. Wie viele Substanzen aber tatsächlich wirksam werden, das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, in erster Linie jedoch von der Temperatur.

Ein Beispiel: In einem Münchener Versorgungsgebiet beträgt der Härtegrad des Wassers 17,5°dH. Der Wert für mögliche Abscheidungen ändert sich mit der Temperatur wie folgt:

  • 16,2 mg/l, wenn das Wasser 15°C hat
  • 59,5 mg/l, wenn das Wasser 60°C hat
  • 85,4 mg/l, wenn das Wasser 80°C hat


Natürlich muss der Kalk erkannt werden, damit man effektiv dagegen vorgehen kann. So haben Wasserexperten vom Unternehmen Watercryst beispielsweise berechnet, dass bei einem Einfamilienhaus mit drei Bewohnern und einem Jahresverbrauch von gut 100 m3 bei einem 40%igen Anteil an Warmwasser mit 60°C fast 3 kg Kalk abgeschieden werden. Nachvollziehbar ist dann, dass sich diese Menge erhöht, wenn es sich um ein Mehrfamilienhaus handelt. Daher ist ein Kalkschutz schon eine dringende Sache. Allerdings sieht die Praxis derzeit noch ein wenig anders aus.

In der Haus- und Gebäudetechnik gibt es aber dennoch einen Kritikpunkt: Bedingt durch die Kalkablagerungen kann es nämlich vorkommen, dass Wärmeübertrager unter ihren ursprünglichen Leistungsfähigkeiten bleiben. Das wiederum bedeutet, dass die notwendige Soll-Temperatur des Trinkwassers von mindestens 60 °C, die zur Vorbeugung gegen Legionellen nötig ist, nicht erreicht wird. Außerdem geht die Effizienz jeder Anlage zurück, wenn der Kalkschutz nicht ausreicht und die Dehnungsfähigkeit von Metallen wird durch Ablagerungen auch gemindert.

Kalkablagerungen haben also neben den gesundheitlichen Folgen auch ansonsten eine Reihe von Nachteilen. Daher muss mit mehr Energie dagegen vorgegangen werden, der Kalkschutz darf nicht hintenanstehen.