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Bauen und leben ohne fossile Brennstoffe

Ist das Wohnen in einem energieautarken Haus möglich? Kommt der Eigenheimbesitzer ohne fossile Brennstoffe aus? Es geht! Es ist definitiv möglich und erste Versuche zeigen Erfolg. Welche Voraussetzungen müssen aber erfüllt sein? Wie sieht das Haus der Zukunft genau aus?

 

Sich selbst eigenständig zu versorgen, ohne von fossilen Brennstoffen abhängig zu sein, ist für die meisten eine schöne Vorstellung. Für Timo Leukefeld ist es Realität. Er ist Vorstandsmitglied des Sonnenhaus-Instituts in Straubing (Bayern) und wohnt in einem solchen Haus. Leukefeld sieht genau darin die Zukunft: "Der Durchbruch steht unmittelbar bevor. Der Schlüssel ist die Sonne. Die reicht selbst in unseren Breiten, wo sie im Winter eher wenig scheint, für Heizung und Strom – und zwar ganzjährig."

Um solch ein Haus zu bauen, ein zukunftsorientiertes Konzept auch umzusetzen, bedarf es aber einiger wichtiger Faktoren:
•    Solarthermie und Photovoltaik müssen kombiniert werden, also Wassererwärmung und Stromerzeugung mithilfe der Sonne.
•    Diese Anlagen müssen so installiert sein, dass sie die Sonnenenergie maximal nutzen können. Und das idealerweise auf einem möglichst steilen Dach, weil die Sonne im Winter tiefer steht.
•    Optimal wäre es, wenn das Haus nach Süden ausgerichtet steht und eine gut gedämmte Fassade hat, damit keine Wärme verloren geht.
•    Außerdem sind gute Speicher vonnöten, um Energie für die Zeit zu speichern, in der keine Sonne scheint.
•    Auch ein Langzeitwärmespeicher, der die Hitze des Sommers für die kalten Monate aufbewahrt, wäre vorteilhaft.

Allerdings ist auch so, dass der durchschnittliche Stromverbrauch eines deutschen Vier-Personen-Haushalts bei ungefähr 4500 Kilowattstunden im Jahr liegt. Selbst bei optimalen Bedingungen und Speichermöglichkeiten ist es schwierig, diesen Bedarf zu decken. Dafür hat Timo Leukefeld aber auch eine Lösung: "Bei guter Planung lässt sich der Verbrauch aber locker auf 2000 Kilowattstunden pro Jahr absenken, die schafft die Photovoltaikanlage mit dem Akku in der Regel." Aber wo lässt sich denn sparen und gut planen? Da gibt es viele Möglichkeiten, wie zum Beispiel:
•    Geschirrspüler und Waschmaschine an das Warmwassernetz anschließen, das senkt den Stromverbrauch.
•    sparsame Haushaltsgeräte
•    überall extrem sparsame LED-Leuchten
•    effiziente Heizungspumpen
•    usw.

Ein zu 100 Prozent energieautarkes Haus ist also möglich, in den meisten Fällen aber nicht erreichbar, weil beispielsweise die Lage der Immobilie falsch ist, lange Schnee auf den Solarflächen liegt oder die Dachneigung unzureichend ist. Leukefeld ist sich aber sicher: "50 bis 70 Prozent Autarkiegrad sind für den Massenmarkt schon ein gutes Ergebnis, liegt im Winter mal vier Wochen lang Schnee auf den Solarmodulen, kommt keine Sonnenenergie rein. Dann muss auch ich zusätzlich heizen."

Und dann sind da noch die Kosten, die sicherlich nicht für jedermann erschwinglich sind. Leukefeld nennt dazu folgende Zahlen: ein etwa 160 Quadratmeter großes Haus kostet 350 000 Euro bei 50 Prozent Autarkiegrad und 450 000 Euro bei 90 bis 100 Prozent Autarkiegrad. Das sind schon große Zahlen, jedoch sollte man auch Kosten und Nutzen durchrechnen. Gegen den Anschaffungspreis steht nämlich auch eine Einsparung von 2000 und 4000 Euro Energiekosten im Jahr je nach Autarkiegrad.