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Ganzheitliche Brandschutzkonzepte

Wie wichtig Brandschutzkonzepte sind, machen folgende Zahlen deutlich:

•    bis Mitte September ist in diesem Jahr 34-mal in Krankenhäusern ein Feuer ausgebrochen
•    79 Personen wurden bei Krankenhausbränden verletzt
•    7 Menschen starben bei Krankenhausbränden
•    statistisch brennt es alle 18 Tage in einem Krankenhaus, alle 8 Tage in einem Alten- oder Pflegeheim
•    80 Prozent der Bewohner/Patienten sind nicht in der Lage, sich allein zu retten

Hier ist eine einheitliche Krankenhausordnung notwendig, Brandschutzkonzepte können Leben retten. In den allermeisten Fällen ist es nicht das Feuer, das Opfer fordert, sondern der gefährliche Rauch. Er kann böse Folgen haben, denn:
•    er breitet sich äußerst schnell aus, auch über mehrere Etagen
•    er wirkt tödlich
•    er verhindert eine Orientierung
•    er macht einen effektiven Löschangriff unmöglich
Es wäre also entscheidend, dass sich der entstehende Rauch nicht zu schnell ausbreitet.

Einige Bundeländer haben bereits Empfehlungen und Verordnungen herausgegeben, allerdings gibt es bisher keine bundesweite Musterverordnung diesbezüglich. Wichtig wären einheitliche bauordnungsrechtlich eingeführte Bauvorschriften, in der die speziellen Anforderungen an Krankenhäuser und Pflegeheime definiert sind. Diese Gebäude werden in den meisten Bundesländern zu den „ungeregelten Sonderbauten“ gerechnet. Das wiederum bedeutet, dass sie ein individuelles Brandschutzkonzept benötigen.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Nordrhein-Westfalen:
Die NRW Krankenhausbauordnung von 1978 wurde am 31.  Dezember 2009 aufgehoben. Es gibt keinen Ersatz. Es gibt nur eine alte Muster-Krankenhausbauverordnung (KhBauVO), die im Dezember 1976 verabschiedet wurde. Bezüglich des Bauordnungsrechtes ist ein Krankenhaus in NRW derzeit ein Sonderbau. Das heißt, dass alle brandschutztechnischen Schutzmaßnahmen für Neubau, Umbau oder Renovierung einzeln ausgehandelt werden müssen.

Nun ist guter Rat teuer. Ein flächendeckender Einbau von selbstständigen Sprinkleranlagen ist keine Lösung, denn es soll ja gegen den Rauch vorgegangen werden. Was sollte somit an oberster Stelle stehen? Eine ganzheitliche Betrachtung der oftmals komplexen Krankenhausarchitektur. Das wichtigste Ziel ist doch, einen höchstmöglichen Schutz für Patienten und Mitarbeiter sicherzustellen. Wichtige und zu berücksichtigende Punkte sind:
•    eine detaillierte Betrachtung von Kompensationsmaßnahmen zum baulichen Brandschutz
•    Details zum organisatorischen Brandschutz
•    eine stille Alarmierung
•    Fluchtleitsysteme
•    Rauchfreihaltung von Treppenräumen
•    die gezielte Entrauchung
Alle diese Punkte müssen zudem in einem Gesamtbrandschutzkonzept eingebunden werden.

Die Technik ist vorhanden, so gibt es Brandmeldeanlagen, Rauchschutzdruckanlagen oder maschinelle Entrauchungsanlagen. Technisch ist es möglich, bereits in einer frühen Phase des Brandes Signale zu senden, Rettungskräfte zu alarmieren und Fluchtwege effektiv rauchfrei halten. Im Falle eines Brandes hätte das Personal genügend Zeit, Patienten zu evakuieren. Durch die Einführung solcher Systeme können die eingangs erwähnten Zahlen deutlich besser aussehen.

Angesichts dieser Fakten bleibt die Hoffnung, dass die Bauministerkonferenz die Entscheidung für eine neue „Muster-Verordnung über den Bau und Betrieb von Krankenhäusern“ trifft. Außerdem bleibt zu hoffen, dass die bundesweite Umsetzung und die Einführung einer einheitlichen Krankenhausbauordnung dann nicht lange auf sich warten lassen.