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Alles neu in Sachen Energiewende

Die Nachfrage nach Ökostrom sinkt bei den Deutschen. Wollte der Bundeswirtschaftsminister „die größte Reform des Strommarktes seit der Liberalisierung in den 90er-Jahren“ mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in die Wege leiten, so sei dies „die nächste Phase der Energiewende.“ Dieses Projekt wird laut Umfragen von den Bundesbürgern unterstützt. Warum geht dennoch die Ökostrom-Nachfrage zurück?

 

59 Prozent der Befragten in einer Erhebung der Agentur für Erneuerbare Energien gaben an, dass sie Windräder gut finden. Trotzdem steht fest, dass die Zahl der privaten Haushalte mit Ökostromtarifen binnen Jahresfrist von 5,75 Millionen auf 4,4 Millionen gefallen ist – so das Ergebnis der jüngsten Ökostromumfrage. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass es unter der Bevölkerung Akzeptanzprobleme gibt.

Dazu kommt die Tatsache, dass immer mehr Grünstrom-Tarife zu den billigsten Angeboten gehören. Das lässt die Vermutung zu, dass der Kunde wohl eher den Geldbeutel als den Umweltgedanken bevorzugt. Wären wirklich die grünen Gedanken in der Überzahl, müsste die Wahl auf Strom mit dem Qualitätsnachweis „OK Power“ und „Grüner Strom Label“ fallen. Diese Anbieter garantieren nämlich zusätzlich, dass sie einen Teil ihrer Gewinne in den Bau neuer Ökostromkapazitäten investieren.

Doch diese Tatsache und andere Umweltgedanken sind den Deutschen offensichtlich gar nicht so wichtig. Eine Auswertung von Verivox-Daten ergab nämlich, dass der Anteil der hochwertigen Ökostrom-Label in diesem Jahr nur leidige 0,4 Prozent aller Grünstrom-Abschlüsse ausmachte. Zum Vergleich: Im Fukushima-Folgejahr 2012 waren es noch 42,1 Prozent.

Eine mögliche Ursache für das nachlassende Interesse an Ökostromtarifen könnte die steigende EEG-Umlage sein. Das sieht zumindest Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, so. Er merkt an, dass die EEG-Umlage in den Stromabrechnungen der Menschen immer präsenter wird. Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung beschäftigt sich mit dem sinkenden Interesse an Ökostrom und hat in einem aufwendigen Verfahren den Stellenwert herausfinden wollen, den der Ökostrom bei den Verbrauchern noch einnimmt. Nachgewiesen wurde damit der nachlassende Enthusiasmus für grünen Strom.

Auch das Marktforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) Befragungen durchgeführt. Hier fanden zwei Befragungen statt, von jeweils mehr als 6000 Haushalten. Manuel Frondel, Leiter des RWI-Forschungsprojekts, fasst die Ergebnisse zusammen: Die Marktforschung hat ergeben, „dass die Zahlungsbereitschaft für grünen Strom in den vergangenen Jahren deutlich gesunken ist“. Verglichen mit einer ähnlichen Studie von 2014 sagen fast 60 Prozent der befragten Haushaltsvorstände, dass die Zahlungsbereitschaft nachgelassen hat. Manuel Frondel weiter: „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Akzeptanz für die Energiewende mit der voraussichtlich weiter steigenden EEG-Umlage künftig schwinden könnte.“