Zum Inhalt springen

Heiz- und Kühlsystem in Bäckerei-Verwaltungsgebäude

In Garrel in Niedersachsen befindet sich die Bäckerei Behrens-Meyer, ein Familienbetrieb, dessen Geschichte 1928 begann. Schon in der dritten Generation ist das Unternehmen heute tätig und hat sich im Laufe der Jahre zu einer der größten Bäckereien in Norddeutschland entwickelt.

Insgesamt arbeiten rund 750 Menschen in der Produktion und in den insgesamt 80 Filialen. Aufgrund des Wachstums der Firma wurde 2017 ein neues Bürogebäude für die Geschäftsleitung und die kaufmännischen Beschäftigten gebaut. Das Gebäude bietet mehr Platz und hat zwei Geschosse. Ziel des entsprechenden TGA-Konzepts war neben Effizienz- und Mehrwertfaktoren im Heiz- und Kühlbereich vor allem das Wohlfühlen der Gebäudenutzer.

Die Fläche, die beheizt werden muss, beträgt 1.000 Quadratmeter auf zwei Stockwerken. Im unteren Geschoss gibt es außerdem eine nicht beheizte Erweiterung des Lagers mit 400 Quadratmetern. Das Gebäude selbst wurde in Massivbauweise in KfW-55-Standard errichtet. Matthias Hinxlage, Geschäftsführer des für die Haustechnik planenden und ausführenden Betriebs Hinxlage Energietechnik GmbH, sagt: „Eine moderne und effiziente Gebäudetechnik galt es dabei zu erstellen, um den Vorgaben der Inhaber gerecht zu werden und die laufenden Kosten dauerhaft niedrig zu halten.“

Im neuen Bürogebäude wurden zwei Gas-Brennwertkessel mit jeweils 120 kW als Kaskade installiert, die in Kombination mit einem Blockheizkraftwerk mit 15 kW elektrischer und 30 kW thermischer Leistung arbeiten. Dazu wurde ein Pufferspeicher mit 22.000 Liter Fassungsvermögen installiert. Es handelt sich hier um ein geschlossenes System. Hinxlage erklärt: „Zwei große Spülmaschinen werden mit ca. 50 °C heißem Wasser versorgt. Das austretende Kaltwasser von 10 °C bis 12 °C wird den Kühlaggregaten zugeführt und gelangt dann mit ca. 40 °C wieder zum BHKW. Die Laufzeit dieses gasbetriebenen Geräts wird mit etwa 8000 Stunden pro Jahr angegeben, was eine optimale Nutzung nahezu rund um die Uhr gewährleistet.“

Von der Heizzentrale aus wird das Gebäude über einen Nahwärmeanschluss mit Wärme versorgt. Installiert wurden für diesen Zweck drei Heiz- und drei Kühlkreise und ein Pufferspeicher mit 5.000 Liter Fassungsvermögen. Für die Kühlung wird auch mit Wärmerückgewinnung gearbeitet. Hinxlage: „Die Abwärme eines Backofens versorgt die Adsorptionskältemaschine, die wiederum Kälte für die passive Kühlung liefert. Dies erlaubt einen effizienten Anlagenbetrieb und trägt dem Mehrwertgedanken Rechnung.“

Ganz wichtig bei der Wärme- und Kälteerzeugung ist natürlich die Effizienz, was aber in der Bäckerei mindestens ebenso wichtig ist, ist die Behaglichkeit für Mitarbeiter, denn die sollen sich wohlfühlen. Die angenehmen Temperaturen werden hier mithilfe von „aquatherm black system“-Register erreicht. Damit werden das Heizen und das Kühlen realisiert, so dass sich am Ende die Temperaturen im Raum zwischen 20 °C im Winter und 26 °C im Sommer bewegen. In den Büro- und Verwaltungsräumen sind insgesamt 500 Metallkassetten mit eingelegten Heiz- / Kühlregistern verbaut. In den Sanitärräumen existieren abgehängte Deckenkonstruktion, für die die Register auf Maß gefertigt, in die metallische Unterkonstruktion eingehängt und mit einer Trockenbaudecke verkleidet wurden. Matthias Hinxlage fasst passend zusammen: „Das System setzen wir vor allem in drei Bereichen ein: Auf 6 cm dicken Filigrandecken – unter dem Aufbeton und Estrich – als Beton-Kernaktivierung, im klassischen Trockenbau als Deckenheiz- und -Kühlelement sowie als Wandheizung z. B. im Duschbereich.“

Das Flächenheiz- und -Kühlsystem besteht aus fusiolen PP-R und kann dicht unter dem Putz oder dem Trockenelement verlegt werden. Die gesamte Aufbauhöhe beträgt nicht mehr als 24,5 mm. Dabei sind die einzelnen Rohrregister mit rechteckigen Verteilern / Sammlern ausgestattet, die wechselseitig angeordnet sind. Hinxlage erklärt dazu: „Dies ermöglicht die problemlose Anbindung z. B. nach dem Tichelmann-Verfahren.“ Das verwendete System bietet einige Vorteile, es lässt sich in Decke, Wand und Fußboden einsetzen und ist sowohl für den Neubau als auch für die Sanierung geeignet. Außerdem kann es in Deckensystemen mit Metall- oder Holzunterkonstruktion ebenso wie in thermisch aktiven Deckensegeln eingesetzt werden. Hinxlage hebt besonders hervor: „Positiv fällt das geringe Gewicht von ca. 4,1 kg/m² inklusive Wasserfüllung auf. Hinzu kommen gute Schweißeigenschaften und für den Betrieb sind Dauertemperaturen von bis zu 70 °C kein Problem.“

Befestigt sind die Flächenheiz- und -Kühlregister in den Büroräumen mit einem Magnethaltesystem, außerdem sind sie genau auf die Standardrasterkassetten von 625 x 625 mm abgestimmt. Die Verbindungen zwischen den einzelnen Registern bestehen aus Anschlusswellrohren. Hinxlage sagt abschließend: „Es mussten lediglich die Steckverbinder des Rohres auf die Anschlüsse des Kunststoffregisters gedrückt werden. Dieses Verfahren ermöglichte einen raschen Baufortschritt, zumal die Materialien leicht und ohne Werkzeuge verbaut werden konnten.“