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Mangel an Ingenieuren in deutschen Behörden

Das Institut der Bauwirtschaft (BWI-Bau) macht sich Sorgen um den Nachwuchs im Bereich der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA). Das Ergebnis einer Untersuchung sagt nämlich aus, dass die Zahl der TGA-Spezialisten in der öffentlichen Verwaltung bei weitem nicht ausreichen. Es fehlt an TGA-Ingenieuren, denn genau sie sind es, die das Rückgrat der Infrastrukturplanung und der Immobilienwirtschaft in Deutschland bilden. Die Untersuchung der BWI-Bau hat zudem ergeben, dass sich die Zahl der Spezialisten in der Bauverwaltung bis zum Jahr 2028 verdoppeln müsste.

Das erwähnte Forschungsprojekt heißt „Entwicklung eines Konzepts zur Gewinnung von Ingenieurnachwuchs für die öffentliche Bauverwaltung, insbesondere im Bereich TGA“. Das Ganze dauert noch bis Jahresende. Die oben erwähnten Ergebnisse stammen aus dem ersten Teil des Projekts und beruhen auf einer Bestands- und Bedarfserhebung. Dr. Enno Paulsen ist im BWI-Bau zuständig für das Ressort Branchenanalyse und Baumarktökonomie und sagt: „Viele Kommunen haben es in den vergangenen Jahren versäumt, ihre Bauverwaltung mit ausreichend Ingenieuren und TGA-Experten auszustatten. Im Gegenteil: Parallel wurde sogar Personal abgebaut – Kapazitäten, die bereits heute fehlen.“ Er führt weiter aus, dass in den nächsten zehn Jahren ca. 25 Prozent der aktiven Spezialisten in den Ruhestand gehen. Vor diesem Hintergrund müssen Anreize für den Nachwuchs geschaffen werden. Im genauen Ergebnis des Instituts der Bauwirtschaft steht, dass insgesamt 13.800 TGA-Fachkräfte benötigt werden, aktuell aber nur 7.500 beschäftigt sind.

Hintergrund der Studie ist, dass das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat zwei Fragen gestellt hat, und zwar erstens die nach dem aktuellen Bestand an TGA-Ingenieuren bundesweit und die nach der zukünftigen Entwicklung des Bedarfs. Um Antworten auf diese Fragen geben zu können, wurden Quellen vom Statistischen Bundesamt sowie von der Bundesagentur für Arbeit genutzt. Dabei kamen unter anderem folgende Zahlen zum Vorschein:
•    laut dem Statistischen Bundesamt gab es 2015 insgesamt 891.000 Erwerbstätige in der Gruppe „Gebäude- und versorgungstechnische Berufe“ – dazu gehören die Gebäudetechnik und die SHK-Branche
•    402.000 Angestellte entfielen auf die Gebäudetechnik
•    292.000 Angestellte entfielen auf den SHK-Bereich und die Klempnerei
•    197.000 Angestellte entfielen auf die Versorgung und Entsorgung
Die Untersuchung ergab außerdem, in welchen Wirtschaftsbereichen die Angestellten arbeiten:
•    im Baugewerbe mit 287.000 Erwerbstätigen (entspricht 32 %)
•    in der Wohnungswirtschaft mit 189.000 Beschäftigten (21 %)
•    in der öffentlichen Bauverwaltung mit 75.000 Beschäftigten (8 %)
Diese acht Prozent in der öffentlichen Bauverwaltung wurden wiederum auf gesplittet:
•    gut zwei Drittel der Berufstätigen entfallen auf die Gebäudetechnik
•    ein gutes Viertel entfällt auf die Ver- und Entsorgung
•    alle weiteren sind im Bereich SHK-Branche und Klempnerei tätig

Um den Berufsstand der TGA-Ingenieure einzugrenzen, half an dieser Stelle die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Beim Statistischen Bundesamt werden nämlich alle Beschäftigten erfasst, egal ob angelernte Kraft oder Geschäftsführer. Mit Hilfe der Bundesagentur für Arbeit wurden die Beschäftigten nun in die Kategorien Helfer, Fachkraft, Spezialist und Experte eingeteilt, wobei die Spezialisten ihre Kenntnisse im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen (Meister/Techniker) oder über einen Bachelorabschluss erworben haben und die Experten eine mindestens vierjährige Hochschulausbildung haben.

Die Ergebnisse dessen sehen folgendermaßen aus:
•    2017 arbeiteten in der Gruppe „Gebäude- und versorgungstechnische Berufe“ 8 % der Beschäftigten als „Spezialisten“
•    in der gleichen Gruppe arbeiteten 2 % als „Experten“

Die BWI-Bau teilt dazu mit: „Diese relative Größe ließ sich auf die 75.000 Beschäftigten der Gebäude- und Versorgungstechnik im öffentlichen Dienst übertragen. Somit kann ein Bestand von kumuliert rund 7.500 Beschäftigten, die als Spezialisten und Experten in der Gebäude- und Versorgungstechnik tätig sind, errechnet werden.“ Das heißt unterm Strich: Ungefähr 7.500 TGA-Ingenieure arbeiten in der öffentlichen Bauverwaltung.

In der Zukunft werden viele der heutigen Fachkräfte ausscheiden. Dr. Enno Paulsen sagt zu diesem Thema: „Ein Kraftakt. Bezogen auf die Grundgesamtheit der Gruppe steht hier bis 2028 ein altersbedingter Ersatzbedarf von ca. 261.000 Personen an.“ In der öffentlichen Bauverwaltung müssten in den nächsten zehn Jahren etwa 22.500 der insgesamt 75.000 Stellen ersetzt werden. Dr. Enno Paulsen: „Übertragen auf die 7.500 Spezialisten und Experten im Bereich der öffentlichen Gebäude- und Versorgungstechnik wären hier in den nächsten zehn Jahren etwa 1.800 Personen zu ersetzen.“

Das Institut der Bauwirtschaft hält, auch aufgrund der Tatsache, dass es ein weiteres volkswirtschaftliches Wachstum gibt, also fest, dass der Bedarf an Ingenieuren weiter steigen wird. „Besonders wachsende Bauinvestitionen der öffentlichen Hand werden die Nachfrage steigern.“ Hinzu käme noch der Abbau eines „enorm hohen Investitionsstaus“ beispielsweise in der Verkehrsinfrastruktur oder in Schulen. BWI-Bau weiter: „Zur Abarbeitung dieses Investitionsrückstands ist der Einsatz weiterer TGA-Ingenieure erforderlich. Die jetzigen Bauinvestitionen in Höhe von durchschnittlich 19 Mrd. Euro werden mit einem Bestand von rund 7.500 TGA-Ingenieuren mehr schlecht als recht erbracht.“ Um Zahlen zu nennen, zukünftig würden mindestens weitere 8.100 TGA-Ingenieure benötigt.

Aber wie kommt die Branche nun an den Nachwuchs? BWI-Bau hierzu: „Leider ist die Zahl der Studienanfänger in den besonders TGA-relevanten Bereichen Versorgungstechnik, Elektrotechnik und Bauingenieurwesen seit dem Wintersemester 2011/12 rückläufig. Das Studium ausgerechnet in diesen drei wichtigen ingenieurwissenschaftlichen Bereichen konnte also nicht vom generellen Studentenboom der vergangenen Jahre profitieren.“