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Viel Kritik am GEG-Entwurf

Der neue, von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf zum neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG) erntet eine Menge Kritik. Viele Verbände und Organisationen sehen hierbei noch viel Luft nach oben.

Der Verband Beratender Ingenieure (VBI)

Der VBI beispielsweise kritisiert die Rahmenbedingungen für den Niedrigstenergiegebäude-Standard. Der VBI-Präsident Jörg Thiele sagt dazu: „Eine Verschärfung der Anforderungen für Neubauten, insbesondere aber bei Sanierungen im Bestand, ist vertretbar und zum Erreichen der Klimaschutzziele erforderlich.“ Des Weiteren mahnt er an, dass der Entwurf bedingt durch die Anwendung der DIN V 18599 für den Nachweis des Jahresprimärenergiebedarfs keine Vereinfachung der Berechnungsverfahren vorsieht. Außerdem sei auch das vorgeschlagene Modellgebäude-Verfahren zur Bemessung energetischer Qualitäten ungeeignet. Thiele meint: „Es birgt die Gefahr, dass Bauträger und Investoren die Errichtung standardisierter Gebäude forcieren, statt architektonische Vielfalt zu fördern.“

Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN)

Wird der Status Quo im Gebäudebereich beibehalten, dann sieht das DEN keine Möglichkeit, eine Steigerung der Baukosten zu vermeiden. Der vorgelegte Entwurf entspricht nicht den Notwendigkeiten der Klimaziele im Gebäudebereich, so das DEN weiter. Es ist notwendig, den Entwurf erneut zu überarbeiten und folgende Punkte zu berücksichtigen bzw. aufzunehmen:
•    Begrenzung des mittleren U-Wertes als Anforderungswert an die Gebäudehülle
•    Begrenzung des Fensterflächenanteils
•    Anforderungswert für den maximalen Primärenergiebedarf als Maßstab für den Ressourceneinsatz.
•    Mindestwert für die Deckung des Primärenergiebedarfs durch Erneuerbare Energien
•    Einführung eines Maximalwertes für den CO2-Ausstoß
•    Monitoring der Verbrauchsdaten zur Erfolgs- und Qualitätssicherung.

Das Umweltministerium Baden-Württemberg

Auch das Umweltministerium Baden-Württemberg ist nicht einverstanden mit dem GEG-Entwurf und urteilt: „Die Sanierungsbranche braucht dringend die Einführung zukunftsfähiger gesetzlicher Energiestandards bei Neubau und Sanierung sowie Vereinfachungen bei der energetischen Bilanzierung von Gebäuden. Wir können unsere Klimaschutzziele nur erreichen, wenn deutlich mehr Bestandsbauten umfassend saniert werden. Kleinere Verschärfungen für Neubauten reichen bei weitem nicht.“

Die Stiftung Energieeffizienz

Die Stiftung Energieeffizienz geht noch weiter und sagt, dass der vorgelegte Entwurf ein Garant für Energieverschwendung sei. Diese Verschwendung geht so weit, dass es bis 2030 zu rund 4 Mio. Tonnen vermeidbarer CO2-Emissionen und 1,6 Mrd. Euro überhöhten Heizkosten kommen wird. Als Gründe werden hier angeführt:
•    die mangelnde Effizienz vieler realer Wärmepumpenanlagen in der Praxis
•    der zusätzliche Strombedarf von nicht in der Praxis kontrollierten Wärmepumpen
Damit die Vollzugsdefizite der EnEV nicht weitergeführt werden, müssten vor allem praxisbewährte Arbeitszahlen verbindlich definiert und mittels geeichter Zähler kontrolliert werden.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE)

Vom BEE wird ebenso Kritik laut. Der Entwurf sei „die ambitionslose Fortführung der rechtlichen Regelungen aus dem EEWärmeG und der EnEV“. Es fehlen vor allem entscheidende Impulse für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Außerdem sei Nutzungspflicht erneuerbarer Energien durch Ersatzmaßnahmen umgangen worden. Die Ersatzmaßnahmen wurden gegenüber dem aktuellen Gesetzesrahmen noch ausgeweitet bzw. in ihrem Anspruchsniveau abgesenkt.

Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP)

Schlussendlich wird auch von Seiten des BWP Verbesserungsbedarf bescheinigt. Es heißt hier: „Konventionellen Energieträgern wird auch in der aktualisierten Gesetzesvorlage zu viel Spielraum eingeräumt.“ Das Referenzgebäude, nach dem alle energetischen Anforderungen festgelegt werden, müsse völlig neu definiert werden. BWP: „Es gilt nicht nur, das Anforderungsniveau für den Neubau weiter anzuziehen, sondern das Referenzgebäude auch als Vorbild für Gebäude zu verwenden, welche die Klimaziele für 2050 tatsächlich erreichen können. Im Zentrum dessen sollte auch die Luft‐Wasser‐Wärmepumpe als Standardheizung für Wohngebäude ausgewiesen werden.“ Weiterhin wird vom BWP die unzureichende Anerkennung von Wärmepumpen kritisiert, die Umweltwärme oder Abwärme einsetzen.