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Solar-Tapete auf Getreidesilo

Solarzellen als Tapete auf die Wand geklebt? Das geht! In dieser Art hat der Energieversorger Lechwerke AG nun die Fassade eines Getreidesilos in ca. 20 m Höhe mit 230 Quadratmeter Photovoltaik in Form einer Folie beklebt. Die Folie stammt von Heliatek, einem Unternehmen aus Dresden, und ist nun ein Pilotprojekt. Folgen soll hier ein Langzeittest, in dem die Folie auf rauem Beton in großer Höhe untersucht wird.

Die Leistung der Anlage beträgt rund 10 kWp und produziert werden etwa 6 700 kWh Strom im Jahr, den die Schneller Mühle für den eigenen Betrieb verwenden wird. Die Ergebnisse des Tests fließen dann in die Heliatek-Produktentwicklung und -optimierung im Hinblick auf den geplanten Start der Serienproduktion im kommenden Jahr ein.

Die besonderen Eigenschaften der Folie sind unter anderem:

  • Geringes Gewicht und gute Biegsamkeit
  • Mögliches Anbringen auf unterschiedlichste Fassadenformen und Oberflächen
  • Bei hohen Temperaturen soll kaum Leistung verloren gehen
  • Ein Lüftungsabstand zur Kühlung ist nicht notwendig
  • Die Folie wird direkt auf die Fassade aufgebracht


Außerdem kann sich die Umweltbilanz der Folie durchaus sehen lassen. Sie besteht aus dünnen Schichten organischer, kohlenstoff-basierter Moleküle. Beim Auftragen der Folie, was bei niedrigen Temperaturen erfolgt, werden keine giftigen Stoffe oder Schwermetalle eingesetzt.

Auch Bohrungen im Gebäude, wie bei herkömmlichen PV-Modulen, entfallen und eine Beschädigung der Fassade ist ausgeschlossen. Stattdessen werden die Folien einfach aufgeklebt. In diesem speziellen Fall wurde außerdem eine Grundierung benutzt, die die Haftung des Folienklebers auf dem beton verbessern soll. Das Kleben an sich passierte ähnlich wie beim Tapezieren: Es wurden 6 Meter lange und 32 Zentimeter breite Streifen von oben nach unten ausgerollt.

Nun wollen die Projektbeteiligten Erkenntnisse sammeln, um weitere Einsatzgebiete erschließen zu können. Immerhin sind solche Folien bestens für Industrie- und Gewerbebauten geeignet. Heliatek selbst gehört mehrheitlich zu Innogy und hat sich auf großflächige PV-Solarfolien spezialisiert hat und den Start der Serienproduktion solcher Folien für Mitte 2020 angekündigt.