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Heizen mit Windstrom

Die Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog befindet sich in Nordfriesland und hier erzeugen Hybridheizsysteme die Wärme, und zwar mit Heizöl oder Windenergie. Die nordische Windenergie soll hier immer dann genutzt werden, wenn sie nicht von den Stromnetzen aufgenommen werden kann. Aus diesem Grund sind auch in 13 Häusern die Ölheizkessel zu Hybridheizungen umgebaut worden. Mit einem virtuellen Kraftwerk verbunden, kann nun der Strom aus der Windenergie für die Bereitstellung der Wärme in privaten Haushalten genutzt werden.

In mehreren Bürgerwindparks wird hier Strom aus Windkraft gewonnen, und zwar insgesamt 60 MW. Letztes Jahr konnte aber nur ein Viertel des Stroms genutzt werden, weil die überregionalen Stromnetze nicht in der Lage waren, noch mehr aufzunehmen. Somit schalteten sich die Turbinen ab und die Leitungen wurden geschlossen. Daher war der Plan, dass die Windräder in einem solchen Fall den Strom direkt in die Häuser liefern.

Die jetzige Wind-und-Wärme-Region wurde von der Arge Netz aus Husum, dem Bürger-Windpark Lübke-Koog Infrastruktur, der Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog und dem Hamburger Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) ins Leben gerufen. Die installierten Hybridheizsystem laufen wahlweise mit Öl oder eben Windstrom. Zu diesem Zweck baute man in die Wärmespeicher elektrische Wärmeerzeuger ein, die nun über ein virtuelles Kraftwerk, nämlich das Erneuerbare-Energien-Kraftwerk der ARGE Netz, ferngesteuert werden. Hans-Detlef Feddersen vom Bürger-Windpark Lübke-Koog sagt dazu: „Durch die Einbindung des ansonsten abgeregelten Windstroms muss weniger Heizöl eingesetzt werden, um das Wasser im Heizsystem auf die gewünschte Temperatur zu erhitzen.“

Dieses Projekt gibt es bundesweit nicht noch einmal. In den nächsten Monaten soll hier herausgefunden werden, wie hoch die Einsparungen sein können. Wenn sich die Ergebnisse wie erwartet zeigen, dann könnte das Ganze durchaus als Vorbild für weitere Gemeinden fungieren. Das notwendige Potential wäre auf jeden Fall vorhanden, so gibt es allein in Schleswig-Holstein sehr viel Wind und verfügbare 200.000 Ölheizungen. Und wie sieht es mit den Kosten aus? Strom ist teurer als Öl und das ist der Grund, warum die Gemeinde und die Windparkbetreiber für ein Jahr die Mehrkosten übernehmen, die auf die Heizungsbesitzer zukommen.

Technisch ist es auf jeden Fall möglich, abgeregelten Strom sinnvoll zu verwenden. Die Projektpartner möchten, dass sich dieses Konzept bundesweit etabliert, sagen aber gleichzeitig, dass es dafür einiger „Anreize für eine flexible Stromnachfrage“ bedarf. Ein Beispiel wäre die Umlagebefreiung für den grünen Strom. Das Institut für Wärme und Oeltechnik sagt: „Hier ist der Gesetzgeber gefragt.“