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Vollabdeckung ohne Netzausbau

Wenn die Zahl der Elektro-Autos steigt, dann muss das nicht unbedingt bedeuten, dass zwangsläufig auch der Netzausbau vorangetrieben werden muss. Eine Ausnutzung der Potenziale der Eigenstromversorgung reicht auch aus. Dieses Ergebnis hat eine Studie der TU Braunschweig im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) ergeben.

Prof. Dr.-Ing. Bernd Engel ist einer der beiden Autoren dieser Studie. Er sagt: „Die Elektromobilität mit einem steigenden Bedarf an Ladepunkten kann die bestehenden Energieversorgungsnetze zwar vor Herausforderungen stellen. Wenn aber alle Möglichkeiten von privaten Photovoltaik-Speichersystemen genutzt werden, erreichen wir im typischen Stromverteilnetz die Vollabdeckung mit Ladepunkten in der Regel ohne weitere Ausbaumaßnahmen. Während der Anschluss vieler der 1,7 Mio. Photovoltaikanlagen in Deutschland vor einigen Jahren von den Netzbetreibern vor allem als Herausforderung gesehen wurde, sind inzwischen private Photovoltaik-Speichersysteme ein Teil der Lösung zur Netzintegration der Elektromobilität.“

Der Bundesverband Solarwirtschaft hat eine Kurzstudie in Auftrag gegeben, die zur Analyse einer Steigerung der Zahl von Ladepunkten für die Elektromobilität herangezogen werden soll. Zuerst gab es eine statische Simulation. Diese ergab, dass schon heute, und zwar im bestehenden Stromverteilnetz etwa 22 Prozent der Haushalte zeitgleich Elektroautos mit einer Leistung von 11 kW beladen können. Die meisten privaten Wandladestationen werden mit einer maximalen Ladeleistung von 11 kW angeschlossen. Bleiben die Bedingungen ansonsten konstant, dann könnten ungefähr 45 Prozent der Haushalte mit einer 11-kW-Ladestation an das Verteilnetz angeschlossen werden. Diese Tatsache konnte im Rahmen der Forschungen anhand von Verbrauchsprofilen belegt werden. Voraussetzung hierfür wäre, dass die Autos realitätsnah zeitversetzt beladen werden.

In Deutschland sind derzeit rund 75.000 reine Elektroautos und gut 314.000 Hybrid-Autos unterwegs. Die Ladepunkte in den Haushalten könnten bis auf 60 Prozent steigen, wenn die Haushalte an Photovoltaik-Batteriespeicher-Systeme angeschlossen sind, die Blindleistung bereitstellen können. Bei der Bereitstellung von Blindleistung wirkt der Batteriewechselrichter beim Laden spannungsstabilisierend auf das Stromnetz. Das ist auch der Fall, wenn der Stromspeicher leer ist.

Die Forscher kommen im Rahmen der Studie weiterhin zu dem Schluss, dass auch eine Vollabdeckung mit Ladepunkten technisch möglich wäre, ohne das Verteilnetz weiter ausbauen zu müssen. Das würde realistisch sein, wenn Photovoltaik-Batteriespeichersysteme auch Strom aus dem Netz der allgemeinen Versorgung zwischenspeichern würden. Es würde somit der selbst produzierte Strom und auch Strom aus dem öffentlichen Netz zwischengespeichert werden. Im Bedarfsfall wird dieser dann für einen größeren Anteil gleichzeitiger Ladevorgänge bereitgestellt werden. Das wäre beispielsweise an sonnenarmen und windstarken Tagen des Winterhalbjahrs sinnvoll, weil dann Strom aus Windkraft genutzt wird.

Momentan sieht es aber noch so aus, dass das Beladen dezentraler Speicher mit Strom aus dem Stromnetz erschwert wird, unter anderem durch veraltete regulatorische Rahmenbedingungen, wie beispielsweise dem Verbot, mehrere Dienstleistungen zur gleichen Zeit zu erbringen.

Weitere interessante Fakten können in der Studie nachgelesen werden, die hier kostenfrei zur Verfügung steht: www.die-sonne-speichern.de