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Droht ein neuer Preisverfall bei PV?

Bereits 2011 / 2012 gab es Im PV-Bereich einen Preisverfall. Droht den Herstellern jetzt womöglich dasselbe? Experten aus den Häusern Roth Capital Partner und Bloomberg New Energy Finance sagen ja und prognostizieren für die zweite Hälfte des Jahres 2016 und für 2017 eine überaus geschwächte Nachfrage, und zwar auf den weltweiten PV-Märkten.

Die Analysten sagen dazu: „Wir sind in einem frühen Stadium des nächsten Abschwungs des Solarmodul-Ökosystems. Der Sektor sieht sich dem perfekten Sturm gegenüber, da es 2017 eine schwache Nachfrage in den Top3-Ländern – USA, Japan und China – geben wird, während die Tier1- und Tier2-Hersteller gemeinsam Zellkapazitäten von 12 Gigawatt im Jahr 2016 aufgebaut haben, was die vor uns liegende Gefahr und Herausforderung noch verschlimmert.“

Ähnlich wie schon 2011 /2 012 gibt es bereits seit März deutliche Rückgänge bei den Verkaufszahlen, was zu Lasten der Gewinne der Photovoltaik-Hersteller geht.

Reelle und prognostizierte Verkaufspreise von Roth Capital :

Zeitraum                                    Durchschnittlicher Verkaufspreis

Erstes Quartal 2016                     53 bis 58 US-Dollarcent pro Watt

Zweites Quartal 2016                   53 bis 58 US-Dollarcent pro Watt

Drittes Quartal 2016                     Deutlicher Abwärtstrend

Viertes Quartal 2016                     PROGNOSE:  43 bis 47 US-Dollarcent pro Watt

2017                                            PROGNOSE:  Fall bis auf 34 US-Dollarcent pro Watt

 Ebenso wird wohl der Zubau an neuen Anlagen deutlich sinken, waren es knapp 72 Gigawatt Zubau in diesem Jahr, so erwarten die Experten für nächstes Jahr nur noch 64 Gigawatt. Der Rückgang soll in allen Ländern passieren. Die Analysten von Roth Capital erwarten außerdem, dass sich der gesamte Abschwung bis Ende nächsten Jahres hinziehen wird. So verhielt es sich auch 2011 / 2012, hier dauerte die Phase in etwa 1,5 Jahre.

Zahlen der Experten von Bloomberg New Energy Finance (BNEF)

Ähnlich sehen die Analysten von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) die Entwicklung: „Solarstrom – nicht jeder braucht ihn genau jetzt.“ So lautet die alles aussagende Überschrift der Analyse. Kernpunkt der Analyse sind das Überangebot an Modulen und damit verbunden die sinkenden Preise. BNEF sagt einen weltweiten Zubau von 68,3 bis 72 Gigawatt für 2016 und 73,2 bis 79,2 Gigawatt für 2017 voraus. Der genaue Wortlaut: „Für das zweite Halbjahr 2016 erwarten wir eine Modulschwemme von 30 bis 40 Prozent, was die großen Lagerbestände reflektiert und einen Preiskollaps in allen Märkten, inklusive den USA.“ Die Verkaufspreise sollen bis Ende des Jahres um 20 Prozent fallen und zu Beginn des nächsten Jahres auf etwa 46 US-Dollarcent pro Watt zurückgehen. Die großen Absatzmärkte für PV-Module sind weiterhin die USA, Europa und Japan. Hier sind die erzielbaren Preise am höchsten.

Ein großes Problem sind die chinesischen Photovoltaik-Hersteller – sie umgehen Zölle oder Mindestpreise in den USA und Europa, sie haben größere Umsätze in Japan nach einer aktuellen Gesetzesänderung und sie bieten Preise zwischen 41 und 44 US-Dollarcent pro Watt an. Bei Polysilizium haben die chinesischen Hersteller 2016 erstmals mehr als 50 Prozent an der weltweiten Produktion erreicht. BNEF sieht bis mindestens 2018 eine Überkapazität in diesem Segment. Im Bereich der Solarzellen gibt es ebenfalls höhere Kapazitäten. Im ersten Halbjahr sind die Preise für multikristalline Zellen um 20 Prozent gesunken und für monokristalline um 15 Prozent. Auch hier ist ein weiterer Preisverfall zu erwarten.