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Aschaffenburg als Energieoptimierer

Aschaffenburg geht mit gutem Beispiel voran und möchte erheblich Energie einsparen, indem die vorhandenen Liegenschaften digital umgerüstet werden. Die vorhandenen analogen Systeme haben zu diesem Zweck digitale Wandler bekommen, so dass der Energieverbrauch optimiert wurde.

Hintergrund der Maßnahme sind die europäischen „20-20-20-Ziele“. Es handelt sich hierbei um ein Zielpaket für Klimaschutz und Energie, dass die Europäische Union im Dezember 2008 geschnürt hatte. Darin heißt es, dass bis zum Jahr 2020 folgende europaweite Vorgaben erfüllt sein müssen: 20 % weniger Treibhausgasemissionen als 1990, 20 % Anteil an Erneuerbaren Energien, 20 % mehr Energieeffizienz. Ein wichtiger Faktor des Ganzen ist die Digitalisierung der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) und genau das versucht man nun auch in der öffentlichen Hand umzusetzen. In Deutschland sieht es derzeit so aus, dass sich die jährliche Einsparquote noch verfünffachen müsste, um den Energieverbrauch bis 2020 um 20 % senken zu können. Und hier kommen vor allem gewerbliche und kommunale Gebäude ins Spiel, in denen noch vielfach vorhandene kommunikationsunfähige, analoge Steuerungs- und Regelungstechnik sowie dezentrale Gebäudeleittechnik den Fortschritt erschweren.

Die Stadt Aschaffenburg in Bayern hat sich jetzt dieses Themas angenommen. Hier sollen frei programmierbare DDC (Direct Digital Control) - Systeme und Informationstechnik (IT) zusammenwachsen und außerdem sollen die Vernetzung von Liegenschaften und der Zugriff auf Daten unabhängig vom Standort zur Effizienzsteigerung beitragen.

Was so einfach gesagt wird, ist natürlich nicht ganz so einfach umzusetzen. Aschaffenburg rechnet für ca. 400 Quartiere mit Heiz- und Klimatisierungskosten in Höhe von 2,5 bis 3 Mio. Euro pro Jahr. Insgesamt 70 bis 100 Gebäudekomplexe sollen digital an eine zentrale Gebäudeautomation angebunden werden. Dafür wurden Kooperationen mit diversen Dienstleistern geschlossen. Es wurde zunächst drei Jahre lang erfasst und geplant, bevor 2017 schließlich das Projekt startete, was wiederum über mehrere Jahre angelegt ist.

Der erste große Schritt im Projekt war es, die Daten der dezentralen GLT für das liegenschaftsübergreifende Energiemanagement zentral zu erfassen und lesbar und internetfähig zu machen. Hierbei half „intelli BMS (iBMS)“ der Ingenieurgesellschaft für Gebäudeautomation mbH (kurz: Inga), eine Software, die Protokolle verknüpft und den Rechnern Informationen liefert, die mit dem Netzwerkprotokoll „BACnet“ für die Gebäudeautomation verschlüsselt wurden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der gesicherte Datentransport. Darum kümmert sich der Verbund ProFM/ASS IT-Systemhaus GmbH. Die Datenwege führen mehrheitlich über VPN –Kanäle, was eine Kommunikation zwischen EDV und technischer Ausrüstung gewährleistet. Außerdem können die Daten in sensibel und weniger sensibel aufgeteilt und den jeweiligen Berechtigten zugeordnet werden.
 
Für die Bereitstellung einer virtualisierten Server-Infrastruktur für das Gebäudemanagement wurde der Servicedienstleister ASS beauftragt. ASS hat hierbei mehrere Aufgaben: Bereitstellung von mehreren Server- und Datenbanksystemen, Bereitstellung und Betrieb des technischen Netzwerks. Herbert Krüger, Energiemanager der Stadt Aschaffenburg sagt dazu: „Ursprünglich wollten wir alles selbst in die Hand nehmen. Aber die Mammutaufgabe Digitalisierung überfordert unsere eigenen Server.“ Der Plan ist es, dass zunächst 35 bis 40 Liegenschaften von und an ASS angeschlossen werden und dann jährlich fünf bis zehn neue Immobilien hinzukommen.

Weitere wichtige Aufgaben im Rahmen der Digitalisierung wurden von der Stadt wie folgt vergeben:

  • Inga mbH: Aufbereitung der Daten für eine zentrale Gebäudeleittechnik
  • ProFM: Abbau der analogen Infrastruktur; Aufbau der schnellen Internetverbindung mit Modems für den digitalen Datentransport, Routern, Sicherheitseinrichtungen
  • Ludwig Hammer: Anschluss der GLT mit Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik an das Aschaffenburger Netz; Verantwortung der zentralen Datenverfügbarkeit
  • ASS: Datenverwaltung
  • Synavision GmbH: Qualitätsmanagement für die Baubranche; konkrete Fehler- und Störungsanalyse; Automatisierung der Fehler- oder Störungsbeseitigung; Energieoptimierung