Zum Inhalt springen

Haltesysteme im barrierefreien Bad

In einem barrierefreien Badezimmer müssen Haltesysteme zu finden sein, damit Sicherheit gewährleistet ist und alte Menschen so lange wie möglich selbstständig das Bad benutzen können. Schon bei der Planung eines Badezimmers sollten daher Funktionalität, Sicherheit, Design und auch individuelle Bedürfnisse eine Rolle spielen. Was eine unterstützende Einrichtung im Bad angeht, so sind es besonders alte Menschen und Menschen mit Behinderung, die auf Hilfe angewiesen sind. Aber wie in anderen Bädern auch, darf hier auf keinen Fall das Design verlorengehen, denn der Wohlfühlfaktor ist enorm wichtig. Daher müssen Badplaner Funktionalität und Design unter einen Hut bekommen.

An erster Stelle stehen dabei natürlich die gesetzlichen Grundlagen für Planungen, die vor allem öffentliche Gebäude betreffen, aber auch in den privaten Bereich übergehen. Grundlagen für ein barrierefreies Bauen sind im BGG (Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen) zu finden. Hier sind besonders zu erwähnen der § 4 Barrierefreiheit und der § 8 Herstellung von Barrierefreiheit in den Bereichen Bau und Verkehr. Zu beachten ist außerdem das Bauordnungsrecht als ein Teilbereich des öffentlichen Baurechts, welches von den einzelnen Bundesländern geregelt wird.

Was gehört nun in ein barrierefreies Badezimmer? Welche Features müssen beachtet werden und was darf auf keinen Fall fehlen?

Da sind natürlich in erster Linie die Handläufe zum Abstützen zu erwähnen, die folgende Aufgaben erfüllen:

  • helfen beim Treppenaufstieg
  • bieten gehbehinderten Menschen eine Abstützung
  • bieten Sicherheit im Bad
  • bilden ein Leitsystem für Sehbehinderte und Blinde

Eleonore Löffler von Normbau sagt zum Thema Handläufe: „Da Handläufe auch von Personen mit wenig Kraft und schlechter Greiffähigkeit benutzbar sein müssen, bietet die besten Voraussetzungen ein runder Handlauf.“ Empfehlenswert ist ein Durchmesser zwischen 30 und 40 mm und ein ausreichender Abstand zur Wand.

Außerdem sind Haltegriffe für barrierefreie Duschplätze vonnöten. Für den Duschplatz gibt es einige Punkte, die beachtet werden sollten:

  • waagerechte Haltegriffe in einer Höhe von 85 cm im Duschplatz
  • zusätzliche senkrechte Haltegriffe, wenn mehrere Bedienelemente übereinander passen
  • Duschsitz in einer Höhe von 46 bis 48 cm
  • seitlich des Duschsitzes gehören Stützgriffe
  • die Oberkante der Stützklappgriffe muss 28 cm über der Sitzhöhe liegen
  • die Vorderkante muss 15 cm über den Sitz herauszagen
  • der Abstand zwischen zwei Klappgriffen sollte 65 bis 70 cm betragen

 
Das barrierefreie Badezimmer hat natürlich auch einen Waschtisch. Um die Barrierefreiheit auch wirklich sicherzustellen, sind folgende Punkte wichtig:

  • das Waschbecken muss im Sitzen bedienbar sein
  • die Unterfahrbarkeit und die nötige Beinfreiheit sind sicherzustellen
  • die Beckenform und Beckengröße müssen so bemessen sein, dass Hände und Arme aufgelegt werden können
  • die Montagehöhe muss Nutzern und Helfern die täglichen Waschrituale erleichtern
  • körpergerechte Form mit abgerundeten Ecken


Das WC ist eines der wichtigsten Bestandteile des Badezimmers. Wenn es hierbei um Barrierefreiheit geht, dann kommen folgende Punkte zum Tragen:

  • Halte- und Stützgriffe für das leichtere Hinsetzen und Aufstehen und das Überwechseln für Rollstuhlfahrer
  • nach DIN 18040-1 sind rechts und links vom WC Stützklappgriffe in einer Höhe von 280 mm über Sitzoberkante zu montieren
  • Griffe müssen über die Vorderkante des WC-Beckens 150 mm hinausragen
  • der Abstand zwischen beiden Klappgriffen muss 650 bis 700 mm betragen
  • beidseitiges Toilettenpapier im vorderen Griffbereich
  • ggf. eine Notruffunktion und WC-Spülung im vorderen Griffbereich

 
Auch die Badewanne ist wichtig, auch wenn ältere und behinderte Menschen eine Wanne sicherlich weniger nutzen als eine Dusche. An die Barrierefreiheit und an die behindertengerechte Ausführung gibt es hier spezielle Anforderungen:

  • ein breiter Wannenrand
  • ausreichende Ablageflächen
  • Stütz- und Haltegriffe
  • optionale Wannenhandläufe, Wannenkopfbügel und -stangen oder Strickleitern


In den Programmen der Sanitärhersteller sind nützliche Systeme für barrierefreie Badezimmer zu finden. Es gibt aber auch Unternehmen, die sich auf diesen Bereich spezialisiert haben. Die Auswahl ist groß auch hinsichtlich des Designs, der Formen und Farben. Normbau ist ein solcher Hersteller und bietet Planern und Fachhandwerkern umfangreiche Kataloge und Planungshilfen. Hersteller wie beispielsweise HEWI oder Kuhfuss Delabie haben in ihrem Repertoire einiges in Sachen Haltesysteme anzubieten, andere Hersteller, wie Duravit, FSB oder Franke dagegen bieten nur eine beschränkte Auswahl an Systemen.

Beispiele für spezialisierte Unternehmen und ihre Produkte:

  • die Chrome-Edition von Cavere Care erfüllt höchste Ansprüche an Funktionalität und Design in barrierefreien Bädern mit hochwertiger Ausstattung, das System ist von Normbau
  • das „ErgoSystem“ von FSB in zwei Ausführungen: „A100“ aus Aluminium und „E100“ aus Edelstahl
  • die „Be-Line“ von Kuhfuss Delabie mit homogenen und glatten Oberflächen bei Haltegriffen


Im barrierefreien Bad sind höchste Ansprüche anzulegen und genau das machen die Hersteller auch. Wichtig sind hohe Ansprüche an Planung, Entwicklung, Materialauswahl und Fertigung von barrierefreien Haltesystemen. Bei der Planung eines barrierefreien Bades sind Konturen, Oberflächen und vor allem die Sicherheit wichtig. Ein wichtiger Punkt ist auch das Leben mit mehreren Generationen, denn nicht nur ältere Menschen brauchen Hilfe, sondern auch Kinder. Es geht um ganzheitliche Gestaltungskonzepte und die werden immer besser und individueller.