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Regenwassernutzung richtig anpacken

Dass Regenwasser im Haus genutzt werden kann und sollte, ist kein Geheimnis. Für die Toilettenspülung, für das Wäschewaschen oder auch für die Gartenbewässerung bietet es sich an, das wertvolle Nass aufzufangen und zu verwenden. Wie genau aber funktioniert die Planung und die Ausführung von den so genannten Regenwassernutzungsanlagen? Dazu hat jetzt Dipl.-Ing. Klaus W. König, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bewirtschaftung und Nutzung von Regenwasser sowie Mitarbeiter im DIN-Ausschuss für Wasserrecycling, Regenwasser- und Grauwassernutzung, einige wertvolle Tipps gegeben und einige häufig auftretende Fragen beantwortet, die nachfolgend einmal zusammengefasst sind.

Wieviel Trinkwasser kann in einem Einfamilienhaus durchschnittlich gespart werden?
Die Antwort auf diese Frage ist: Maximal die Hälfte - abhängig von der jährlichen Niederschlagsmenge und der Dachfläche, über die das Wasser aufgefangen wird. Natürlich spielt hier auch die Größe des vorhandenen Wasserspeichers eine Rolle.

Macht es Sinn, die Vakuumdruckentwässerung beim Sammeln von Regenwasser einzusetzen?

Die Vakuumdruckentwässerung macht eigentlich nur bei Gewerbe- und Industriehallen Sinn. Hier ergeben sich dann einige Vorteile. So ist beispielsweise die Leitungstiefe im Erdreich geringer. Andernfalls könnte durch große Leitungsstrecken ungewollt eine beachtliche Zulauftiefe beim Regenspeicher entstehen. Eine Vakuumdruck- bzw. Unterdruck-Entwässerung wird ohne Gefälle mit weniger Dachabläufen und kleineren Rohrquerschnitten verlegt. Zudem entsteht mehr Flexibilität beim Verlegen der Entwässerungsrohre.

Muss der Überlauf eines Regenspeichers auf dem Grundstück versickert werden?

Das geht nur, wenn es in der Baugenehmigung oder in der Abwassersatzung des Baugebietes festgehalten ist. Alternativen zum Versickern wären zum Beispiel Verdunsten oder Ableiten in ein Oberflächengewässer. Was auf jeden Fall unterbleiben muss, ist ein Anschließen des Überlaufs an die städtische Kanalisation, denn das ist in den allermeisten Fällen nicht mehr zulässig. Stellt man ein Entwässerungsgesuch, weil man an den Entwässerungsleitungen etwas ändern will, dann kann es dazu kommen, dass die Versickerung des Überlaufs gefordert wird, sofern dies technisch möglich und der Aufwand zumutbar ist.

Ist für den Anschluss einer Überlaufleitung des Regenspeichers an den Kanal eine Rückstauklappe notwendig?

Vorausgesetzt, der Überlauf in die Kanalisation ist örtlich zulässig, dann hängt es davon ab, ob der Überlauf unter der Rückstauebene liegt. Ist der Überlauf tiefer als die Rückstauebene, dann sind auf jeden Fall Schutzmaßnahmen gegen Rückstau erforderlich. Laut DIN 1989 kann dies bei einem Regenkanal eine Rückstauklappe sein, bei einem Mischkanal muss es eine Hebeanlage sein.

Muss bei einer Regenwassernutzungsanlage generell eine Ersatzpumpe vorhanden sein?

Grundsätzlich muss bei einem Einfamilienhaus keine zweite Pumpe vorhanden sein. Anders sieht es aus, wenn es sich um ein öffentliches Gebäude mit Regenwassertoilettenspülung handelt. Dann muss eine zweite Pumpe als Sicherheit für den Ausfall der ersten vorhanden sein.

Für welche Bereiche eignen sich Saug- bzw. Druckpumpen und was sollte beachtet werden?

Pauschalisiert werden kann das nicht, denn beide Systeme haben Vorteile. Die robusteren Druckpumpen nutzt man vor allem für große Anlagen. Sie stehen allerdings im Speicher unter Wasser und sind dadurch schlechter erreichbar.
Saugpumpen nutzt man in kleinen Anlagen in Kombination mit Steuerung und Nachspeisung. Nachteil ist hier, dass der Wasserstrom abreißt, wenn Luft in die Saugleitung kommt. Das kann zu einer Störung führen. Ob sich das Pumpengeräusch im Haus nachteilig auswirkt, muss man im jeweiligen Fall betrachten. Außerdem müssen Saugpumpen jeweils eine eigene Leitung aus dem Regenspeicher erhalten.

Was muss bei der Außenwanddurchführung beachtet werden?

Unbedingt beachtet werden muss, dass vom Regenspeicher in der Erde kein Leerrohr ins Haus geführt werden darf. Hier besteht die Gefahr, dass Geruch, Kleinlebewesen und auch Wasser aus dem Regenspeicher den direkten Weg ins Haus finden. Helfen kann hier ein Regenspeicher mit eingebauter Wanddurchführung. Das Leerrohr endet dann an der Außenwand und durch die Außenwanddurchführungen gehen nur die Wasser führenden Leitungen und Elektrokabel.

In welchem Fall muss ein Wasserzähler in die Regenwasserleitung eingebaut werden?
Es kann sein, dass örtliche kommunale Satzungen das vorschreiben. Ist es nicht erforderlich, einen Zähler einzubauen, dann sollte man das wegen der Kosten auch nicht tun. Dazu kommt noch, dass es im jeweiligen Fall mit einem Zähler alleine in der Druckleitung nicht getan ist. Ein weiterer Zähler wäre dann an der Trinkwasserzuleitung zur Regenwassertechnik nötig, damit in die Regenwasseranlage eingespeistes Trinkwasser nicht doppelt gezählt wird. Vor der Installation der Regenwassernutzungsanlage sollte das unbedingt mit dem Wasserversorger und mit der Gemeinde abgeklärt werden.