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Großanlage Senftenberg nach dem ersten Jahr

Vor zwei Jahren wurde die Bauphase der bislang größten thermischen Solaranlage Deutschlands beendet und die Anlage wurde in Senftenberg in Betrieb genommen. Diese Anlage ist zugleich die erste Megawattanlage, die in Deutschland in ein klassisches städtisches Fernwärmenetz einspeist. Die Kollektorfläche beträgt sagenhafte 8.300 m². Auch unter anspruchsvollen Bedingungen kann eine solarthermische Anlage zuverlässig und wirtschaftlich funktionieren – so die Ergebnisse nach dem ersten Betriebsjahr.

Das dort vorhandene Fernwärmenetz hat folgende Eigenschaften:

  • eine Gesamtlänge von rund 33 km
  • einen Anschlusswert von rund 50 Megawatt
  • einen jährlichen Wärmebedarf von etwa 100 Gigawattstunden
  • eine Sommergrundlast von ca. 3,8 MW

Die Solaranlage hat folgende Eigenschaften:

  • eine Spitzenleistung von ca. 4,5 MW
  • eine maximale Deckung mit 4 GWh im Jahr von rund 4 % des Jahresbedarfs
  • einen täglichen Sommerüberschuss von knapp 20 %
  • eine Anbindung über eine Wärmeübergabestation in die Ringleitung zum Heizwerk und zu den Verbrauchern


Genau am 15. August 2016 wurde das Kollektorfeld von den Solarpumpen mit Wasser gefüllt. Danach folgte ein kurzer Testlauf und am 19. August begann die offizielle Wärmemengenzählung. In den ersten 12 Monaten des Betriebs speiste die Anlage 4,1 GWh Wärme ins Netz ein. Das übertraf die vorher berechneten Erwartungen. Die Anlage erzielte in diesem Zeitraum einen Jahresnutzungsgrad (Verhältnis aus der ins Netz eingespeisten Wärmemenge zur Einstrahlungssumme) von 42,3 %. Ab Oktober 2016 war es eher trüb, neblig und regnerisch. Die Sonne stand sehr flach. Aber gerade zu solch einer Zeit wird die meiste Heizenergie gebraucht. Die Anlage in Senftenberg arbeitet ohne Speichertank und zu geringen Wärmegestehungskosten im Sommer. Das Netz wird dann als Speicher genutzt. Ein Tagesspeicher von 20 000 m³ (das entspricht dem Bedarf eines Wintertages) könnte ein 10-mal größeres Kollektorfeld in Senftenberg das gesamte Sommerhalbjahr und ca. 30 % des Jahresbedarfs abdecken. Die Speicherung von Heizwärme ist im Grunde kein Problem, aber verursacht enorme Zusatzkosten und einen höheren Platzbedarf.

Am besten Tag des Anlagenbetriebs wurden knapp 5MW eingespeist. Die kumulierte Solareinstrahlung erreichte 70 MWh. Der Tagesnutzungsgrad wuchs bis auf 53 %. Die Netz-Solltemperatur lag immer bei 90 °C. Etwa 13 Stunden speiste die Solaranlage ins Netz ein, fast 11 Stunden davon in den Vorlauf des Netzes. Ganz früh morgens und spät abends wurde in den FW-Netzrücklauf eingespeist, damit die Sonnenwärme maximal genutzt wurde. An einem trüben Beispieltag arbeitete die Anlage auch zuverlässig, erreichte die Solltemperatur und speiste 8 Stunden ein. Sogar an solchen ungünstigen Tagen betrug der Tagesnutzungsgrad fast 40 %.

Die Solaranlage arbeitet mit Heizungswasser nach VDI 2035. Weil das Wasser Zusatzstoffe enthält, waren ein Wärmetauscher und eine eigene automatische Druckhaltung nötig. Ungefähr ein Prozent des Wärmeertrages benötigt die Anlage als Arbeitsstrom. Das gesamte Kollektorfeld ist asymmetrisch verrohrt. Das bedeutet eine Einsparung an Rohr und sorgt dafür, dass die von der Hauptleitung entferntesten Kollektoren am heißesten sind. Außerdem ist das Kollektorfeld selbstbefüllend, selbstentlüftend und selbstabgleichend dimensioniert. Der hydraulische Abgleich des Feldes ist gut gelöst, das ist an der Homogenität der Betriebstemperaturen auf der ganzen Fläche zu sehen. Ventile, Stellvorrichtungen und Entlüfter wurden dazu nicht benötigt. Die Wärmeverluste der Solaranlage betragen übers Jahr insgesamt lediglich 17 % vom Netzwärmeertrag.

Die Solaranlage entstand durch die Stadtwerke Senftenberg unter Inanspruchnahme des KfW-Programmes Erneuerbare Energien. Auf jeden Fall demonstriert die Solaranlage, dass der Stand der Technik dem Markt voraus ist und dass die für solarthermische Anlagen auch unter schwierigen Bedingungen gut funktionieren.