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Klimaziele erreichbar?

Das Fazit der jüngsten Modellrechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist, dass ein Kohleausstieg möglichst rasch passieren sollte und vor allen Dingen möglichst schnell in Nordrhein-Westfalen. Dafür haben Wissenschaftler im Team von Energieökonomin Claudia Kemfert die Wirkungen unterschiedlicher Ausstiegsszenarien auf die CO2-Emissionen anhand detaillierter Modellrechnungen verglichen. Kemfert sagt zum Ergebnis: „Anders als beim Klimaziel für 2020, das bereits als gescheitert gilt, bestehen für 2030 durchaus noch Chancen, die Klimaziele zu erreichen. Aber nur, wenn man mit dem Kohleausstieg so schnell wie möglich beginnt und den Ausbau der erneuerbaren Energien forciert.“

Die wissenschaftlichen Forschungen betrachteten drei Szenarien:

  • Der langsame Ausstieg (Referenz-Szenario): Die Kohlekraftwerke werden nach Erreichen ihrer technischen Lebensdauer stillgelegt. In diesem Szenario werden die Klimaziele für CO2-Emissionen in der Energiewirtschaft für 2030 deutlich verfehlt.
  • Der forcierte mittlere Ausstieg: Die Kohlekapazität wird bis 2030 auf gut 17 GW reduziert und zusätzlich Kapazitäten gedrosselt.
  •  Der forcierte schnelle Ausstieg: Die Kohlekapazität wird auf 8,6 GW reduziert.

Sollten analog die erneuerbaren Energien entsprechend ausgebaut werden, dann könnten mit den beiden letzten Szenarien die Klimaziele 2030 erreicht werden. Begrenzt man darüber hinaus die jährliche Laufzeit alter Kohlekraftwerke, dann kann der Stromsektor zudem noch zur Annäherung an das Klimaschutzziel 2020 beitragen.

Gerade das Bundesland Nordrhein-Westfalen nimmt in diesem Bereich eine Schlüsselposition ein. Zum ersten stehen hier die meisten alten Kohlekraftwerke und zweitens liegt das Land beim Ausbau der erneuerbaren Energien im Ländervergleich noch immer weit hinten. Setzt man den mittleren Ausstiegsweg an, dann reduzieren sich die kohlebedingten Emissionen allein durch die Abschaltung von Braunkohlekraftwerken bis 2030 um circa 40 % gegenüber dem Referenz-Szenario. Begrenzt man zusätzlich die Laufzeit der Kohlekraftwerke, sinken die Emissionen um rund 64 %. Setzt man den schnellen Ausstieg an, dann sinken die Emissionen um rund 69 %. Damit kommt das DIW zum Ergebnis, dass die nordrhein-westfälischen Braunkohlekraftwerke bis 2030 abgeschaltet werden sollten und die Steinkohlekraftwerke bis 2040. Kemfert: „Der Kohleausstieg in Nordrhein-Westfalen kann so gestaltet werden, dass im Tagebau Garzweiler II keine weiteren Ortschaften weichen müssen und auch der Hambacher Forst größtenteils erhalten bleibt.“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat indes die Bundesregierung angezählt, sie würde die Umsetzung der EU-Abgasstandards für Kohlekraftwerke in nationales Recht blockieren. Seit August 2017 gibt es in der EU neue Standards für die Abgasreinigung bei Braun- und Steinkohlekraftwerken. Von Seiten der DHU heißt es: „Die EU-Anforderungen bilden den Stand der Technik bei der Abgasreinigung für Kohlekraftwerke ab und müssen ab August 2021 eingehalten werden. Die Frist zur Umsetzung der EU-Vorgabe in die Bundesimmissionsschutzgesetzgebung zum 16.08.2018 hat die Bundesregierung tatenlos verstreichen lassen. Es wird befürchtet, dass damit auch die Einhaltung der neuen Abgasstandards ab August 2021 gefährdet ist. Dabei könnten die zur Einhaltung der neuen Standards erforderlichen Nachrüstungen die NOx-Emissionen um zwei Drittel reduzieren.“ Im Fazit fordert auch die DUH einen schnellen Ausstieg aus der Kohle bzw. eine größtmögliche technische Sauberkeit der Kraftwerke, solange sie noch arbeiten.