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Strom aus Wasserkraft – schädlich für die Umwelt?

Strom aus Wasserkraft ist umweltschützend und schont die Ressourcen. Norwegen zum Beispiel ist in diesem Bereich ein Vorzeigebeispiel, schließlich decken hier 1625 Wasserkraftwerke sagenhafte 96 Prozent des Strombedarfs. Wasser ist die wichtigste Stromquelle des Landes.

Dieser Fakt erklärt sich auch recht schnell, denn Städte, Dörfer und selbst Flughäfen sind dicht am Wasser gebaut. Das Einzigartige an Norwegen ist nämlich die Landschaft, die von Wasser dominiert wird. Die vielen Wasserkraftwerke sind ein Ergebnis der geschichtlichen Entwicklung. Norwegen hätte damit zumindest für den Stromsektor im Rahmen einer Energiewende die Nase vorn.

Aber sind Wasserkraftwerke wirklich so umweltschützend oder belasten sie am Ende gar die Natur? Wasserkraft ist gut fürs Klima, aber weniger gut für die Natur, jedes gebaute Kraftwerk verändert das Ökosystem eines Flusses oder einer ganzen Landschaft. Die Forschungsorganisation Sintef in Trondheim geht dieser Tatsache auf den Grund und sucht nach Möglichkeiten, Wasser als Energiequelle ökologisch verträglicher zu machen. Der Umweltingenieur Atle Harby sagt: „Grundsätzlich muss bei der Wasserkraft immer eine Abwägung getroffen werden zwischen ihrem gesellschaftlichen Nutzen und dem Verlust der Ökosysteme." Fakt ist nämlich, dass aus einem breiten Fluss ein kleiner Bach wird, durch den manche Fische nicht mehr durchkommen. Harby meint, dass die Abwägung nicht immer einfach ist und sagt: „Die meisten ökologischen Folgen entstehen durch reduzierte Wasserstände in Flüssen oder fast ausgetrocknete Flussbetten."

Weiter im Süden des Landes gibt es den Fluss Otta, der abseits der Straßen liegt und zusammen mit den bewaldeten Tälern eine spektakuläre Landschaft bildet. Doch die Idylle trügt, denn ein Teil des Waldes ist bereits abgeholzt, weil hier das Kraftwerk "Nedre Otta“ entsteht, welches momentan das größte Ausbauprojekt für Wasserkraft in Norwegen ist. Über die Zerstörung der Natur sind die hier ansässigen Norweger nicht glücklich, man hat jahrelang gegen dieses Projekt protestiert und am Ende den Kampf verloren. Lisbeth Giverhaug ist hier aufgewachsen und sagt: „Wir haben meterweise Gesetze zum Artenschutz, rote Listen, die Wasserrichtlinie, wir waren bei den Parteien, im Parlament, im Ministerium - es interessiert sie nicht." Ihren Standpunkt macht sie mehr als deutlich: „Ich liebe dieses Tal! Es ist ein Stück Kultur, das hier verloren geht."