Zum Inhalt springen

Spart mehr Dezentralität Netzausbau nicht ein?

Das Öko-Institut hat im Auftrag der Renewables Grid Initiative (RGI) eine Studie erstellt, in der es um den Zusammenhang zwischen dezentralem Ausbau der Energiewende und dem Netzausbau geht. Die Studie heißt „Dezentralität, Regionalisierung und Stromnetze – Studie über Annahmen, Narrative und Erkenntnis“ und sieht im Resultat so aus, dass auch eine dezentrale Stromerzeugung nicht ohne Stromtrassen auskommt, von denen bis 2030 rund 4000 km geplant sind.

Die RGI wurde 2009 gegründet und sagte damals über sich: „Die Renewables-Grid-Initiative (RGI) fördert den Ausbau von Produktions- und Hochspannungsnetz-Kapazitäten zur vollständigen Integration von zentral und dezentral erzeugter erneuerbarer Energie. Zu diesem Zweck bringt die RGI Umweltverbände und Netzbetreiber an einen Tisch. Zum ersten Mal engagieren sich WWF, Germanwatch, Vattenfall Europe Transmission und der niederländische Übertragungsnetzbetreiber TenneT für ein gemeinsames Anliegen.“

In diesem Sinne hat nun das Öko-Institut im RGI-Auftrag 10 Studien analysiert und verglichen. In den analysierten Studien der letzten fünf Jahre ging es jeweils um Dezentralitätskonzepte und um dezentrale Stromsysteme für den Netzausbau. Im Ergebnis dieser umfangreichen Studie heißt es nun:

  • An der Notwendigkeit des bis 2030 geplanten Netzausbaus ändert sich nichts
  • Selbst wenn alle Speicher und Flexibilitätsoptionen zur Verfügung stehen, wird der Netzausbau gebraucht
  • Gründe liegen unter anderem in der Tatsache, dass die Potenziale für die Erzeugung von Wind- und Solarstrom über Deutschland hinweg ungleich verteilt sind und in einschränkenden Aspekten wie Naturschutz und in der Akzeptanz von zum Beispiel Windkraftanlagen
  • Eine verbrauchsnahe Stromversorgung mit erneuerbaren Energien ist nicht möglich


Das Öko-Institut gibt bekannt, dass die untersuchten Studien teilweise von unterschiedlichen Ausgangssituationen ausgehen. Dazu gehören zum Beispiel folgende Punkte:

  • starker Ausbau der Windenergie im Süden Deutschlands
  • zwei- bis viermal höhere Ausbauzahlen für Bayern und Baden-Württemberg

Geht man von diesen Punkten aus, dann ergeben sich andere Ergebnisse:

  • ein höherer Flächenbedarf
  • ein geringerer Wirkungsgrad der Windanlagen
  • höhere Kosten
  • wegen der gasbasierten ergänzenden Kraftwerke auch höhere Treibhausgasemissionen

Um nun einen wirklich sachgerechten Vergleich anstellen zu können, müssten diese Folgen berücksichtigt werden, was in den untersuchten Studien, die zu dem Schluss kommen, dass weniger Netzausbau benötigt wird, nur am Rande geschieht.

Das RGI-Fazit sieht nun also so aus, dass der geplante Netzausbau notwendig ist. Der Leitungsausbau ist notwendig, wenn man die längerfristigen Entwicklungen und höhere Versorgungsanteile erneuerbarer Energien mit einbezieht. Somit steht nur noch die Frage nach dem Wann und Wie des Leitungsausbaubedarfs. Antonella Battaglini, Geschäftsführerin der Renewables Grid Initiative, resümiert zum Thema: „Die Studie bringt Gewissheit, dass derzeit geplante Übertragungsnetze für die Energiewende unabdingbar sind. Gleichzeitig werden aber deutliche Wissenslücken aufgezeigt: Wir brauchen ein größeres Spektrum an Analysen zu vorstellbaren Entwicklungen des deutschen und europäischen Stromsystems mit allen damit verbundenen Folgen für Flächenbedarf, Kosten, Treibhausgasemissionen und Netzausbau. Nur so werden wir mehr Klarheit in die Debatte bringen ob Dezentralität langfristig einen weiteren Netzausbaubedarf verringern könnte."