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Bioenergie muss mehr genutzt werden

Dass Bioenergie mehr genutzt werden muss und die möglichen Ressourcen längst nicht erschöpft sind, das hat Henrik Erämetsä, Head of Aviation Regulation, Neste Corporation, in seiner Rede im Rahmen einer Fachkonferenz im Februar 2018 in Berlin deutlich gemacht. Nachfolgend sind einige Eckpunkte seiner Rede unter dem Aspekt „Bioenergie über den Tellerrand hinaus“ einmal aufgeführt.

Demnach sieht Erämetsä für die Bioenergie eine zunehmende Bedeutung, und zwar in vielen Bereichen. Allerdings ist die emotional aufgeladene öffentliche Debatte, die in diesem Zusammenhang immer wieder entsteht, eher schädlich für das Vorankommen der Bioenergie. Er fordert vielmehr eine neue Debatte – technologieoffen, stets mit dem Blick über den Tellerrand hinaus und vor allem: sachlich.

Das Prinzip der Technologieoffenheit ist in Deutschland bereits angekommen, der Technologiemix muss aber weiterentwickelt werden. Erämetsä warnt davor, bestehende Technologiepfade aus politischen Beweggründen abzuschneiden. Denn nur eine gesunde Mischung aus den Technologien kann die Umwelt wirklich retten. Neste beispielsweise stellt erneuerbare Kraftstoffe her, konkurriert aber nicht mit der Elektromobilität, sondern befürwortet sie. Die erneuerbaren Kraftstoffe leisten einen wirkungsvollen Beitrag bei der Emissionssenkung. 2017 wurde durch die Nutzung der Neste-Kraftstoffe so viel CO2 eingespart, wie alle Fahrzeuge auf den Straßen Londons im Durchschnitt emittieren. Das trägt Erämetsä stolz vor. Das muss weiter ausgebaut werden, neue Lösungen müssen her.

Die Bioenergie reicht von Strom- und Wärmeerzeugung bis zum Kraftstoff im Straßenverkehr, wird aber in Zukunft noch mehr Bereiche umfassen. So wird beispielsweise der Bedarf an erneuerbaren Kraftstoffen in den Bereichen Luft- und Schifffahrt bald um ein Vielfaches höher sein als aktuell auf der Straße. Daher dürfen keine Produktionskapazitäten aufgegeben werden, sondern es werden außerdem Investitionssicherheit und der Abbau von Markthindernissen benötigt. Auch als Exportfaktor sind synthetische Kraftstoffe für Deutschland interessant. Erämetsä mahnt die neue Regierung, keine Chance im Bereich Bioenergie zu verpassen und fordert ein Bekenntnis zu biobasierten Kraftstoffen und die Förderung von Forschung und Entwicklung strombasierter Kraftstoffe, insbesondere für die Nutzung in der Luftfahrt.

Das Hauptargument für die Bioenergie ist die Nachhaltigkeit der nachwachsenden Rohstoffe. Dieses komplexe Thema der Nachhaltigkeit nachwachsender Rohstoffe muss insgesamt transparenter verfolgt werden. Erämetsä betont, dass gerade Rest- und Abfallstoffe schon etwa 80% unseres globalen Rohstoffmixes ausmachen und auch die Produktion aus 100% Rest- und Abfallstoffen möglich ist. Pflanzenöle haben nämlich dahingehend den Vorteil, dass sie immer verfügbar und qualitativ hochwertig und preisstabil sind. Auch in die Forschung muss investiert werden, zum Beispiel in die Entwicklung neuer Rohstoffe oder fortschrittliche Mikrobenöle. Die Politik schließt einzelne Rohstoffe von der Nutzung für erneuerbare Kraftstoffe aus, und das darf einfach nicht sein, denn wertvolles Potential wird verschenkt.

Henrik Erämetsä stellt fest, dass sich die Bioenergie auf einem Wachstumspfad befindet. Wichtig ist es allerdings, dass das Thema nicht unter den Tisch fällt und dass sich die Politik beteiligt. Denn eine Dekarbonisierung wird ohne die Politik nicht geschehen!