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Thermische Energiespeicher

Wenn gerade kein Strom aus Wind und Sonne zur Verfügung steht – was macht man dann? Das Zauberwort heißt thermischer Speicher. Und dabei soll die Speicherfähigkeit heißer Steine helfen. Das Unternehmen Bilfinger, ein Mannheimer Industriedienstleister, will in der nächsten Zeit nämlich einen thermischen Energiespeicher auf der Grundlage einer Steinschüttung bauen. Das Ganze passiert für Siemens Gamesa, einem Anbieter von Windenergietechnik in Hamburg. Genutzt werden soll dafür Energie aus Windkraftanlagen auf, die sonst keinen Nutzen hat.

Der eine oder andere kennt eine derartige Technologie vielleicht schon: In den 70er- und 80er-Jahren waren Speicherheizungen, bei denen isoliertes Steinmaterial elektrisch aufgeheizt wurde, als „Nachtspeicher“ weit verbreitet. Von diesen Geräten sollen Schätzungen zufolge noch etwa 1,4 Millionen Stück existieren. Harald Hecking, Chef der Forschungstochter des Energiewirtschaftlichen Instituts der Uni Köln, sagt: „Die Speicherung von Energie in Steinen kennen wir von den altbekannten Nachtspeicherheizungen.“ Hecking sagt aber weiter: „Die neue Technologie steht jedoch erst am Anfang ihrer Entwicklung und hat noch Spielraum für Verbesserungen.“

Im Detail werden bei diesem Projekt tausend Tonnen Kies mit überschüssigem Windstrom auf 600 Grad erhitzt. Der Kies befindet sich dabei in einem Betonwürfel. Die Wärme wird also gespeichert und kann genutzt werden, um ein Kleinkraftwerk mit 1,5 Megawatt Leistung bis zu 24 Stunden lang anzutreiben. Siemens Gamesa sagt: „In dieser Zeit kann er rechnerisch 1500 deutsche Haushalte mit Strom versorgen oder 50 Elektroautos aufladen.“

Tatsache ist, dass Strom aus Sonnenergie oder aus Windenergie nicht immer zur Verfügung steht und manchmal auch nicht gebraucht wird, obwohl er im Überschuss vorhanden ist. Immer öfter passiert es, dass betriebsbereite Anlagen abgeschaltet werden müssen, weil der Strom über die Netze weder abgeführt werden kann noch solche Mengen vor Ort benötigt werden. Das bedeutet hochgerechnet für das Jahr 2016, dass mehr als 3700 Gigawattstunden Strom wegen dieser Abschaltungen nicht erzeugt werden konnten. „Dies entspricht geschätzten Entschädigungsansprüchen von 373 Millionen Euro“, rechnet der Bundesverband Windenergie vor. Es ist nämlich so, dass die Anlagenbetreiber eine Entschädigung bekommen, wenn ihre Anlagen zwangsweise vom Netz genommen werden. Der Windenergie-Verband weiter: „Ohne einen beschleunigten Netzausbau dürfte diese Problematik in der Zukunft deutlich zunehmen.“

Manuel Frondel, Energieexperte des Essener RWI-Instituts, sagt: „Es ist sinnvoller, den schwankend anfallenden Windstrom in Nachtspeichern zu verbraten als die Windräder stillstehen zu lassen und die Betreiber für nicht erzeugten Strom zu vergüten.“ Weiterhin stellt er fest, dass es „nicht zielführend“ sei, weitere Nachtspeicherheizungen abzuschalten in der heutigen Erzeugungssituation.

Doch Speicherheizungen sind aus der Mode gekommen und sollten sogar schon verboten werden. RWE hatte vor einiger Zeit ein Projekt aufgelegt, um die Technik der Speicherheizungen zu modernisieren. Ziel war es hierbei, dass die Geräte angepasst an die jeweilige Preis- und Erzeugungssituation aufgeladen werden, und nicht so wie früher nur nachts. Das Produkt war als „Windheizung“ auf den Markt gekommen und wird heute bei der von RWE abgespaltenen Firma Innogy als „Strom Natur Komfortheizung“ angeboten.