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Warum nicht in Grün investieren?

Das Angebot an Ökofonds wächst unaufhaltsam und hält derzeit schon sehr viele verschiedene Anlagemöglichkeiten bereit. Trotzdem investieren Privatanleger nur sehr zögerlich. Warum ist das so?

Die nachhaltigen Anlagemöglichkeiten hatten lange keinen guten Ruf und galten als Renditekiller. Doch inzwischen sieht es anders aus. Es haben sich Trendprodukte entwickelt. Was aber Tatsache ist, ist, dass hauptsächlich institutionelle Investoren zugreifen, nicht aber Privatanleger. Das Gesamtvolumen der nachhaltigen Investments wächst. Laut Forum sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 419,5 Milliarden Euro auf nachhaltige Weise angelegt. Das sind ungefähr 29 Prozent mehr als Ende 2016. Diese Zahl steigt aber hauptsächlich durch institutionelle Investoren, die dafür gute Gründe haben. „Nachhaltigkeit ist zukunftsfähig und ertragsorientiert", sagt dazu Axel Weber, ehemaliger Präsident der Bundesbank und heute Verwaltungsrat der schweizerischen Bank UBS.

Tatsächlich könnte das Zögern der Privatanleger damit zusammenhängen, dass es keine allgemeingültigen Anforderungen und Kriterien an nachhaltige Kapitalanlagen gibt. Das Ergebnis einer aktuellen Studie des NKI Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen bringt es auf den Punkt: „Nicht überall, wo Nachhaltig¬keit draufsteht, ist auch das Gleiche drin."

Dabei sind die Möglichkeiten für Anlagen wirklich groß. Dazu gehören beispielsweise sogenannte Green Bonds bei der KfW-Bankengruppe oder auch die Wasser-Infrastruktur-Anleihe 3 von Apano. Außerdem gibt es viele Öko- oder Ethikfonds, wie beispielsweise den Öko World Öko Vision. Wer weitergehendes Interesse hat, kann unter www.geld-bewegt.de einen guten Überblick über nachhaltige Geldanlagen erhalten. Angeboten wird diese Übersicht von den Verbraucherzentralen.

Es muss aber auch gesagt werden, dass es viele Angebote gibt, die nachhaltig erscheinen, es aber keineswegs sind. Besondere Vorsicht ist immer angesagt, wenn es um Bauminvestments geht.

Trotzdem sind die Gründe, warum sich private Anleger zurückhalten, sehr vielschichtig. Einerseits finden die Anleger die nachhaltigen Anlagen laut der NKI-Studie interessant, andererseits haben nur rund fünf Prozent ihr Geld aber tatsächlich in Ökofonds oder Umwelt¬projekte investiert. Unzureichende Informationen geben 40 Prozent der Befragten als Grund dafür an.  

Dieter Niewierra von Oekom, einer unabhängigen Ratingagentur, möchte dem entgegenwirken und sagt: „Ein Gütesiegel kann hierzu ein wichtiger Schritt sein, um auch Privatanleger für nachhaltige Investments zu gewinnen." In der EU sieht man das ähnlich. Valdis Dombrovskis, zuständiger EU-Kommissar für Finanzdienstleistungen, fordert: „Grüne Finanzprodukte brauchen einheitliche Siegel. Die Regeln sollten entlang der gesamten Investmentkette angelegt werden - von der treuhänderischen Verantwortung des Asset-Managers bis hin zur Methode für Ratings." Ein entsprechender Aktionsplan wird schon für diesen März erwartet. Die Kommission schätzt, dass europaweit jedes Jahr rund 180 Milliarden Euro in Klimaschutzstrategien investiert werden müssen, damit am Ende der CO2-Ausstoß 2030 um 40 Prozent sinken kann. Was viele nicht wissen, ist nämlich, dass der Finanzsektor dabei eine Schlüsselrolle übernimmt, denn große Summen an privatem Kapital können für solche nachhaltigen Investitionen mobilisiert werden. Wer also nachhaltig investiert, der schützt die Umwelt.