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Die größte Batterie der Welt

Wie kann man den vielen Strom aus Wind und Sonne in großen Mengen speichern? Das ist eine der Schlüsselfragen der Energiewende, die Forscher und Firmen beschäftigt. Gespeichert werden muss der Strom, denn er wird nun mal auch nachts und bei Windflaute gebraucht.

Jemgum in Ostfriesland, eine Gemeinde an der Ems-Mündung, ist in der Auswahl derjenigen Standorte, an denen der regionale Strom-Versorger EWE mit Wissenschaftlern aus Jena eine riesige Batterie bauen könnte. Diese Batterie soll dann ein Stromspeicher für den Tagesbedarf von 75 Haushalten sein.

Das geplante Verfahren

Das, was sich die Forscher ausgedacht haben, könnte funktionieren. Das wurde jüngst in Jena im Labor beweisen. Der Strom soll in diesem Verfahren unter Tage in einem Gemisch aus Salzwasser und elektrisch geladenen Kunststoffteilchen gespeichert werden. Allerdings halten die Forschungen weiter an, weil es erstens noch weitere Speichermöglichkeiten gibt und zweitens, weil noch viele Fragen offen sind.

Salzstock im Modell

Der Jenaer Chemiker Ulrich Schubert zeigte in Berlin an einem Modell dir Funktionsweise des Salzstocks. Er sagt: „Es besteht damit die Möglichkeit, etwas Revolutionäres zu machen.“ In der Flüssigbatterie bewegen sich elektrisch geladene Teilchen von einem Pol zum anderen. In diesem Modell ist aber, im Gegensatz zu herkömmlichen Batterien, die Einheit, in der Strom über Membranen in die Batterie hinein- und aus ihr herausfließt, vom Speichermedium getrennt. Daran lässt sich erkennen, dass es für diese Möglichkeit der Speicherung keine Größenbeschränkung gibt.

Der Salzstock

EWE verfolgt den Plan, 700 Megawattstunden zu speichern. Das entspricht in etwa der Energie von zwei Dutzend Windrädern. Dafür sieht der Plan vor, mehrere tausend Tonnen Polymere unter Tage zu pumpen, was 2023 passieren soll. „Wir können die Polymere so konfigurieren, dass sie sich in der Sole lösen“, verkündet Schubert den jüngsten Laborfortschritt.

Die bisherige Energiespeicherung

Bisher wurde der Strom genutzt, um Pumpen anzutreiben, mit denen Wasser in einen See hinaufbefördert wird, das bei Bedarf wieder hinab fließt und dabei Generatoren antreibt. 32 solcher so genannter Pumpspeicherkraftwerke gibt es derzeit, das teilt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft mit. Bei den Pumpspeicherkraftwerken allerdings gibt es den Kritikpunkt der zu hohen staatlichen Abgaben für Stromspeicher.

Noch zu klärende Fragen

Der EWE-Projektleiter Ralf Riekenberg spricht aber noch von vielen Fragen, die geklärt werden müssen. Dazu gehören folgende:

  • Woher kommen Batteriezellen ausreichender Größe?
  • Wie reagiert man auf Störungen der chemischen Prozesse?
  • Bleiben die unterirdischen Hohlräume stabil?
  • Wie wirken sich Temperatur-Unterschiede unter Tage aus?
  • Wie schützt man bei Havarien das Grundwasser?