Zum Inhalt springen

Toyota setzt auf Wasserstoff

Toyota will jetzt im großen Stil Autos mit Brennstoffzelle auf den Markt bringen. Der Mirai ist bereits ein solches Modell.

Hier wird der Elektromotor des Toyotas mit Wasserstoff betrieben. In einer Brennstoffzelle im Fahrzeug reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff. Dadurch wird Energie produziert und als Abfallprodukt fällt lediglich Wasser an. Brennstoffzellenautos fahren emissionslos, haben aber gegenüber Akku-Elektroautos den entscheidenden Vorteil, dass die Reichweite 500 Kilometer beträgt und sie nicht lange geladen werden müssen.

Was die Brennstoffzellen Technologie angeht, setzt kein anderer Autohersteller so große Stücke darauf wie Toyota. Toyota-Chef Akio Toyoda sagt: „Wir glauben fest an eine Wasserstoff-Gesellschaft.“

Toyota hat im Sommer die Pilotanlage Hama Wings im Hafen von Yokohama eingeweiht und möchte damit zeigen, wie die Gewinnung des Energieträgers funktionieren könnte. Mit dem Strom eines Windrades wird Wasserstoff hergestellt. Mit dem Wasserstoff werden dann Brennstoffzellen in Fahrzeugen angetrieben, so wie im Mirai. Es handelt sich hierbei um einen CO2-neutralen Prozess.

Gegen Akku-Elektroautos hat Toyota aber grundsätzlich auch nichts einzuwenden, Akku-Kleinwagen soll es weiter geben. Was aber größere Pkw, Busse, Laster und Industriefahrzeuge angeht, so soll hier die Wasserstoff-Technologie zum Einsatz kommen. Wird der Wasserstoff durch Windkraft, wie bei dem Projekt Hama Wings gewonnen, so ergibt sich eine hervorragende Klimabilanz. Verglichen mit einem batterieelektrischen Stapler, der seinen Strom größtenteils aus dem öffentlichen Netz und nur zu 12 Prozent aus regenerativen Energien zieht, spart der Brennstoffzellenwagen 86 Prozent an CO2-Emissionen ein. Hinzu kommt, dass den Wasserstoff vor Ort herstellen und so auf den Import von Öl und Kohle verzichten könnte. Unterstützt wird das Hama-Wings-Projekt derzeit noch von Japans Regierung.

Toyota hat außerdem ein weiteres Projekt, bei dem die Regierung hilft. Es nennt sich SORA. Die Buchstaben stehen für Sky, Ocean, River und Air (Himmel, Ozean, Fluss und Luft). Hier geht es um einen Brennstoffzellenbus, der ab 2018 produziert werden soll. Zunächst einmal sind 100 Stück geplant und bereits zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio sollen mit diesen Bussen die Besucher gefahren werden. Allerdings sind die Kosten für einen solchen Bus mit umgerechnet 900.000 Euro fast viermal so hoch wie die Kosten für einen herkömmlichen Bus. Die Regierung möchte aber, wenn sich das Preisniveau angepasst hat, sämtliche 35.000 Stadtbusse im Land austauschen. Bis dahin soll auch in die Infrastruktur investiert werden. Mirai-Entwickler Kiyotaka Ise sagt: „Momentan haben wir in Japan etwa 90 Tankstellen für Wasserstoff. Bis 2020 erwarten wir 160, bis 2025 über 320."

Es gibt aber auch Skeptiker, was die Wasserstoff-Technologie angeht. Wasserstoff ist nahezu unbegrenzt vorhanden, muss aber unter großem Energieaufwand beispielsweise per Elektrolyse aus Wasser gewonnen werden. Unabhängige Beobachter äußern daher Bedenken. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, sieht vor allem die enormen Kosten, die entstehen. Er sagt: „Ein Pipeline-System existiert nicht, der Wasserstoff müsste stets per Lkw zu den Tankstellen gefahren werden. Und während eine Strom-Schnellladesäule rund 50.000 Euro kostet, schlägt eine Wasserstofftankstelle mit weit über eine Million Euro zu Buche." Auch ein Problem ist die Tatsache, wenn der Strom aus Windenergie gewonnen wird. Windenergie ist nämlich nicht konstant verfügbar. Dazu nimmt die japanische Regierung auch Stellung: Wasserstoff soll nämlich zusätzlich mittels Sonnenenergie gewonnen werden, und zwar in Australien. Verflüssigt und gekühlt soll er dann per Schiff nach Japan gebracht werden.