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Vom Supermarkt zum smart home

In Mainz steht ein modernes Büro- und Wohnhaus, das früher einmal ein Supermarkt war. Der Architekt des Objektes ist Alexander Maier und er hat ein ausgeklügeltes Energiekonzept in seinem Haus integriert, das BHKW, Photovoltaikanlage, Stromspeicher, Elektroauto und Smart-Home-Steuerungen umfasst. Aus einem Supermarkt ist also ein smart home geworden, das einen hohen Autarkiegrad in der Stromversorgung des Büros aufweist.

Zehn Jahre hatte Architekt Alexander Maier schon ein Auge auf den ehemaligen Supermarkt geworfen als er endlich die Nutzungsänderung vom Laden zum Büro- und Wohnhaus hatte. Er wusste von Anfang an: „Das wäre ein toller Standort für unser Büro.“ Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1968 und befindet sich im beliebten Stadtteil Mainz-Gonsenheim. Der Umbau ging relativ zügig voran und nun hat Alexander Maier schon seit dem Sommer 2016 sein Architekturbüro Zeit + Raum dort. Außerdem gibt es im Gebäude drei bereits vermietete Wohnungen. Das Beeindruckende aber ist, dass das Gebäude ein Musterbeispiel für eine energetische Sanierung und zukunftsfähige Energieversorgung ist. Es verfügt über eine Photovoltaikanlage mit 76 Modulen und einen Batteriespeicher, wodurch die Stromversorgung seines Büros einen hohen Autarkiegrad erreicht.

Alexander Maier hat einen Faible für Technik und denkt zukunftsorientiert: „Altes, traditionelles Denken erschreckt mich. Wenn es heute möglich ist, dass Häuser Energie produzieren, dann sollte man das auch tun.“ Natürlich gehört für Maier auch die Elektromobilität dazu. Das Projekt Supermarkt nahm für Maier schnell Gestalt an, er wollte das Gebäude in seiner Form so belassen, wie es war, er wollte einen KfW-Standard erreichen und außerdem keine Lüftungsanlage. Des Weiteren sollte das Gebäude mehr Strom produzieren, als das Büro verbraucht. Aber das Beste an allem ist die „Unsichtbare Energieerzeugung“, denn man sieht von alledem nichts.

Um die hoch gesteckten Ziele von Alexander Maier zu erreichen und die Standards eines KfW-Effizienzhaus-Standard 85 möglich zu machen, musste zunächst die Gebäudehülle gedämmt werden. Dazu wurde der Boden mit Estrich und einer 16 cm starken Dämmplattenschicht versehen und die Wände bekamen auch eine 16 cm starke Dämmung. Im Dach wurden 30 cm Dämmung mit Mineralwolle verlegt und die dreifach verglasten Fenster haben einen U-Wert von 0,9 W/(m²K).

Maier wollte für sein Projekt wenig Energie aus dem Netz beziehen und möglichst viel mit regenerativen Energien arbeiten. Daher besitzt das Gebäude eine Photovoltaikanlage mit 76 Panasonic Modulen HIT mit 18,62 Kilowattpeak Spitzenleistung und in Ost-West Ausrichtung. Maier sagt dazu: „Für die Module HIT habe ich mich entschieden, weil ich den höchsten Wirkungsgrad haben wollte, durch die besondere Zelltechnologie, bei der ein dünner monokristalliner Wafer von einer ultradünnen amorphen Siliziumschicht umhüllt ist, haben sie eine höhere Effizienz als herkömmliche kristalline Solarmodule. Hinter der Attika versteckt, kann man sie nur von der gegenüberliegenden Straßenseite sehen, und das auch nur, wenn man genau hinsieht.“ Diese PV-Anlage erzeugt ca. 20 000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Das Büro von Maier selbst verbraucht in etwa 12 000 kWh/a, was Klimaanlage, Beleuchtung und IT-Systeme beinhaltet. Somit ist das Ziel erreicht, mehr Strom zu produzieren als das Büro verbraucht. Es gibt zusätzlich eine Tesla-Batterie mit 6,4 kWh Speicherkapazität, die in Kombination mit der PV-Anlage so effizient arbeitet, dass innerhalb von 12 Monaten 55 Prozent des Stroms vom eigenen Dach genutzt wurden, was einer Autarkiequote von 57 % entspricht.

Für die Wärmeversorgung des Gebäudes wurde ein Stirling-BHKW mit 25 kW thermischer Leistung und 1 kW elektrischer Leistung eingebaut. Zusätzlich gibt es eine Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen. Der gesamte Stromverbrauch liegt bei rund 14 000 kWh/a, wenn man das Elektroauto mit hinzuzählt. Von Elektroautos ist Maier voll überzeugt, ihn kosten 100 Kilometer nur 2,20 Euro. Zum Vergleich: Für die gleiche Strecke würde er etwa 10,40 Euro für Benzin bezahlen. Maier hat zwei Ladestationen hat vor dem Gebäude aufstellen lassen. Natürlich verfügt das Gebäude auch über Smart Home-Steuerungen. In seinem Büro kann er damit die LED-Leuchten, die Musik, die Haustechnik und das Energie-Monitoring steuern. Über eine Benutzer-Oberfläche sind alle Steuerungen miteinander verbunden.

Maier zieht rundherum eine positive Bilanz und hat für die Zukunft bereits weitere Pläne. Er will beispielsweise die Photovoltaikanlage auf 50 kW Leistung erweitern, er will zwei zusätzliche Solarspeicher anschaffen und vier weitere Ladestationen sollen dazukommen. Außerdem will Alexander Maier seinen Fuhrpark komplett auf elektrisch umstellen. Schlussendlich will er auch noch das Nachbargebäude, das ihm ebenfalls gehört, über eine Fernwärmeleitung mit Wärme versorgen. Er sagt: „Das Thema Energie ist für mich eine Lebensphilosophie geworden.“