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Klimaneutraler Brennstoff Blue Crude

Sunfire Chef Nils Aldag ist Mitgründer des Start-ups Sunfire und er hat eine Vision. Er will mit seinem klimaneutralen Brennstoff Blue Crude das schmutzige Erdöl ersetzen, was immer noch zum Einsatz kommt. Er sagt dazu: „Wir leben in einer Welt, die sich nur dank fossiler Brennstoffe dreht, unsere gesamte Infrastruktur ist auf Öl und Gas ausgerichtet.“

Und so ist es tatsächlich, denn Öl und Erdgas sind heutzutage noch immer für 60 Prozent des deutschen Energieverbrauchs verantwortlich. Aldag weiß: „Nicht alle Produkte, die aus diesen Brennstoffen hergestellt werden, lassen sich zu hundert Prozent durch Ökostrom ersetzen.“ Aber er hat eine super Lösung, um die Welt ein Stück sauberer zu machen: Blue Crude – ein klimaneutraler Erdölersatz. Es handelt sich hier um eine synthetische Flüssigkeit, mit der viele Produkte hergestellt werden, die bislang auf Erdöl basieren.

Das Start-up Sunfire ist in Dresden ansässig und rund 100 Mitarbeiter arbeiten hier bereits. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2010 von Aldag und seinen Kollegen Carl Berninghausen und Christian von Olshausen. Sie besitzen auch das Patent, Kohlenwasserstoff - Moleküle auf Basis von Ökostrom sehr effizient herzustellen. Bisher hat Sunfire schon drei Tonnen Blue Crude produziert.

Wie funktioniert das Ganze technisch? Wasserdampf wird unter Zuhilfenahme von Wind- oder Solarstrom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Im nächsten Schritt wird dem Wasserstoff das Treibhausgas Kohlendioxid beigemischt und dann zu Kohlenmonoxid reduziert. Das Ergebnis dieser Prozessreihe ist dann Blue Crude. Blue Crude wiederum ist Ausgangsprodukt für verschiedenste Wachse, Schmiermittel oder auch Kfz-Kraftstoffe.

Die entstehenden Brennstoffe sind „glasklar statt pechschwarz“, erklärt Aldag. Fakt ist auch, dass sie keine Verunreinigungen enthalten. Bei der Verbrennung entstehen durchaus Stickoxide, diese lassen sich laut Aldag aber „gut filtern“. Einen entscheidenden Vorteil haben die Produkte aber, denn man muss keinerlei Infrastruktur ändern. Sie lassen prima integrieren, in der Raffinerie genauso wie an der Tankstelle und im Auto-Motor.

Industrielle Partner konnte Sunfire auch schon finden, Projektpartner sind zum Beispiel Audi und der Flugzeughersteller Boeing. Was das Vorankommen des Unternehmens nun noch stoppt, sind die derzeitigen Preise von Öl und Erdgas. Blue Crude im großen Stil herzustellen, lohnt sich einfach noch nicht.

Aldag fordert daher Hilfe von der Politik: „Unsere Technik ist ausgereift, durch Massenfertigung könnten wir enorme Skaleneffekte heben.“ Er sagt, dass es nur noch darum gehe, die Kosten bei Elektrolyseuren drastisch zu senken. Derzeit wird bei Sunfire nämlich per Hand hergestellt, eine Automatisierung fehlt. Aber er hat auch ein großes Ziel: Ab dem Jahr 2020 will Sunfire nämlich mit Geschäftspartnern in Norwegen in einer Großvolumenanlage jährlich 8.000 Tonnen Blue Crude produzieren. Liegt der Umsatz derzeit bei bis zu zehn Millionen Euro pro Jahr, soll dieser später auf Milliarden steigen. Aldag dazu: „Ich möchte, dass Sunfire das Linde oder Air Liquide von morgen wird – aber auf Basis von erneuerbaren Energien.“