Zum Inhalt springen

Energiewende stagniert beim Heizen

Warum kommt die Energiewende im Bereich des Heizens nicht so recht ins Rollen? Ganz einfach: Gas und Öl sind derzeit äußerst billig. Da liegt es auf der Hand, dass Hausbesitzer nicht auf erneuerbare Energien umsteigen. Das Problem geht sogar so weit, dass Experten gar eine Abgabe auf fossile Brennstoffe fordern.

Die Hintergründe

Erdgas und Öl kosten derzeit nicht viel Geld. Laut dem Tarifportal Verivox ist Erdgas beispielsweise so günstig wie seit dem Jahr 2005 nicht mehr. Bei Heizöl sind die Preise zwar gestiegen, trotzdem ist es deutlich günstiger als vor einigen Jahren. Die Hauseigentümer freuen sich, denn die Kosten sind überschaubar.

Die Auswirkungen auf die Erneuerbaren Energien

Dass sich diese niedrigen Preise negativ auf den Umstieg auf erneuerbare Energien auswirken, versteht sich von selbst. Die Attraktivität des Umstiegs geht für Hausbesitzer verloren. In Zahlen ausgedrückt: Es sind nur 13 Prozent der heimischen Heizungen, die ihre Energie aus regenerativen Quellen ziehen. Im Vergleich dazu: Beim Strom ist der Anteil deutlich höher und beträgt 38 Prozent.

Etwa 20 Prozent der Heizungen, die 2016 verkauft wurden, nutzt erneuerbare Energien. Zu diesem Ergebnis kam eine Statistik des Heiztechnik-Verbandes BDH. Noch vor fünf Jahren betrug dieser Anteil 26 Prozent und im Jahr 2008 waren es sagenhafte 45 Prozent. Damals hatten die Öl- und Gaspreise einen Höchststand erreicht.

Die Ursachen

Die Ursachen für den Rückgang bei der Installation ökologischer Heizungen gehen hauptsächlich auf Bestandsbauten zurück. Immerhin machen diese rund 84 Prozent des Heizungsmarktes aus. Bei Solarthermieanlagen wurde ein Rückgang von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Ähnlich sieht es bei Holzkesseln aus, hier gab es einen Rückgang von vier Prozent. Das war auch nicht nur 2016 so, sondern setzte sich im ersten Halbjahr 2017 fort.

Eine Ausnahme gibt es hierbei allerdings: Der Bereich der Wärmepumpen ist gewachsen, und zwar um 17 Prozent im Jahr 2016 und um 21 Prozent im ersten Halbjahr 2017. Andreas Lücke, BDH-Hauptgeschäftsführer, sagt dazu: „Die positive Entwicklung bei Wärmepumpen ist vor allem auf das dynamische Neubaugeschäft zurückzuführen." In neuen Immobilien würden immer mehr Wärmepumpen installiert werden, so dass dieser Aufschwung aus dem Bereich Wohnungsbau kommt.

Aber nicht nur die niedrigen Preisen für fossile Brennstoffe sind eine Ursache für den zögerlichen Umstieg auf erneuerbare Energien im Heizungsbereich, meint zumindest Energieberater Patric Schulz aus Kassel. Er sagt: „Heizungsbauer installieren am liebsten Gas- und Ölkessel, weil sie darin sehr viel Erfahrung haben und zudem gutes Geld damit verdienen.“ Sollte der Wunsch bestehen, seine alte Heizung zu sanieren, dann raten die Installateure oftmals zu modernen Gas- oder Öl-Brennwertkesseln, statt Wärmepumpen oder Holzheizungen anzubieten. Außerdem sind neue Öko-Heizungen immer auch eine große Investition, denn Wärmepumpen und Holzheizungen kosten etwa doppelt bis dreimal so viel wie Gas- oder Ölkessel. Dieses Kostengefälle können auch niedrigere Betriebskosten zunächst nicht wettmachen.