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Wie schädlich ist Wasserkraft?

Talsperren und Stauseen schützen das Klima, denn eine ihrer Aufgaben ist es, aus Wasserkraft Strom zu erzeugen und dabei ohne Abgase auszukommen. Wie bei vielen anderen Dingen, gibt es aber auch hier ein großes ABER: in Stauseen entsteht Methan, ein Klimagas, welches am Ende noch viel schädlicher als CO2 ist.

Ein mitteldeutsches Forschungsprojekt soll nun die Ausmaße dessen erforschen. Herr Uwe Spank ist Forscher und Meteorologe an der TU Dresden und leitet das gemeinsame Projekt mit dem Umweltforschungszentrum Magdeburg. Ziel ist es, die Entstehung von Methan in mitteldeutschen Stauseen zu untersuchen. Uwe Spank sagt dazu: „Die Methanbildung im Tiefenwasser hat man bislang immer vernachlässigt. Der Aufhänger des Projektes ist, den Beitrag von Standgewässern in der Treibhausgasbilanz besser abbilden zu können."

Grundlage und Auslöser dieser Forschungen ist unter anderem eine Studie aus dem tropischen Französisch-Guyana. Dort hat es nämlich an einem Stausee Messungen gegeben, die ergeben haben, dass der Treibhauseffekt der gleiche gewesen wäre, wenn man statt der Stromerzeugung durch Wasserkraft ein Kohlekraftwerk genutzt hätte. So viel Methan ist dort entstanden.

Für ihre Forschungen in Mitteldeutschland nutzen die Wissenschaftler eine Messstation mitten auf der Rappbodetalsperre. Die Messstation ist etwa sechs Quadratmeter groß und trägt jede Menge Messgeräte. Spank erklärt zur Station: „Jetzt haben wir hier versucht, unsere Messstation wie so eine Art Faraday’schen Käfig einzupacken, um die Messgeräte, die sehr teuer sind, vor den Schäden von einem Blitz zu schützen." Die Daten, die hier gemessen und gesammelt werden, sind sehr vielseitig. Unter anderem gehören folgende dazu:

  • Wasser- und Lufttemperatur
  • Wind-, Wasser- und Luftzusammensetzung
  • Austausch der Wasser- und Luftschichten
  • Energieeinstrahlung in den Stausee
  • Methan im und über dem Wasser

 

Zur eigentlichen Forschungsaufgabe erklärt der Leiter: „Man hat das Methan im Tiefenwasser, aber das bedeutet noch nicht, dass es auch an die Oberfläche kommt. Dieser Ausgasungsprozess in die Atmosphäre, der ist noch unzureichend beschreibbar." Die Wissenschaftler denken, dass mehr Methan aus dem Wasser in die Atmosphäre gelangt, wenn es windig ist oder regnet oder die Wasserstände niedrig sind. Die genauen Daten wollen sie nun drei Jahre lang auf mindestens zwei verschiedenen Stauseen sammeln. Im nächsten Jahr soll die Messstation umziehen und auf der Talsperre Bautzen Dienst tun. Spank sagt: „Die ist leider das Gegenteil von der sehr sauberen Rappbode-Talsperre, ganz lax ausgedrückt: Im Spätsommer sah das Wasser vergleichbar mit Spinatsuppe aus."

Trotz allem erwarten die Forscher hierzulande keine so extreme Methanentwicklung wie im tropischen Französisch Guyana. Sie wollen lediglich feststellen, wie viel Methan in den Stauseen entsteht und zusätzlich in die Atmosphäre gelangt. Außerdem schwebt den Wissenschaftlern vor, eventuell eine Nutzbarmachung von Methan zu erforschen. Dafür müssen sie aber erst ermitteln, ob die Menge an Methan aus unseren Stauseen überhaupt ausreicht.