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Lebenszeit des Diesels mit künstlichen Kraftstoffen verlängern

Der Weg zum E-Auto ist lang und mühsam. Die Entwicklung ist teuer, die Batterien haben eine zu geringe Reichweite, die Kunden maulen über hohe Preise… Wie kann man die Zeit bis zum Durchsetzen der E-Autos überbrücken? An dieser Stelle kommen künstliche Kraftstoffe ins Spiel, die den Diesel verbessern sollen. Die so genannten E-Fuels sollen das jedenfalls können.

Ein synthetischer Kraftstoff soll bei der Verbrennung nicht mehr CO2 ausstoßen als bei seiner Produktion verbraucht wurde. Sind das realisierbare Wünsche? Die Branche ist sich sicher, dass diese Kraftstoffe noch auf sich warten lassen. Audi-Experte Hermann Pengg beispielsweise vermutet, dass E-Diesel aus erneuerbaren Stromquellen in den kommenden fünf bis zehn Jahren immer noch zu teuer sein wird. Die Herstellungskosten würden mehr als doppelt so teuer sein wie bei herkömmlichen Diesel. Trotzdem geht die Forschung weiter. VW-Sprecher Peter Weisheit sagt beispielsweise, dass synthetische Kraftstoffe durchaus ein breites Potenzial haben und künftig eine große Rolle spielen werden.

Was genau sind E-Fuels und wie kommen sie zum Einsatz?

E-Fuels sind künstliche Kraftstoffe, die idealerweise mit erneuerbarem Strom hergestellt sind. In diesem Bereich gibt es die „Power-to-Gas"- und die „Power-to-Fuels"-Methode. Mit Strom aus erneuerbaren Quellen wird per Elektrolyse aus Wasser zunächst Wasserstoff erzeugt. Unter Zugabe von CO2 wird dann Methan hergestellt, welches als Kraftstoff dient. Des Weiteren gibt es auch Flüssigkraftstoffe, wie synthetisches Benzin oder Diesel und natürlich die so genannten Oxymethylenether (OME).

Zunächst einmal könnte man E-Fuels mit herkömmlichem Dieselkraftstoff mischen. Auf diese Weise sinkt der CO2 –Ausstoß auch bei Fahrzeugen, die schon unterwegs sind. Außerdem muss weder an den Autos noch an den Tankstellen etwas verändert werden. Voraussetzung dafür ist natürlich zum einen, dass der benötigte Strom aus erneuerbaren Quellen stammt und zum anderen, dass der notwendige Kohlenstoff aus der Biomasse kommt. Der Strom-Mix, der heute in Deutschland vorherrscht, gibt das wohl erstmal nicht her. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ist skeptisch: „Das wird es bei uns langfristig genauso wenig geben wie die Brennstoffzelle." Er verweist auf die hohen Kosten und die Tatsache, dass China in diese Technologie wohl nicht einsteigt, weil man dort mittlerweile voll auf die Elektromobilität setzt.

Und wie geht es jetzt weiter?

Willi Diez ist vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen und rät den Herstellern, nur wenige Optionen zur Reife zu bringen und sich vor allen Dingen auf E-Autos zu konzentrieren. Pischinger erklärt dagegen die Vorteile von OME:

  • die Verbrennung ist völlig rußfrei
  • die Emission von Stickoxiden würde sich reduzieren
  • die Abgasrückführungsraten von Dieseln könnten gesteigert werden
  • der Wirkungsgrad könnte gesteigert werden (mit neuen Brennverfahren bis über 50 Prozent)

Die synthetischen Kraftstoffe könnten also tatsächlich eine Möglichkeit sein – zumindest bis zum Durchbruch der E-Mobilität. So könnten die strengeren CO2-Grenzwerte eingehalten werden. Audi-Mann Pengg sagt zu den Emissionen: „Erste Messungen legen nahe, dass der Kraftstoff auch bei NOx-Emissionen besser als herkömmlicher Diesel ist."