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Blockchain in der Energiewirtschaft – ein Einblick

Blockchain ist inzwischen ein bekannter Begriff. Doch was ist das genau und wie sehen die möglichen Anwendungen aus? Es handelt sich laut haufe.de um eine „im Nachgang manipulationssichere Dokumentationssoftware“, mit der neben einer exakten Datenerfassung auch eine schnelle Abrechnung möglich ist. In der Energiewirtschaft wird Blockchain bereits angewendet.

Kian Schreiber, Geschäftsführer des Berliner Blockchain-Startups xtech, sagt zur näheren Erläuterung von Blockchain: „Die Blockchain kann man sich wie ein global verteiltes Kassenbuch vorstellen, das auf tausenden oder Millionen von Rechnern liegt. „Die einzelnen Transaktionen werden kryptographisch verschlüsselt und in Gruppen, so genannten Blöcken, in das System gespielt. Diese einzelnen Blöcke wiederum werden aneinander gekettet, so dass eine Kette von Blöcken entsteht, ergo die Block-Chain. Sollte ein Angreifer versuchen wollen, die Blockchain zu manipulieren, so müsste er nicht nur eine Transaktion im System manipulieren, sondern auch die Transaktionen davor und danach, all dies zeitgleich auf Millionen von Rechnern bei höchster Verschlüsselung.“ Der Unterschied, der zum herkömmlichen Kassenbuch bleibt, liegt darin, dass jeder Teilnehmer alle Transaktionen beobachten kann und nicht nur die Buchhalter, Geschäftsführer etc.

In diesem Kassenbuch wird mittels digitaler Währungen abgerechnet, beispielsweise mit Bitcoin. Wozu das Ganze? Kian Schreiber erklärt dazu: „Bitcoin wurde erstmals in einem sogenannten White Paper, einem Aufsatz, beschrieben, welcher kurz nach der Finanzkrise 2008 auf große Aufmerksamkeit stieß. In diesem White Paper wurde das elektronische Geldsystem erklärt, welches es ermöglicht, Geld direkt von einer Person zu der Nächsten, also peer-to-peer, zu senden, eine neuere Blockchain namens Ethereum baut auf dem Konzept von Bitcoin auf und geht noch einen Schritt weiter, ohne einen Mittelsmann.“ Ein wichtiger Grund für die Entwicklung der digitalen Währungen sieht Schreiber im erschütterten Vertrauen in das traditionelle und zentrale Bankensystem durch die Finanzkrise. Das digitale Geld ist ein Teil des großen elektronischen Systems Blockchain.

Siemens hat beispielsweise in New York eine Blockchain installiert, die eine lokale Verknüpfung von Energieproduzenten und –Verbrauchern ermöglicht und eine Überwachung von Produktion und Abrechnung von Stromverbrauch realisiert. Im genannten Beispiel versorgen sich Nachbarn selbst mit Strom. 50 private und gewerbliche Parteien nutzen diese Blockchain. Jeder einzelne Teilnehmer kann mit jedem anderen untereinander mit Energie handeln. Sollte der Strom nicht reichen, wird vom örtlichen Versorger nachgesteuert. Die Teilnehmer geben an, was sie zahlen möchten und wer am meisten bietet, bekommt den Strom. Aber auch in Deutschland geht es in diesem Bereich voran.

Jannis Holthusen, Geschäftsführer des Hamburger Blockchain-Spezialisten Upchain, sagt: „Über 20 Energieunternehmen werden in Deutschland noch in diesem Jahr auf Basis von Blockchain Energie handeln – ohne einen zentralen Marktplatz wie eine Börse zu nutzen.“ Derzeit sind das Unternehmen Sonnen und Netzbetreiber TenneT dabei, Photovoltaik-Heimspeicher per Blockchain zu verbinden. Die Blockchain wurde von IBM entwickelt. Ziel ist es unter anderem, herauszufinden, ob sich Engpässe im Stromnetz verhindern lassen.

Blockchain bietet aber noch mehr Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten. Kian Schreiber sagt: „Angenommen, ich habe ein Smart Meter bei mir zu Hause eingebaut, so könnte die Blockchain genutzt werden, um den verbrauchten Strom in Echtzeit zu messen und auch zu bezahlen.“ Man könnte somit selbst prüfen, dokumentieren und in einem anderen System die Zahlung veranlassen. Holthusen sieht ganz konkrete Möglichkeiten für die Energieversorger: „Die haben jetzt die Chance, Lösungen für Kunden noch einmal neu zu überdenken. In der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle sehe ich die eigentliche Chance: Kann ich die Kundenbedürfnisse auf eine andere, bessere Art befriedigen? Benötigen Kunden heutige Services dann noch? Was werden Kunden in Zukunft selber machen, wobei benötigen sie Unterstützung?“ Außerdem meint Holthusen, dass Blockchain als Grundlage für neue Geschäfte verstanden werden muss.