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PV-Anlagen für Mieter

In der Mietwohnung eigenen Strom produzieren? Ohne eigenes Dach? Gibt es da eine Möglichkeit? Ja, denn auch für den engsten Raum bietet der Handel mittlerweile Solarmodule an, die sich durchaus rentieren können. So können sich Mieter selbst mit Strom versorgen – oder vielleicht doch nicht?

 

Diese Anlagen bestehen aus einem oder zwei oder mitunter auch vier Modulen inklusive eingebautem Wechselrichter und sind für Balkon oder Terrasse gedacht. Den Anschluss an das Stromnetz erlangt man über eine normale Steckdose. Der Clou: Zieht der Mieter in eine neue Wohnung, nimmt er seine PV-Anlage einfach mit.

Ein Modul liefert, wenn die Sonne scheint, eine Maximalleistung von 150 und 200 Watt, Das ist  garantiert eine Stromerzeugung, die der private Haushalt auf jeden Fall verbraucht. Gerade auch, weil viele Geräte Strom verbrauchen, auch wenn sie aus sind, nämlich durch den Stand-by-Modus. Ist der Haushalt größer, empfiehlt sich eine Anlage mit zwei und mehr Modulen, hier liegt die Leistung bei bis zu 500 Watt.

Rentiert sich die Mini-Anlage?

Insgesamt muss gesagt werden, dass die kleinen Anlagen im Verhältnis zur Leistung teurer sind. Es ist zwar mitunter angegeben, dass sich die Systeme innerhalb von sieben bis acht Jahren amortisieren, aber eben nur bei optimalen Erträgen. Schon bei einem kleinen Schatten sind diese jedoch gefährdet. Ein Fachmann, der unabhängig berät, sollte zumindest gefragt werden.

Das große ABER der Mini-Solarsysteme

Das große Problem liegt auf der juristischen Seite. Verboten sind die Anlagen nicht, ABER sie verstoßen gegen eine verbindliche Norm des Elektrotechnik-Verbandes VDE. Hierin heißt es nämlich, dass Stromerzeugungsanlagen nicht an den Haushaltsstromkreis angeschlossen werden dürfen. Begründet ist das mit der Tatsache, dass die Sicherungen der Haushalte nicht in der Lage sind, den eingespeisten Strom zu erkennen und ordnungsgemäß zu reagieren. Weiterhin sagt ein Kommentar der Vorschrift aus: "Aus diesem Grund kann es nach dem Einstecken der Erzeugungsanlage zur Überlastung von Stromkreisen und dadurch zu Bränden kommen."

Wie sehen das die Fachleute?

Christoph Körner, Unternehmer bei Infinitum Energie sagt: "Diese Argumentation ist an den Haaren herbeigezogen. Die Kabel sind auf eine Leistung von 3680 Watt ausgelegt. Wenn man dort eine Anlage mit bis zu 600 Watt anschließt, bleibt immer noch genug Puffer." In der Schweiz, Österreich und in den Niederlanden ist der Betrieb kleiner Systeme dieser Leistungsklasse bereits erlaubt. Udo Siegfriedt, Gutachter der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) sieht das ähnlich: "Es besteht kein Risiko, wenn Anlagen bis zu dieser Größe (600 Watt) an den Haushaltsstromkreis angeschlossen werden, eine Überlastung der Leitungen drohe erst ab einer höheren Leistung.“
Es scheint nun auch in Deutschland Bewegung in die Angelegenheit zu kommen, denn nach Auskunft des VDE wird es bald neue Normen geben, die genau definieren, unter welchen Bedingungen Kleinanlagen Strom in die Haushaltsnetze speisen dürfen.