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Windparks ohne staatliche Zuschüsse

Die Windparks, die auf hoher entstehen, sind heute günstiger und profitabler. Erste Projekte sollen ohne Förderungen auskommen. Das ist Grund genug, dass die Diskussion über die Windparks ohne staatliche Zuschüsse wieder entfacht wird.

 

Matthias Zelinger von der Branchenlobby VDMA am Montag auf der Hannover Messe sagt: „Aus der Stromwende muss eine Energiewende werden.“ Es werden Änderungen in der Energiepolitik gefordert. Laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhält jeder, der mit seiner Anlage Strom erzeugt und diesen ins Netz einspeist für 20 Jahre eine garantierte Vergütung. Bei Windparks auf See sind das derzeit gut 18 Cent pro Kilowattstunde.

Nun hat die Bundesnetzagentur kürzlich eine Ausschreibung für Anlagen veranstaltet, die von 2025 an Strom liefern soll. Ergebnis der Ausschreibung war, dass die künftigen Betreiber die baden-württembergische EnBW und die dänische Dong Energy sind. Sie wollen außerdem genau null Cent pro Kilowattstunde verlangen. An dieser Stelle zeigen sich auch die Experten überrascht, die mit mindestens fünf Cent gerechnet hatten. Die Unternehmen verzichten quasi auf die Vergütung und wollen den Strom lukrativ an der Strombörse vermarkten.

Das war auch der Auslöser für Diskussionen über neue Wege der Energiewende. Zelinger sagt, dass null Cent ein „bemerkenswertes Signal für den Offshore-Markt in Deutschland“ seien. Es wird bereits spekuliert, wann die EEG-Vergütungen abgeschafft werden können. Mit diesem Fakt könnte das Langzeitziel der Energiewende früher erreicht, als jeder bisher dachte.

Erreichen könnte man das zum Beispiel mit deutlich größeren Windrädern. In diesem Jahr soll es erstmals moderne Windräder mit einer Leistung von acht Megawatt geben. Die Planung von Dong und EnBW sieht so aus, dass Generatoren und Riesen-Rotoren auf hohe Stahltürme gesetzt werden und eine Leistung von 13 bis 15 Megawatt erreichen können. Allein durch diese Größe werden die Kosten fürs Verankern auf dem Meeresboden und die Aufwendungen für die Instandhaltung kleiner gehalten. Ein Dong-Sprecher sagt: „Wir haben die Kostensenkungen mit unseren Zulieferern in der Hand.“

Experten denken, dass sich die null Cent nur rechnen, wenn es deutlich höhere Notierungen als derzeit gibt. Das Preisniveau an der Börse kann im Laufe eines Tages schwanken, liegt im Schnitt aber bei drei Cent pro Kilowattstunde. Laut Berechnungen der Berliner Energieberatungsfirma Energy Brainpool rechnen sich die Anlagen erst, wenn mindestens fünf Cent pro Kilowattstunde erzielt werden. Der EnBW-Manager Dirk Güsewell versucht aber zu beruhigen und begründet seinen Standpunkt mit auf umfangreichen Marktanalysen basierenden Kalkulationen.

Die Börsenpreise können jedoch nur steigen, wenn die Überkapazitäten bei den Erzeugungsanlagen entfallen und die Preise für CO2-Verschmutzungszertifikate steigen. Auf diesem Weg wird der Strom der Kohlekraftwerke teurer. In jedem Fall müsse aber die nächste Bundesregierung „Energie noch viel mehr als ein Gesamtsystem aus Umwandlung, Speicherung und Verbrauch über alle Energieträger hinweg sehen“, so Zelinger. Es muss die Sektorenkopplung ausgebaut werden, was bedeutet, den Strom zu erwärmen und als Heizenergie zu nutzen oder mit dem Strom muss synthetisches Gas erzeugt werden, welches eingespeist wird,