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Bundesverband Wärmerecycling gründet sich in Osnabrück

Jeder kennt die Situation – die Ausgaben für Wärme sind viel höher als für Strom. Das betrifft alle - vom Privathaushalt bis zur Industrie. In Osnabrück haben gleich zwölf Institutionen die Gründungssatzung des „Bundesverband Wärmerecycling e.V.“ unterzeichnet – einer neuen Netzwerkplattform für mehr Energieeffizienz im Wärmesektor. Zu den Verbandsmitgliedern gehören auch die kommunalen Energieunternehmen enercity und die Stadtwerke Osnabrück AG als Gastgeber der Gründergruppe.

„Der Verband bündelt das vorhandene Energieeffizienz-Know-how der Mitglieder und stellt es dem Netzwerk zur Verfügung. Zentraler Anspruch ist, den aktuellen Stand der Technik anhand von bereits realisierten Projekten und valider Daten zu publizieren. Dadurch entsteht Transparenz in wichtigen Punkten wie zum Beispiel Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit.

Know-how bündeln

Für jede Anwendung kann die jeweils optimale Lösung erarbeitet werden. Erfolgreiche Pilotprojekte werden hervorgehoben und können auf andere Bereiche und energieintensive Branchen übertragen werden. Kurz gesagt: Als Netzwerk kompetenter Partner möchten wir alle technischen Anlagen und Prozesse im Wärmesektor kontinuierlich verbessern. Wärmerecycling ist der Schlüssel zu Effizienz und Erfolg, erläuterte Wolfgang Jaske die Funktion des Bundesverbands Wärmerecycling e.V.

In der öffentlichen Debatte zur Energiewende spiele der Wärmesektor bislang noch keine bedeutende Rolle. Dabei hängt das Gelingen der Energiewende ganz entscheidend vom Umbau der Wärmeversorgung ab. Mehr als 40 % des gesamten Energieverbrauchs bzw. aller CO2-Emissionen entfallen auf den Wärmebereich. Nicht umsonst sprechen viele Experten beim Umbau der Wärmeversorgung – der sogenannten Wärmewende – von einem „schlafenden Riesen“. Genau hier setzt der neue Bundesverband Wärmerecycling e. V. an, ergänzt Prof. Dr.-Ing. Matthias Reckzügel, Leiter des Kompetenzzentrums Energie an der Hochschule Osnabrück. Wenn es gelingt, nur 1 % der Wärmeenergie in Deutschland zu recyceln, können dadurch 2 500 000 to CO2 oder 1 000 000 to Erdgas pro Jahr eingespart werden. Das entspricht dem jährlichen Verbrauch von ca. 750 000 Einfamilienhäusern. „Das ist eine unvorstellbar große Menge“, stellt Dr. Peter Wolf von der Jaske & Wolf Verfahrenstechnik GmbH fest.

Moskaubad in Osnabrück ist erstes Referenzobjekt

„Bäderbetriebe sind bekanntermaßen sehr energieintensiv“, erklärte Jürgen August, Leiter Bädertechnik bei den Stadtwerken Osnabrück, beim offiziellen Unterzeichnungstermin. „Hier gibt es insbesondere in der Wärmerückgewinnung noch sehr viel Effizienzpotenzial.“ Das Moskaubad in Osnabrück, das bereits mit einer hocheffizienten und preisgekrönten Wärmerückgewinnungstechnologie sowie einer innovativen Lüftungstechnik bundesweit zu den –Energievorreitern im Bädersektor gehört, ist das erste Referenzobjekt des neu gegründeten Verbandes: „Wir haben hier in Osnabrück Effizienzprojekte und -partnerschaften, die eine Pionierstellung einnehmen. Wir sehen uns hierbei als Wegbereiter und wollen unsere Erfahrungen und Erkenntnisse weitergeben – entsprechend stolz macht es uns, Gründungsmitglied des Bundesverbandes Wärmerecycling e.V. zu sein“, so August.

Industrieabwärme im großen Stil für Hamburgs östliche Hafencity

Die Beteiligung der Stadtwerke Hannover AG, enercity Contracting Nord GmbH aus Hamburg, unterzeichnete am 17. Februar 2017 einen Vertrag mit der Aurubis AG über die Nutzung von industrieller Abwärme zur Versorgung der Hafencity Ost. Die industrielle Abwärme aus dem Hamburger Aurubis-Werk wird für die energieeffiziente Fernwärmeversorgung der östlichen Hafencity genutzt. Es handelt sich um Wärme, die während der Umwandlung von Schwefeldioxid – ein Nebenprodukt, das bei der Kupferschmelze anfällt – zu Schwefelsäure entsteht. Diese industrielle Abwärme ist nahezu frei von CO2 und allein in der Hafencity Ost werden im Endausbau (Ziel: 2029) rund 4500 t CO2 pro Jahr eingespart.

Branchenübergreifendes Handeln

Die Gründungsmitglieder des Bundesverbandes Wärmerecycling e.V. setzen sich aus den unterschiedlichsten Branchen und Institutionen zusammen. „Wenn wir das große Potenzial des Wärmerecyclings nutzen, kann das wesentlich zum Erreichen der Klimaschutzziele beitragen. Das wird nur gelingen, wenn alle Akteure am gleichen Strang ziehen. Wir begrüßen deshalb, dass die unterschiedlichen Netzwerkpartner ihr Wissen und ihre Erfahrungen jetzt in einem Verband zusammentragen und bündeln“,  so Lothar Nolte, Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen. Darin sind sich alle Gründungsmitglieder einig.

Gründungsmitglieder in alphabetischer Reihenfolge:

Energiedienst AG, Jörg Bleile
Hochschule Osnabrück, Prof. Dr. Tim Wawer
HTP Ingenieur GmbH & Co. KG, Johannes Bott
innotec Industrievertretung, Theo Caffier
Jaske & Wolf Verfahrenstechnik GmbH, Dr. Peter Wolf
KEAN/Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen GmbH, Lothar Nolte
LEO Lokale – Energie – Optimierungen, Prof. Dr. Matthias Reckzügel
MdL Axel Miesner
Stadtwerke Hannover AG/enercity, Matthias Wohlfahrt
Stadtwerke Osnabrück AG, Jürgen August
Steinbeis Transferzentrum, Uwe Fritsch
Viessmann Deutschland GmbH, Thomas Krause

Bild: Bundesverband Wärmerecycling