Erneuerbare Energie, Bauen, Haustechnik
energieportal24 Startseite Aktuelle News Förderkonditionen 2013 energieffiziente Gebäudesanierung Grundlagenwissen nach Thema Veranstaltungen: Messen, Seminare, Kongresstermine Tools, Onlinerechner und Newsletter Marktplatz Diskussionsforum B2B Branchenmarktplatz forum
Erdwärme, Wärmepumpe, Erdkollektoren, Wasserwärmepumpen, Bohrungen, Sonden
Marley
Beiträge: 1
Registriert: 31.08.2018 11:11
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 0 Mal
Kontotyp: Verbraucher
Erfahrung: 4-8 Jahre
Interessensgebiet: Wärmepumpen
Land: Deutschland

Beitragvon Marley » 31.08.2018 11:50 Uhr

Vor 5 Jahren habe ich meine Ölheizung aus- und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe der Fa. Carnotherm einbauen lassen. Es handelte sich lt. Aussage der Fa. um eine patentierte Wärmepumpe speziell für Altbauten (mein Haus ist Bj. 1976). Der Anschaffungspreis der WP betrug € 25.000,00. Es wurde seitens der Firma ein Jahrestromverbrauch von ca. € 900,00 zugesagt ... leider nicht schriftlich, was ich bitter büßen sollte. Sofort nach dem Einbau im Monat Oktober mit milden Außentemperaturen betrug der tägl. Stromverbrauch zwischen 80 und 120 kWh. Ich habe sofort reklamiert und dann begann der Wahnsinn. Die Firma schob nach zwei mißglückten Nachbesserungsversuchen die Schuld auf meine Solarthermieanlage und meinen wassergeführten Kaminofen. Mein Einfamilienhaus hat 160 m², ist ungedämmt und mit Radiatoren ausgestattet. Allein die letzten beiden Umstände führen nach einem Urteil des OLG Rostock v. 01.11.2016 – 4 U 37/15 dazu, dass die Wärmepumpe von vornherein als mangelhaft einzustufen ist, da eine Wärmepumpe mit Radiatoren nicht energiesparend funktionieren kann. Leider war mein Anwalt nicht sonderlich gut und ich habe dieses Grundsatzurteil erst im Frühjahr 18 von einem Heizungsbauer, dem ich leid tat, zugespielt bekommen. Da war das Gerichtsverfahren, das ich gegen die Firma angestrengt hatte, nach 5 Jahren und unter Verschleiß von 2 Gutachtern vor dem OLG Nürnberg bereits zu meinen Gunsten beendet. Die Stromkosten in diesen 5 Jahren Betriebszeit haben insgesamt um die € 35.000,00 betragen. Da es sich in dem Grundsatzurteil um einen ähnlichen Fall, wie den meinen handelte, und ich bereits mitbekommen habe, dass es mehr Leute gibt, die massive Kostenprobleme mit WPs in nicht gedämmten Häusern haben, empfehle ich Betroffenen, sich auf das Grundsatzurteil zu beziehen (OLG Rostock v. 01.11.2016 – 4 U 37/15; BGH, Beschluss v. 02.08.2017 – VII ZR 297/16 (Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen) BGB §§ 133, 157, 346 Abs. 1, 2, §§ 633, 638 Abs. 3)

energieprojekt
EXPERTE
Aktivität:sehr hoch
Benutzeravatar
Beiträge: 1405
Registriert: 23.04.2014 10:17
Wohnort: Westerwald
Lob gegeben: 6 Mal
Lob erhalten: 175 Mal
Kontotyp: Dienstleister
Erfahrung: > 13 Jahre
Interessensgebiet: Sanitär-/ Heizungs-/ Klimatechnik
Land: Deutschland

Beitragvon energieprojekt » 31.08.2018 13:52 Uhr

Hallo Marley, Probleme wie du sie momentan hast kenne ich nur zur Genüge. Allein in diesem Jahr habe ich 4 Kunden mit zu Teil noch größeren Problemen gehabt.
In den letzen Jahren noch etliche mehr.
Wobei es egal ist ob es sich um einen Altbau/ Sanierung handelt oder Neubauten im EFH umd MFH-Bereich.
Gründe sind immer die gleichen:
-keine Grundlagenforschung
-keine verlässliche Planung
-dem Märchenonkel alles glauben
-gesunden Menschenverstand ausschalten.........

In deinem Fall wäre es eigentlich relativ einfach, du kanntest deinen Ölverbrauch und damit deine benötigte Energiemenge (zum Verständnis 1L Heizöl~ 10 KWh), du wusstest mit welchen Vorlauftemperaturen du durch den Winter und durchs Jahr kommst
Also hättest du die Zugrunde legen können und dann schauen welchen COP die "Super-Altbau-Spezial-Murks-Wärmepumpe bei der benötigten Vorlauftemperatur hat......
Den brauchst dann nur durch den Strompreis zu teilen und hast eine ungefähre Ahnung dessen was dir blüht.
Noch einfacher wäre es gewesen du hättest mal gut 1000€ in die Hand genommen und einen TGA-Planer mit der Auslegung des Heizsystems beauftragt. Da wären dann auch Themen wie hydraulischer Abgleich, Pumpen- und AD-Gefäßauslegung mit erledigt worden und man hätte dir gesagt was du ggf an Fördermitteln bekommst.......
Ich denke jetzt hast du an Anwaltskosten, Systemtechnik und Energiekosten deutlich mehr ausgegeben, dir ein halbes Magengeschwür angeärgert und immer noch eine beschi...... Heizung.
Aber in der heutigen Zeit (Geiz ist Geil) sind Planungen wie GESBB und ich zb machen ja unnötig und wir sind die bösen.......
Ich sage meinen Kunden immer "macht ruhig den die Menschheit ist schlau, die einen vorher, die anderen halt erst hinterher......"
Ich hoffe das es bei dir ein gutes Ende findet
Gruß Udo von www.energieprojekt.biz
Wir haben die Welt von unseren Kindern geliehen und nicht von unseren Eltern geerbt. So sollten wir auch damit umgehen !
GESBB
Aktivität: hoch
Beiträge: 307
Bilder: 0
Registriert: 16.05.2010 16:48
Lob gegeben: 16 Mal
Lob erhalten: 11 Mal
Erfahrung: > 13 Jahre
Interessensgebiet: Sanitär-/ Heizungs-/ Klimatechnik
Land: Deutschland

Beitragvon GESBB » 01.09.2018 17:58 Uhr

Hallo,
Ihr Beitrag ist sehr bemerkenswert und nicht nur für Sanierungswillige interessant, sondern auch für zukünftige Bauherren.
Marley hat geschrieben:….Es handelte sich lt. Aussage der Fa. um eine patentierte Wärmepumpe speziell für Altbauten (mein Haus ist Bj. 1976)

Worin besteht dieser Patenthauptanspruch? Mit derartigen Verkaufsargumenten werden viele ahnungslose Besitzer von Bestandsimmobilen umworbene und von Verkäufern „über den Tisch gezogen“!
Marley hat geschrieben:Der Anschaffungspreis der WP betrug € 25.000,00

Ohne nachvollziehbare Begründung außerordentlich sehr heftig! Heizlast des Gebäudes?
Marley hat geschrieben:Es wurde seitens der Firma ein Jahrestromverbrauch von ca. € 900,00 zugesagt ... leider nicht schriftlich, was ich bitter büßen sollte

Korrekt, dafür müssen Sie als Lehrgeld zukünftig und dauerhaft zahlen. Eine sicherlich schmerzliche Erfahrung.
Auf Verbrauchskostenfestlegung kann sich vertraglich allerdings keine Firma einlassen, wohl aber bezüglich der Energieeffizienz der Anlage insgesamt (Anlagenaufwandszahl)!
Marley hat geschrieben:Die Firma schob nach zwei mißglückten Nachbesserungsversuchen die Schuld auf meine Solarthermieanlage und meinen wassergeführten Kaminofen.

Mehrere Wärmeerzeuger unterschiedlicher Genese verschlechtern stets das wirtschaftliche Gesamtergebnis!
Marley hat geschrieben:Mein Einfamilienhaus hat 160 m², ist ungedämmt und mit Radiatoren ausgestattet. Allein die letzten beiden Umstände führen nach einem Urteil des OLG Rostock v. 01.11.2016 – 4 U 37/15 dazu, dass die Wärmepumpe von vornherein als mangelhaft einzustufen ist, da eine Wärmepumpe mit Radiatoren nicht energiesparend funktionieren kann.

Das ist eingeschränkt individueller Randbedingungen völlig korrekt. Niedertemperaturige WE, wie WP, können nicht mit Wärmepumpen unfreundlichen Randbedingungen (hochtemperaturige WE) harmonisieren. Das ist physikalisch unmöglich.
Marley hat geschrieben:Leider war mein Anwalt nicht sonderlich gut und ich habe dieses Grundsatzurteil erst im Frühjahr 18 von einem Heizungsbauer, dem ich leid tat, zugespielt bekommen.

Anwälte verhalten sich hier nicht völlig anders wie die angemahnten Verkäufer;-) Hauptsache die kostenpflichtige Unterschrift für ein Mandat;-)
Marley hat geschrieben:Da war das Gerichtsverfahren, das ich gegen die Firma angestrengt hatte, nach 5 Jahren und unter Verschleiß von 2 Gutachtern vor dem OLG Nürnberg bereits zu meinen Gunsten beendet.
Hier hatten Sie außerordentliches Glück und sicherlich den hierfür notwendigen finanziellen Backround.
Die meisten von mir als Gutachter/SV begleiteten Verfahren endeten in einem Vergleich, weil den Bauherren die finanziellen Möglichkeiten ausgegangen sind, was GU/GÜ/BT und beschlipste Verkäufer vorab sicherlich wissen und damit spekulieren;-)
Marley hat geschrieben:…, sich auf das Grundsatzurteil zu beziehen (OLG Rostock v. 01.11.2016 – 4 U 37/15; BGH, Beschluss v. 02.08.2017 – VII ZR 297/16 (Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen) BGB §§ 133, 157, 346 Abs. 1, 2, §§ 633, 638 Abs. 3)

Dieses Urteil ist mir als SV natürlich bekannt und sehr wichtig, deckt meist abweichende, spezifische Randbedingungen jedoch nicht ab.
Tipp:
Vertraue nie dem provisionsabhängigen Verkäufer/Installateur einer Anlage, sondern eher dem verkaufsunabhängigen Berater mit nachgewiesener Fachausbildung.
Ratschläge von anonymen Ratgebern in div. Foren sollte man durchaus ignorieren, da von diesen keinerlei wirtschaftliche Haftung übernommen wird, daher deren Meinungen
wirtschaftlich eigentlich wertlos.

Um wirtschaftlich zu sein, müssen Anlagen für Heizung und WW-Bereitung fachgerecht dimensioniert werden!
Evtl. nachträglich eingefügte Werbung stammt nicht von mir!

Zurück zu Geothermie & Wärmepumpen



Seit 2001 online, über 35.000 Beiträge
a n z e i g e n
 

  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag



Sie lesen gerade die Forendiskussion: Immense Stromkosten mit Carnotherm Wärmepumpe