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Beitragvon e18 » 29.02.2012 13:02 Uhr

Hallo,

wir haben gerade unseren Altbau (BJ 1920), 240m2 mit einer modernen Gastherme von Brötje (Ecotherm Plus) sowie Fussbodenheizung im bewohnten Soutterain (40m2) ausgestattet.

Jetzt frage ich mich, ob es Sinn macht, diese Anlage mit einer Wärmepumpe zu ergänzen - damit könnte man ja zumindestens die Fussbodenheizung mit ihrer geringen VL-Temperatur betreiben. Im angrenzenden Vorgarten (ca. 20m2) könnte man wohl 2 Wärmekörbe versenken.

Aber rechnet sich das überhaupt für die 40m2 FBH? Oder ist das pseudo-ökologische Spinnerei?

Mich würde Eure Expertenmeinung dazu interessieren

Thomas Heufers
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Beitragvon Thomas Heufers » 29.02.2012 20:25 Uhr

Es macht keinen Sinn!

- finanziell zu hoher Aufwand
- sehr geringer bzw. keine Ersparnis
- die zusätzliche bivalente Technik erhöht die Störanfälligkeit

Gruß

Thomas Heufers

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Beitragvon e18 » 01.03.2012 14:23 Uhr

Danke für die Antwort.

Als technologiebegeisterter Ingenieur tendiert man leicht dazu, pragmatische Aspekte wie z.B. die genannte Störanfälligkeit auzublenden. Auch sind m.E. die genannten Ersparniswerte meist theoretische Höchstwerte, die nur bei optimalen Bedingungen erreicht werden.

Vielen Dank also nochmal für die Einschätzung.

P.S.: Trotzdem schade, ein Spielzeug weniger ;-)
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Beitragvon ManfredK » 02.03.2012 07:24 Uhr

Ein Haus aus 1929 gehört zunächst energetisch saniert! Gut, die neue Gasheizung ist installiert. Wichtiger ist m.E. die Rundherum-Isolierung des Gebäudes. Wenn dies bestens ausgeführt ist, kann man über eine Luft/Wasser-WP nachdenken.

Ich bin so in unserem Haus (Bj. 1980, 280 qm) vorgegangen. In dieser Heizperiode habe ich bis zum 1.3.2012 für ca. 150 qm beheizter Wohnfläche mit einer 5,4 KW Luft/Wasser-Wp und einem alten Öler 4.077 kwh Strom und 352 l Öl verbraucht. Warmwasser für 2-3 Erwachsene wird mit einer separaten Brauchwasser-WP erzeugt, ca. 2 bis 2,5 kwh pro Tag mit Nachtstrom.

Gruß
Manfred
Thomas Heufers
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Beitragvon Thomas Heufers » 02.03.2012 08:15 Uhr

ManfredK hat geschrieben:... 5,4 KW Luft/Wasser-Wp und einem alten Öler 4.077 ... separaten Brauchwasser-WP ...
Hast Du dir das mal durchgerechnet, ob diese trivalente wärmetechnische Lösung sich wirklich bezahlt macht?

Bei den genannten Rahmenbedingungen (Dämmung der Gebäudehülle) hätte ich einen kleinen, modulierenden Öl-Brennwert-Kessel bzw. eine Holzheizung (Pellet- o. Holzscheitkessel) in Kombination mit einer Solaranlage empfohlen.


Modulation bei Öl-Brennwertheizung: Brennwertkessel können über Brenner und Pumpen die Leistung an die notwendige Wärmelast anpassen. Bei Übergangswetterlagen wenn ausschließlich Warmwasser angefordert wird, kann ein solches System die Heizlast anpassen. Vorteil ist eine optimale brennerschonende und brennstoffreduzierende Betriebsweise. Daraus ergeben sich eine niedrige Taktung der Brennerstarts und lange Taktzyklen, geringe Oxidation und saubere, rückstandsarme Verbrennung.

Bei besseren Rahmenbedingungen (Heizlast ~ unter 40W/m² beheizter Wohnfläche) und Fußbodenheizung im gesamten Gebäude hätte ich eine Wärmepumpe evtl. mit Kaskadierung empfohlen.

Gruß

Thomas Heufers

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Beitragvon 2810 » 04.09.2012 13:19 Uhr

Bei älteren Häusern falls sie noch länger bewohnt werden macht investieren in Energiesparen meist Sinn da auch der Wert eines Hauses steigt.
Jedoch ist eine professionelle Herangehensweise nötig. Forum Antworten inkl. meiner helfen da kaum weiter.

1. Falls möglich eine (kostenlose/günstige) Energieberatung einholen.
Meist bieten groß Energieversorger solch eine Dienstleistung kostengünstig an.
2. Dieser erstellt dann ein „Erstgutachten“. (Stellen sie Hausbaupläne und Typenblätter der Fenster, Türen, Böden und der Heizungsanlage falls vorhanden zur Verfügung.
(Es sollte eine Thermographie und eine einfache Nachrechnung aufgrund ihrer Hausausstattung/Materialien erfolgen). Damit haben sie die Energiekennzahl ihres Hauses mal eingegrenzt.
Falls sich eine Energiekennzahl 100KWh/m2 und Jahr oder auch ein KfW-Wert von >100 ergibt ist Handlungsbedarf gegeben.
3. Gehen Sie zu einem Fachmann und lassen sie sich einen professionellen Energieausweiß erstellen. Dieser berücksichtigt auch die Lage / Beschattung / Ausrichtung ihres Hauses und einiges mehr.
4. Nun können Sie mal einfache Maßnahmen auf ihre Auswirkung und Kosten (Amortisierung) hin überprüfen.

Beispiel (Milchmädchenrechnung!):
Ersatz einer alten Gastherme und Isolierung der Kellerdecke und auch die Isolierung des Dachbodens (einfach und günstig wäre es den Dach-Boden mit ca. 30-40cm Dämmaterial zu isolieren, die Therme zu erneuern inkl. Isolierung der Heizungsrohre und gegebenenfalls auch Ersatz der Heizkörper. Danach sollten sie den Ersatz alter Fenster in Betracht ziehen.
Die Isolierung der Aussenhülle ist die teuerste Massnahme und bringt oft kaum mehr
als 15% - 20% Einsparung. Aber wie gesagt alles Nachrechnen lassen.
Kosten neue Gastherme inkl. Dämmung (ohne Außenfassade): ~7.500Euro
Preis für Ersatz von 10 neuen Passivhaus taugliche Standardfenster: ~ 8.000 Euro
Jetzt stellt sich die Frage wann amortisieren sie sich diese Kosten von 15.500 Euro.
Annahme:
Ihr altes (trockenes) Haus 160m2 hat einen Heizenergiebedarf von 150 kWh/m2 und Jahr.
Gaspreis 0,08Euro/KWh
Somit: 150x0,08 x 160=1.920 Euro Kosten für Gas jährlich.
Falls sich ihre Energiebedarf angenommen auf dann 90kWh/m2 a verringert ergibt dies eine Ersparnis von: 90x0,08 x 160=1.152 Euro Kosten für Gas jährlich.
Einsparung somit 1.920-1.152=768 Euro jährlich. Ergibt bei einer 20-jährigen Laufzeit Einsparungen von 15.360Euro in 20 Jahren.
Somit hat sich ein Nullsummenspiel nach 20 Jahren ergeben.

Nach 20 Jahren werden sie aber auch die Therme wieder erneuern müssen.
Kosten jetzt ohne Fenster und Dämmung für die Therme: 4.500Euro.
Gaspreis angenommen in 20 Jahren: 0,23 Euro / kWh.
(Eine Effiziensteigerung aufgrund der neuen Therme zu heutigen Anlagen wird nicht erwartet.)

Sie können davon ausgehen das eine Gastherme in 20 Jahren keine Alternative mehr sein wird.

Aktuelles Beispiel neu zu errichtendes Haus:
Entscheidung des Bauherrn ob er eine Gastherme (Brennwertgerät) installieren soll oder auf eine Luftwärmepumpe inkl. einer Raumlüftung mit Wärmerückgewinnung setzen soll.
Das Haus hat Passivhaustaugliche Fenster & Türen
Gaspreis liegt bei 0,08 Euro/KWh. Der Energieausweiß weist einen Wärmeenergiebedarf von 70KWh/m2 a (a=pro Jahr) aus. Bei einer zu beheizenden Wohnfläche von 182m2 ergibt das einen zu erwartenden jährlichen Energiebedarf von 12.740 kWh/Jahr.
Heizkosten (ohne Warmwasserbereitung) somit von 70 x 182 x 0,08=1.020 Euro/Jahr

Zusätzliche Investitionskosten für ein ökologische sinnvolles Heizsystem:
+ 16.500 Euro Aufpreis Luftwärmepumpe zur Gastherme
+ 10.500 Euro für die Bodenheizung
+ 15.500 Euro für Isolierung Außenfassade (16cm) und Isolierung des Dach-Bodens (40cm)
+ 7.500 Euro für einen Sonnenkollektor (4,50m2) für die Warmwasserbereitung
+ 14.500 Euro kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung
64.500 Euro an zusätzlichen Kosten für eine Einsparung von 40 KWh/m2 a
(Nach der Nachrüstung soll das Haus auf einen Energiebedarf von 30kWh/m2 a kommen.)

Energiekosten Luftwärmepumpe:
bei einem Energiepreis von jetzt nur mehr 0,05 Euro/KWh und einem Energiebedarf von 7.360kWh/m2 a. (a=anno = pro Jahr) ergeben sich Kosten von 368 Euro/Jahr,
plus einer Ersparnis von (7.360x0,03=221) 221 Euro/Jahr
Energiekosten für 20 jährigen Betrieb: 7.360 Euro

Energiekosten Gasheizung ohne zusätzliche Energiesparmaßnahmen:
Bei einem Gaspreis von 0,08 Euro (12.740 x 0,08=1.020 Euro/Jahr )
Energiekosten für 20 jährigen Betrieb: 20.400 Euro

Es bleibt eine Ersparnis von 20.400 (Gas)-7.360(LWP)=13.040 Euro an Heizkosten.
Dem gegenüber stehen die zusätzlichen Investitionskosten von 64.500 Euro.
Der Saldo beträgt 64.500 – 13.040=51.460 Euro.

Diese 51.460 Euro eingerechnet in die 20-jährige Betriebszeit der Luftwärmepumpe ergeben sich Energiekosten von: 51.460+7.360 = 58.820 Euro für einen 20 jährigen Betrieb
der Luftwärmepumpe!

Erst bei einem durchschnittlichen Gaspreis von >0,23 Euro/kW/h in den nächsten 20 Jahren amortisiert sich die Luftwärmepumpe nach dieser Zeit.

Gegenüberstellung:
Energiekosten für 20 jährigen Gasbetrieb (0,23 Euro/kWh): 58.604 Euro
Energiekosten für 20 jährigen Luftwärmepumpebetrieb: 58.820 Euro

Sie sehen es lohnt sich genau hinzusehen und sich zu informieren!
Darüber hinaus gibt es auch noch viele andere Alternativen (Infrarotheizung…) die man hinterfragen und „Nachrechnen“ kann.
Danach kann man seine Investitionsentscheidung treffen!

Links:
http://www.focus.de/immobilien/energies ... 18917.html
http://www.wohnnet.at/heiztechnik.htm
http://www.effizienzhaus-foerderung.inf ... bauniveau/
http://www.klima-innovativ.de/pages/kosten.html


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