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Jache
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Beitragvon Jache » 07.07.2011 09:32 Uhr

Hallo zusammen,

ich bräuchte mal eure Hilfe. Wir haben heute unseren Energieausweis bekommen. Dazu habe ich einige Fragen.

Es wird ja dort der Endenergiebedarf ausgegeben, welcher mir eigentlich am besten sagt was ich später wirklich an Kosten zu tragen habe.

dann gibt es noch den Primärenergiebedarf, welcher den Wert angibt mit allen benötigen Energien um meine eigentliche Energie zu produzieren. Ebenfalls ist dieser Wert entscheidend für die Einordnung ob wir ein KfW40, KfW55 oder KfW70 Haus nach ENEV bekommen.

Bitte verzeiht mir wenn ich das in "meiner Sprache" schreibe. ich hoffe ihr versteht was ich meine.


1. Beim Passivhaus wird jedoch nicht der Primärenergiebedarf zur Einordnung genommen, sondern der Endenergiebedarf, oder? Dieser muss unter 15 kWh/(m2 a) liegen. Wobei der Primärenergiebedarf bis zu 120 kWh/(m2 a) sein darf.


2. Heißt das, dass ein Passivhaus vom Primärenergiebedarf wesentlich schlechter sein darf als ein KfW40, KfW55 oder KfW70 Haus nach ENEV sein darf?


3. Mir ist klar das der Energieausweis nach der ENEV berechnet wird und ein Passivhaus nach PHPP, aber trotzdem muss ich ja später bei der Stadt den Energieausweis gemäß den §§16 ff. der Energiesparverordnung (EnEV) abgeben, obwohl man theoretisch ein Passivhaus baut, welches nach PHPP berechnet wird. Jedoch kann doch, wenn ich alles richtig verstanden habe, der Energieausweis nach ENEV für ein Passivhaus wesentlich schlechter sein, als der Energieauseis nach ENEV für ein KfW70 haus, zumindest was den Primärenergiebedarf angeht.
Oder sehe ich da was falsch?


4. Wir sollen laut ENEV ein KfW70 Haus haben. Anbei mal unsere ganzen Werte, welche auf unserem Energieausweis angegeben sind.

----->
Für Energiebedarfsberechnung verwendete Verfahren: Verfahren nach DIN V 4108-6 und DIN V 4701-10

Endenergiebedarf: 18,8 kWh/(m2 a)
Primärenergiebedarf qp: 48,9 kWh/(m2 a)
CO2 Emissionen: 11,9 kg/(m2 a)
Transmissionswärmeverlust Ht: 0,242 W/(m2 K)

unter der Überschrift "Endenergiebedarf" steht folgendes:
Energieträger: Strom-Mix
Heizung: 9,8 kWh/(m2 a)
Warmwasser: 6,0 kWh/(m2 a)
Hilfsgeräte: 3,0 kWh/(m2 a)

Unter Ersatzmaßnahmen ist folgendes Angekreuzt: "Die um 15% verschärften Anforderungswerte sind eingehalten"
<-----

Hieße das, dass wir eigentlich fast am Passivhaus dran sind, wegen den 18,8 kWh/(m2 a) Endenergiebedarf trotzdem, haben wir laut ENEV gerade mal ein KfW70 Haus wegen unserem hohen Primärenergiebedarf?


5. Auf dem Energieausweiß steht unter "Anforderungen gemäß ENEV" folgendes:

Primärenergiebedarf:
Ist-Wert: 48,9 kWh/(m2 a) - Anforderungswert: 73,6 kWh/(m2 a)

Energetische Qualität der Gebäudehülle Ht:
Ist-Wert: 0,24 W/(m2 K) - Anforderungswert: 0,40 W/(m2 K)

6. Haben wir nun trotz KfW70 Haus ein gutes Haus wegen dem Endenergiebedarf oder eher ein schlechtes Haus wegen dem hohen Primärenergiebedarf? Oder ein gutes oder schlechtes aus einem anderen Grund?

7. Der Energieausweiß wurde jetzt erstmal auf der Annahme eine Luft-Wasser-Wärmepumpe berechnet.
Ebenfalls könnten wir auch eine Gasbrennwert Therme nutzen mit Verbindung einer Solaranlage.
Was würdet ihr machen? Die LWWP soll ca. 6000€ mehr kosten in der Anschaffung. Bei der Gasbrennwert Therme müssten wir wiederum einen Gasanschluss legen was wir nicht wollten. Dafür wird die LWWP im Winter wesentlich mehr Strom ziehen als die oben genannten 3 KWh...

8. Die Letzte Alternative wäre, Geld in der Haustechnik zu sparen und komplett auf ein Passivhaus zu gehen. Das gesparte Geld in die Hülle stecken um auf einen HT Wert von unter 0,15 zu kommen. Dann keine Heizung einzubauen, sondern über die Zuluft zu heizen. Das prüft aber unser Haustechniker mittels PHPP momentan, ob wir es überhaupt schaffen ein Passivhaus zu bauen. Falls, ja. Wäre das auch noch eine Möglichkeit. Weniger Geld in die Haustechnik und das gesparte Geld in die Gebäudehülle.


Würde mich über eure Meinung freuen.
Noch zur Info. Im Haus ist eine KWL installiert mit WRG (89%).


Ich würde mich freuen, wenn ihr mir etwas Klarheit verschaffen könntet.

Dankeschön im Voraus

roro
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Beitragvon roro » 07.07.2011 10:14 Uhr

ad 1+2+3.)
Dieser muss unter 15 kWh/(m2 a) liegen. Wobei der Primärenergiebedarf bis zu 120 kWh/(m2 a) sein darf.
.
Heißt das, dass ein Passivhaus vom Primärenergiebedarf wesentlich schlechter sein darf als ein KfW40, KfW55 oder KfW70 Haus nach ENEV sein darf?


Nur so eine Heizung gibt es IMHO nicht. Der schlechteste Umrechnungsfaktor ist bei Strom mit 2,6.

ad 4.) KfW70 nach welchen EnEV. KfW70 nach EnEV 2007 ist etwas anderes als nach EnEV2009. Bei EnEV 2009 hat ein KfW70 Haus einen Primärenergiebedraf < 50 kWh/(qm a)

ad 5.) Welche Frage hast Du dazu?

ad 6.) Du hast ein KfW70 Haus.

ad 7.) Wenn die Rahmendingungen passen (Auslegung, VL-Temperatur, kein Blödsinn wie Mischer und Puffer, ..) dann nimm die LWP. Was meinst Du mit den 3 kWh...

ad 8.) Die beste Heizung ist die, die man nicht benötigt (BTW: Unbedingt eine Heizlastberechnung durchführen). Daher wäre es schon zu überlegen, ob man bei einem Neubau in Richtung Passivhaus geht. Wobei es aber ein richtig geplantes und nicht ein schön gerechnetes sein sollte.
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Beitragvon Jache » 07.07.2011 17:17 Uhr

Ich meinte mit den 3KWh, den Wert, der im Energieausweis unter Hilfsgeräte angegeben ist. Dieser ist natürlich im Winter bei bis zu -20 Grad höher, da dann die LWWP mehr Strom zieht.
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Beitragvon roro » 07.07.2011 19:16 Uhr

Hilfsgeräte: 3,0 kWh/(m2 a)


Das hat wenig mit LWP zu tun, sondern damit sind die Hilfsgeräte (Pumpe, Steuerung, Lüftung, ...) gemeint. Du kannst damit auch nicht Deinen Maximalverbrauch bestimmen, sondern das ist bestenfalls ein gemittelter Wert.

Dein Jahresverbrauch (wobei dieser Wert sehr ungenau ist)

9,8 kWh/(qm a) (Heizung)+ 6 kWh/(qm a) (Warmwasser)+ 3 kWh/(qm a) (sonstiges) = 18,8 kWh /(qm a)
Das mal Deiner im EnEV-Nachweis berechneten qm-Zahl (Ist nicht Deine Wohnfläche).

Ich habe z.B. einen Wert von 16,5 kWh/(qm a)
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Beitragvon Jache » 07.07.2011 21:17 Uhr

Hallo,

was könnten wir tun um zumindest in den KfW55 Standard zu kommen...
Thomas Heufers
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Beitragvon Thomas Heufers » 08.07.2011 07:04 Uhr

Jache hat geschrieben:was könnten wir tun um zumindest in den KfW55 Standard zu kommen...
Wenn bisher keine kontrollierte Wohnungslüftungsanlage berücksichtigt ist, dann kann mit der Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung der Wärmeverlust der Lüftung reduziert werden. Das wirkt sich wesentlich auf die Berechnung aus, kostet aber je nach Umfang (KWL mit Wärmetauscher, WRG > 85 %) überschlägig zwischen 6.000 - 8.000 € für ein mittelgroßes Wohnhaus mit 150 m².

Bezüglich der Berechnung des Wärmeschutznachweises auf Basis der EnEV und der Berechnung nach der aktuellen Passivhaus-Projektierung (PHPP):
Die PHPP ist realistischer und berücksichtigt wesentlich mehr Faktoren (Verschattungverlauf, detaillierter Wärmebrückenkatalog etc.). Ein PHPP-zertifiertes Objekt ist kompromisslos energiesparend.
Das könnte beim KfW Effizienzhaus aufgrund der starken Bewertung der Primärenergiefaktoren anders ausfallen. Bei den KfW-Programmen kann mit einer dünnen Wandschale (schlechter gedämmt, nicht optimaler Transmissionswert) und mit einem primärenergetisch günstigen Heizsystem wie Holzpellets, Biomasse etc. und einer dann geschönten Anlagenaufwandszahl die Effizienzhaus-Kriterien erreichen. Ein solches Objekt ist dann nicht konsequent energiesparend gebaut.

Wer technisch versiert ist und die entsprechenden Daten vorliegen hat, kann in vereinfachter Form die Daten für das Bauobjekt in die Excel-Tabelle PHVP 2002 eingeben und

Passivhaus Vorprojektierung (PHVP 2002) - stark vereinfachte Version des Passivhaus Projektierungs Paket
http://www.ecotec-energiesparhaus.de/fi ... ndbuch.ZIP

Gruß

Thomas Heufers


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Beitragvon Jache » 08.07.2011 08:12 Uhr

Hallo,

Danke für die Antwort.

Eine KWL mit WRG (89%) haben wir im Haus.

Unser Haustechniker rechnet jetzt nochmal durch wie es mit einer Gasbrennwerttherme aussehen würde. Ob wir damit besser fahren würden.

Ebenfalls möchte er sich die Mühe machen alles nochmal nach PHPP zu berechnen. Er meinte nur das das noch etwas dauern wird.

Wir sind gespannt. Er meinte aber das wir es wahrscheinlich nicht schaffen ein zertifiziertes Passivhaus zu bekommen. Da wir den Ht Wert von momentan 0,24 nicht auf 0,15 bekommen. Noch dazu haben wir zwar Holz Alu Fenster mit einem U Wert von 0,8, diese sind aber nicht zertifiziert.

Ich habe mittlerweile verstanden, dass die ENeV nicht sehr realitätsnah ist, aber ein KfW55 Haus hätten wir schon gerne :D
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Beitragvon Thomas Heufers » 08.07.2011 08:38 Uhr

Ist Dein Haustechniker mit der PHPP-Berechnung vertraut?
Üblicherweise liegt der Schwerpunkt beim SHK-Techniker bei der Wärme- und Lüftungstechnik, es sind aber ebenso sämtliche Details der Gebäudehülle (Wärmebrücken, Transmissionswärmeverluste, Verschattungsverlauf etc.) zu erfassen.

Die Fenster müssen für ein Passivhaus nicht Passivhaus-zertifiziert sein. Gilt der U-Wert für das gesamte Fenster (Uw-Wert) oder nur für das Glas (Ug-Wert)?

Mein Tipp! Achte darauf, dass Du die Haustechnik relativ einfach aufbaust. Wenn eine Solarthermie vermeidbar ist, dann lass diese weg. Mit einer modulierenden Luft-/Wasser-Wärmepumpe kannst Du optimal den Wärmebedarf abdecken. Berücksichtige einen optimal ausgelegten Pufferspeicher um die Taktung zu reduzieren und die möglichen Abschaltzeiten zu überbrücken.

Gruß

Thomas Heufers

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Beitragvon roro » 08.07.2011 13:11 Uhr

Eine KWL mit WRG (89%) haben wir im Haus.


Das glaube ich schon einmal nicht.

Selbst beste KWL mit Enthalpietauscher kommen fast nicht über 80%. Mit "normalen" KWL ist max. eine Wärmerückgewinnung von 50% möglich.
Um welche KWL handelt es sich?
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Beitragvon Thomas Heufers » 08.07.2011 14:45 Uhr

roro hat geschrieben:Mit "normalen" KWL ist max. eine Wärmerückgewinnung von 50% möglich.
Zum Thema Wärmerückgewinnung (WRG) folgender Beitrag von Paul Lüftung.

Passivhaus‐Zertifikate für Wohnungslüftungsgeräte mit
Wärmerückgewinnung
http://ecotec-energiesparhaus.de/filead ... gsgrad.pdf

Gruß

Thomas Heufers


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