Erneuerbare Energie, Bauen, Haustechnik
energieportal24 Startseite Aktuelle News Tools, Onlinerechner und Newsletter Diskussionsforum forum
NE-Häuser, Passivhäuser, Energiesparhäuser, Wärmedämmung, Lehmbau,...
mauer
Aktivität: neu
Beiträge: 6
Registriert: 10.06.2010 10:36
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 0 Mal

Beitragvon mauer » 10.06.2010 11:15 Uhr

Hallo zusammen,

ich plane gerade den Neubau eines KfW70 EFH und bin richtig am verzweifeln was die Heizungstechnik betrifft. Jeder Bauträger empfielt mir etwas anderes und am Ende ist man dadurch auch nicht gerade schlauer.

Zuerst einmal zu den Hausdaten:
- Einfamilienwohnhaus mit Keller. Wohnfläche 115 m² + 35 m² Bürofläche in KG
- Liapor-Leichtbetonwände mit Thermomantel, 20 cm, WLG 035 (U-Wert 0,17 W/m² K)
- Dreischeibenverglasung in den Wohngeschossen und im Büro (U-Wert 0,7 W/m² K)
- Dachsolaranlage (Südausrichtung), ca 5 m² Kollektorfläche zur Brauchwasserunterstützung, Solarspeicher 300 Liter

Ursprünglich wollte ich lediglich einen wassergeführten Kaminofen einbauen. Doch der Bauträger hat mir davon abgeraten einen Kaminofen als alleiniges Heizungssystem zu verwenden. Dieser sollte nur als Zusatzoption verwendet werden.

Um den KfW70 Standard einzuhalten, stehen mir laut Bauträger die folgenden Heizungsoptionen zur Verfügung:
- Wärmepumpe Luft/Wasser mit Pufferspeicher und Elektroheizstab zur Unterstützung
- Pelletsheizung mit Pelletstank als Gewebesilo

Zusatzoptionen:
- wassergeführter Kaminofen zur Heizungsunterstützung für 5.500 Euro
- Zentrale, kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für 9.500 Euro

Eine Wärmepumpe Erd/Wasser wäre natürlich auch eine Möglichkeit, da es sich aber um ein Hanggrundstück handelt könnte die Bohrung kompliziert und dadurch wahrscheinlich auch teuer sein.

Die Kosten werden langsam ziemlich hoch. Fast 10.000 Euro für die Be- und Entlüftung, welche mir dringend angeraten wurde. Ist die wirklich notwendig bzw. wie läßt sie sich vermeiden?

Welche Heizungstechnik könnt und würdet Ihr mir für mein Haus empfehlen?

Ist eine Pelletsheizung noch zeitgemäß? Die Technik an sich gefällt mir sehr gut. Ich mache mir nur Sorgen bezüglich der Pelletspreisentwicklung.

Vielen Dank und schöne Grüße
Marco

bernhard geyer
EXPERTE
Aktivität:sehr hoch
Beiträge: 1482
Registriert: 22.06.2006 23:57
Lob gegeben: 1 Mal
Lob erhalten: 19 Mal

Beitragvon bernhard geyer » 10.06.2010 13:38 Uhr

mauer hat geschrieben:Um den KfW70 Standard einzuhalten, stehen mir laut Bauträger die folgenden Heizungsoptionen zur Verfügung:
- Wärmepumpe Luft/Wasser mit Pufferspeicher und Elektroheizstab zur Unterstützung
- Pelletsheizung mit Pelletstank als Gewebesilo


Für Luft-WP eine Auslegung der WP ohne Heizstab durchführen lassen. Ebenfalls Solar raunehmen und stattdesen kontrollierte Belüftung.

Bei Pellets kannst du Solar drin lassen da es im Gegensatz zu Luft-WP einiges an Kostenersparnis bringt. Sinnvoll aber dann mehr qm und Heizungsunterstützung.
klausamsee
Aktivität: hoch
Beiträge: 184
Registriert: 23.03.2006 18:47
Wohnort: Bodensee
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 0 Mal

Beitragvon klausamsee » 10.06.2010 13:45 Uhr

Meine persönliche Meinung als Neu-Eigenheim-Besitzer, der sich selbst schlau gemacht hat:
KFW 70 ist nicht so dolle. Wer neu baut, sollte eine bessere Wärmedämmung erreichen.
Ich selbst habe eine Sole-Wasser-Wärmepumpe. Trotz Hanggrundstück war die Erdwärmebohrung (bei mir großzügig dimensionierte 1x190m) problemlos. Ich habe noch einen Flachkollektor mit 200m Rohr im Garten verbuddelt, der brachte bei weitem nicht die geplante Entzugsleistung und ist momentan schon mit der Kühlung der Zuluft (KWL) überfordert. Will damit sagen, das ein Flachkollektor extrem von den Bodenverhältnissen abhängig ist. Auf Luft-Wärmepumpen stehe ich wegen der Schallemission nicht so, aber das ist meine persönliche Meinung.
Die meisten Wärmepumpen werden überdimensioniert und laufen deswegen nicht effektiv. Eine ordentliche Heizlastberechnung ist absolut notwendig, bevor die Heizung ausgesucht wird.
Eine Solaranlage, insbesondere wenn sie nur Brauchwasser erwärmt, ist gut fürs Gewissen und um den Primärenergiebedarf schönzurechnen, macht aber finanziell keinen Sinn. Wenn, dann nur heizungsunterstützend, und auch dann mit großem Fragezeichen, wenn die Anlage nicht gefördert wird und die Wärmepumpe ohnehin effizient läuft.
Auf ein KWL würde ich nicht mehr verzichten wollen, allerdings finde ich 10k€ für das System ziemlich übertrieben.
Den Kaminofen würde ich nicht in das Heizsystem einbeziehen, weil der Aufwand (zusätzliche Kreisläufe, Steuerung, Sicherheitsbaugruppen) recht hoch ist. Das KWL wird zudem dafür sorgen, daß sich die Wärme im Haus verteilt.
So viel von einem Bauherrn. Nun dürfen sich die richtigen Fachleute austoben.

Klaus
Thomas Heufers
EXPERTE
Aktivität:sehr hoch
Benutzeravatar
Beiträge: 2226
Registriert: 21.07.2006 14:22
Wohnort: Detmold/Nordrhein-Westfalen
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 25 Mal
Kontotyp: Dienstleister
Erfahrung: 8-12 Jahre
Interessensgebiet: Energiesparendes Bauen
Land: Deutschland

Beitragvon Thomas Heufers » 10.06.2010 13:55 Uhr

mauer hat geschrieben:Ursprünglich wollte ich lediglich einen wassergeführten Kaminofen einbauen. Doch der Bauträger hat mir davon abgeraten einen Kaminofen als alleiniges Heizungssystem zu verwenden. Dieser sollte nur als Zusatzoption verwendet werden.
Dein Bauträger hat Dich in diesem Punkt richtig beraten. An mindesten 150 Tagen im Jahr muss man sich dann um die Feuerstelle kümmern. Will man das? Kann man das? Wohl kaum!
mauer hat geschrieben:Um den KfW70 Standard einzuhalten, stehen mir laut Bauträger die folgenden Heizungsoptionen zur Verfügung:
- Wärmepumpe Luft/Wasser mit Pufferspeicher und Elektroheizstab zur Unterstützung
Das ist unter den angegebenen Vorausetzungen eine gute Lösung. Auf jeden Fall sollte so eine System immer mit einer Fußbodenheizung geplant werden.
mauer hat geschrieben:- Pelletsheizung mit Pelletstank als Gewebesilo
Auch eine gute Alternative. Man sollte sich aber preislich hierbei nicht so weit hinauslehnen. Hierbei kann man auch konventionelle Heizkörper einplanen, Kostenersparnis zwischen 2.500 - 3.500 € inkl. Mwst..
mauer hat geschrieben:- wassergeführter Kaminofen zur Heizungsunterstützung für 5.500 Euro
Bei guter Qualität muss man so viel Geld ausgeben.
mauer hat geschrieben:- Zentrale, kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für 9.500 Euro
Um die 5.500 - 7.000 € inkl. Mwst. ist marktüblich.
mauer hat geschrieben:Eine Wärmepumpe Erd/Wasser wäre natürlich auch eine Möglichkeit, da es sich aber um ein Hanggrundstück handelt könnte die Bohrung kompliziert und dadurch wahrscheinlich auch teuer sein.
Wenn der Holzofen mit Wasserschleife ultimativ angedacht ist, dann macht eine Wärmepumpe mit Erdsonde weniger Sinn.
mauer hat geschrieben:Welche Heizungstechnik könnt und würdet Ihr mir für mein Haus empfehlen?
Wo setzt Du Deine Prioritäten an? Unabhängig von Öl, Gas und Pellet!
Niedriger Primärenergiefaktor!
mauer hat geschrieben:Ist eine Pelletsheizung noch zeitgemäß? Die Technik an sich gefällt mir sehr gut. Ich mache mir nur Sorgen bezüglich der Pelletspreisentwicklung.
Die Preisentwicklung gilt für alle Energieträger, Strom ist davon nicht ausgenommen.

Gruß

Thomas Heufers

KfW Effizienzhaus | Passiv- & Plusenergiehaus
Bauausführung | Projektierung | Energieberatung
05231-569596 + 0177-1648721
http://ecotec-energiesparhaus.de/
http://ecotec-energiespartechnik.de/
http://energiesparprojekte.info/
mauer
Aktivität: neu
Beiträge: 6
Registriert: 10.06.2010 10:36
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 0 Mal

Beitragvon mauer » 10.06.2010 15:25 Uhr

Hallo,

vielen Dank für die vielen Antworten. Hätte nicht gedacht das so schnell jemand auf meinen Beitrag antwortet :-)

Ich kann mehr oder weniger Preisgleich zwischen der Luft/Wasser WP inkl. Fussbodenheizung oder Pelletsheizung mit normalen Heizkörpern entscheiden.

Generell wäre ich schon gerne von Öl/Gas/Pellets unabhängig. Ich habe nur Sorgen ob eine Luft/Wasser WP das Haus und Brauchwasser auch im harten bayerischen Winter warmhalten kann?

Macht eurer Meinung nach eine Solaranlage überhaupt Sinn? Es wurde ja angesprochen das diese eventl. nicht effektiv genug ist.

Der Bauträger lässt in Sachen KWL nicht mit sich verhandeln. Der Preis ist und bleibt bei 9.450,-- Euro. Die Anlage ist von der Firma "pluggit".

KWL - Ja/Nein - was meinen die Experten?

Gruss
Marco
mauer
Aktivität: neu
Beiträge: 6
Registriert: 10.06.2010 10:36
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 0 Mal

Beitragvon mauer » 10.06.2010 17:16 Uhr

Noch eine Anmerkung: eine dezentrale Be- und Entlüftung könnte ich für knapp 6.000 Euro haben.


Thomas Heufers
EXPERTE
Aktivität:sehr hoch
Benutzeravatar
Beiträge: 2226
Registriert: 21.07.2006 14:22
Wohnort: Detmold/Nordrhein-Westfalen
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 25 Mal
Kontotyp: Dienstleister
Erfahrung: 8-12 Jahre
Interessensgebiet: Energiesparendes Bauen
Land: Deutschland

Beitragvon Thomas Heufers » 10.06.2010 18:37 Uhr

mauer hat geschrieben:Noch eine Anmerkung: eine dezentrale Be- und Entlüftung könnte ich für knapp 6.000 Euro haben.
Zu teuer!

Gruß

Thomas Heufers

KfW Effizienzhaus | Passiv- & Plusenergiehaus
Bauausführung | Projektierung | Energieberatung
05231-569596 + 0177-1648721
http://ecotec-energiesparhaus.de/
http://ecotec-energiespartechnik.de/
http://energiesparprojekte.info/
mauer
Aktivität: neu
Beiträge: 6
Registriert: 10.06.2010 10:36
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 0 Mal

Beitragvon mauer » 10.06.2010 19:04 Uhr

Wieviel dürfte die maximal Kosten?
Thomas Heufers
EXPERTE
Aktivität:sehr hoch
Benutzeravatar
Beiträge: 2226
Registriert: 21.07.2006 14:22
Wohnort: Detmold/Nordrhein-Westfalen
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 25 Mal
Kontotyp: Dienstleister
Erfahrung: 8-12 Jahre
Interessensgebiet: Energiesparendes Bauen
Land: Deutschland

Beitragvon Thomas Heufers » 10.06.2010 20:46 Uhr

Da der komplette Verrohrungsaufwand (Material und Montage) wegfällt und nur Außenwanddurchbrüche in den einzelnen Räumen anfallen, grob geschätzt zwischen 2.500 - 3.000 € inkl. Mwst.. Der Wärmerückgewinnungsgrad liegt bei dezentralen Lüftungsanlagen bei unter 50 %. Je höher die Wärmerückgewinnung, desto niedriger ist der Energieverbrauch. Zentrale Wohnraumlüftungen können eine Wärmerückgewinnungsgrad von über 85 % realisieren. Dezentrale Systeme sind in lärmreicher Umgebung (Straßen-, Schienenverkehr etc.) nicht empfehlenswert, da über die Zuluftdurchlässe der Schall ins Haus geführt wird.

Gruß

Thomas Heufers

KfW Effizienzhaus | Passiv- & Plusenergiehaus
Bauausführung | Projektierung | Energieberatung
05231-569596 + 0177-1648721
http://ecotec-energiesparhaus.de/
http://ecotec-energiespartechnik.de/
http://energiesparprojekte.info/
roro
EXPERTE
Aktivität:sehr hoch
Beiträge: 1008
Registriert: 29.11.2006 12:38
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 7 Mal

Beitragvon roro » 11.06.2010 06:17 Uhr

Zentrale Wohnraumlüftungen können eine Wärmerückgewinnungsgrad von über 85 % realisieren.


Da kenne ich nicht viele, die das nur annähernd schaffen.
Ohne einen Enthalpietauscher ist das eigentlich gar nicht möglich, da ca 50% der Energie im abgeführten Wasserdampf liegen. Normale gute Gegenstrom-Wärmetauscher schaffen ca. 50% an Energierückgewinnung. Wenn man den elektrischen Aufwand noch dazu rechnet, geht der energetische Vorteil gegen null.
Mein Haus hat einen Lüftungswärmeverlust von ca. 5000 kWh/a bei einer Rückgewinnung von 50% sind das 2500 kWh an Energie pro Jahr. Dafür braucht meine WP ca. 800 kWh an Strom. Viel weniger verbrauch eine kontrollierte Wohnraumbelüftung pro Jahr aber auch nicht.

Der Komfortgewinn ist aber nicht zu unterschätzen.

Nächste

Zurück zu Bauen, energiesparendes Bauen



Seit 2001 online, über 35.000 Beiträge
a n z e i g e n
 

  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag
  • KFW70 Haus
    von oakgast » 21.06.2010 08:02
    2 Antworten
    25156 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Thomas Heufers Neuester Beitrag
    21.06.2010 18:31
  • altes haus keine Heizung
    von Marek » 17.10.2006 15:33
    3 Antworten
    11907 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Eric Heiligenstein Neuester Beitrag
    15.01.2007 17:03
  • KFW70 Nebentür welcher U-Wert
    von tounreal » 09.06.2015 07:36
    3 Antworten
    5722 Zugriffe
    Letzter Beitrag von energieprojekt Neuester Beitrag
    11.08.2015 10:11
  • Haus ist Haus ?!
    von Gast » 31.01.2011 16:58
    0 Antworten
    1276 Zugriffe
    Letzter Beitrag von Gast Neuester Beitrag
    01.01.1970 01:00
  • Selbstversorgendes Haus?
    von Gast » 14.03.2006 18:32
    4 Antworten
    13426 Zugriffe
    Letzter Beitrag von kraftlos Neuester Beitrag
    12.10.2006 10:23



Sie lesen gerade die Forendiskussion: Heizung für KfW70 Haus