So fundiert und exakt wie der Hausexperte hätte ich als Laie die Aspekte der HT-WT nicht formulieren können; danke.
Immerhin weiß ich von meinem Hersteller, daß meine (modulierende) Anlage u.a. mit Economizer arbeitet und damit für höhere Temperaturen gut gerüstet ist. Die Verwendung von R410A erlaubt in dieser Maschine Heißgastemperatuen bis zu 110 °C (Herstellerangabe); in der Praxis werden ca. 80 - 90 °C erreicht. Die Grenztemepratur des Öls liegt bei etwa 145 °C; ist also beruhigend weit weg.
Mit dem Heißgas wird das Wasser auf eine Temperatur von ca. 55 °C erhitzt, bei Tiefkälte sogar etwas höher. Es ist vom HB per hydraulischem Abgleich strikt darauf zu achten, daß der Rücklauf zum WP-Wärmetauscher nicht über 35 °C warm ist, also eine Spreizung von wenigstens 25 K vorherrscht. Das erfordert z.B. neben den Thermostaten noch Durchflußbegrenzer an jedem Heizkörper; bei Altbauten durchaus kein Normalzustand. Mein Einrohrsystem war hier nur deshalb beherrschbar, weil ich
einstellbare Bypassventile an jedem HK habe.
Ein weiterer Punkt von HT-WPn wurde noch nicht angesprochen: die notwendige
hohe Spreizung; ganz im Gegensatz zur
niedrigen Spreizung bei FBH-WPn. Wenn nämlich schon hohe Eingangs-Temperaturen notwendig sind (was einen Prinzipnachteil für jede WP darstellt), verhilft nach einer schweizer Studie eine möglichst
hohe Spreizung zwischen VL und RL wenigstens noch zu einem
geminderten Effizienzverlust gegenüber Niedrigtemperatur-WPn. So ist etwa eine WP mit 55/30 °C genauso effizient wie eine mit 45/40 °C, weil die "Mitteltemperatur" (hier 42,5 °C) bei beiden gleich bleibt. Dies gilt allerdings nur dann, wenn die eigentliche Kältemaschine an diese Arbeitstemperaturen angepaßt ist.
Ich kann daher nur unterstreichen, daß auch eine HT-WP nur wegen dieser Eigenschaft nicht gleich ineffizient sein muß. Dies gilt speziell dann, wenn man eine Hightech-HT-Anlage mit einer unmodulierten 08/15-Standard-Niedertemperatur-WP vergleicht, deren Hersteller längst noch nicht alle Möglichkeiten seiner Technik ausgeschöpft hat. Solche relativ einfachen Anlagen waren bis vor ganz kurzer Zeit aber der gängige Standard bei deutschen WP-Herstellern, daher auch der Wahlspruch: "die beste WP stammt vom Kältebauer bzw. Klimaanlagen-Hersteller". WPn sind nun mal Kälteanlagen und keine normalen Heizungen, und z.B. einen Mikrowellenherd würde man ja auch nicht beim Ofensetzer kaufen, nur weil er heizt, oder?
Zur Dämmung: das
nachträgliche Dämmen des Altbau-Hauses
nur zu Energiesparzwecken ist m.E. leider in vielen Fällen unwirtschaftlich. Das gilt umso mehr, je günstiger die sog. Heiz-kWh ausfällt, sprich, je effizienter die Heizung ist.
Mein Energieberater hat mir z.B. vorgerechnet, daß bei meinem Haus eine bestimmte, genau vorgegebene Kombination aus Fassadendämmung, Kellerdecken- und Dachdämmung sowie der Ersatz der Fenster insgesamt im Mittel ca. 45 % Heizkosteneinsparung bringen würde (@Thomas Heufers: die Materialien und Dicken spielen dabei selbstverständlich eine Rolle bei Kosten wie bei Einsparung, nur wird sich die
Grundtendenz dadurch nicht verändern).
Ich habe jetzt ganz einfach die Kosten dieser Maßnahmen per Angebotseinholung ermittelt (ca. 34.500 €) und dann die erwartete Heizkosteneinsparung gegengerechnet (jährlich derzeit knapp 600 €) . Das Ergebnis gibt eine "Amortisationszeit" von gut 57 Jahren, die kaum mehr so genannt werden kann.
Zugegeben: das Mißverhältnis ist bei mir besonders kraß, weil die bereits vor der Dämmung gekaufte WP die Heiz-kWh gegenüber dem Öler bereits verbilligt hat.
Warum ich dennoch jetzt die Fassade, den Dachboden und den Keller gedämmt habe, und wohl auch die Fenster noch drankommen werden? Die obigen Verhältnisse beziehen sich auf eine Dämmung, die ausschließlich aus Energiespar-Gesichtspunkten erfolgt. Besser wird das Mißverhältnis dann, wenn -wie bei mir- Fassadenarbeiten sowie Arbeiten am Dachboden aus Substanzerhaltungsgründen erforderlich werden. Dann ist es nämlich nur fair, die Kosten, die eine gleichwertige Renovierung ohne gleichzeitige Dämmung gekostet hätte, von den Vergleichskosten abzuziehen. So kostete die Fassadendämmung z.B. ca. 20.000 €; ein (sowieso nötiger) neuer Verputz inkl. Einblechung und Dachstreichen hätte aber auch schon ca. 12.000 € gekostet. Der Dachboden sollte voll benutzbar werden (trittfester, glatter Boden statt Beton ohne Estrich; z.B. Laminat auf Dämmstoff). Die Fenster sind leider Folgekosten der fassadendämmung, da die alten jetzt verstärkt schwitzen. Das war mir zwar bekannt, nur hatte ich das Ausmaß unterschätzt.
Daher mein Fazit beim Altbau: Dämmen nicht um jeden Preis, sondern nur in Verbindung mit Renovierungen, die auch ohne Dämmung nötig geworden wären. Das bringt die Amortisation der Dämmmaßnahmen wenigstens rechnerisch in einen Bereich, den man mit der eigenen Lebenserwartung noch auszunutzen hofft.