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amron
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Beitragvon amron » 27.02.2009 20:08 Uhr

Guten Abend zusammen!
Ich brauche mal wieder den Rat einiger Experten. Wir befinden uns gerade im Rohbau eines Hauses, dessen Werte nicht gerade umwerfend sind (74). Bitte jetzt nicht auf besseren Dämmmöglichkeiten rumreiten, das ist momentan nicht möglich.
Als Heizung ist eine Luftwärmepumpe geplant, die modulierend arbeitet, auf den Pufferspeicher soll verzichtet werden, der Wasserspeicher beträgt 380 l für einen 5 - Personen - Haushalt. Meine Frage: funktioniert so etwas, kann man auf den Pufferspeicher verzichten, muss ich dann den "normalen", teueren Strom beziehen oder ggf. auf den Wärmepumpentarif umsteigen - was macht die Pumpe in Sperrzeiten?
Bin dankbar für jede Erfahrung.
Norma

Thomas Heufers
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Beitragvon Thomas Heufers » 27.02.2009 20:51 Uhr

Genau da spielt die modulierende Wärmepumpe Ihre Vorteile aus, sie kann abhängig zur momentanen Heizlast mit abgesenkter oder höherer Drehzahl fahren, was bei richtiger Auslegung die Taktung senkt und einen Pufferspeicher erübrigt.

Grundsätzlich gilt aber auch bei Dir, lass Dir die Heizlast für Dein Gebäude berechnen und stell Dir danach die Frage, ob die Luft-/Wasser-Wärmepumpe die geeignete Wärmequelle ist.
Bei 74 kWh/m² und Jahr muss das Gebäudevolumen recht klein sein, dass eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe energetisch noch Sinn macht.

Feldtest zu Wärmepumpen der lokalen Agenda-Gruppe 21 Umwelt/Energie Lahr/BW
http://energie-effizientes-haus.de/Daten/WP-Bericht-2006-07.pdf

Vermutlich wirst Du bei Deinem zu erwartenden, relativ hohem Verbrauch nicht um einen Wärmepumpentarif herumkommen, dann wird EVENTUELL bei Lastspitzen Deine Wärmepumpe abgeschaltet. Das sollte aber in der Regel (KfW 40/Effizienzhaus 55 und besser) kein Problem sein, da das träge Speichermedium - Fußbodenheizung - nicht so schnell auskühlt. Bei schlecht gedämmten Gebäuden ist der Auskühleffekt natürlich stärker.

Gruß

Thomas Heufers

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Beitragvon amron » 27.02.2009 21:37 Uhr

Hallo Thomas,
wir hatten schon vor einiger Zeit das Vergnügen. Dass eine LWP für unser Haus nicht die ideale Lösung sein würde, ist uns klar, aber wir brauchen Platz und haben dieses Haus deshalb so gebaut (2 Ebenen, je 115 qm, davon 210 als Wohnraum ausgebaut). Die U-Werte müssen für Dich katastophal klingen, für uns sind sie ganz okay, da wir momentan in einem leicht schlechter gedämmten Haus wohnen und da recht komfortabel leben, was die Wärme anbelangt. Ist die Heizlast der jährliche Gesamtwärmebedarf? Wenn ja, dann liegt der bei 19500 kWh/a. Was kostet mich denn dann die WP, wenn ich keinen Wärmepumpentarif wähle?
Gruß Norma
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Beitragvon roro » 28.02.2009 07:32 Uhr

Ich kann mich Thomas nur anschließen. Eine Kennzhal von 74 har in einem Neubau nichts mehr verloren.

Welche Heizlast wurde berechnet?
Wie sieht es mit der VL aus?
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Beitragvon Thomas Heufers » 28.02.2009 09:10 Uhr

amron hat geschrieben:Was kostet mich denn dann die WP, wenn ich keinen Wärmepumpentarif wähle?
Hallo Norma,

gehen wir mal von ~19.500 kWh pro Jahr, setzen wir mal eine realistische Jahresarbeitszahl von 2,5 (JAZ) an, was bei dem Gebäudeenergiestandard durchaus realistisch sein dürfte.

Die Berechnung sieht folgendermaßen aus:
Jahresenergiebedarf 19.500 kWh geteilt durch die Jahresarbeitszahl von 2,5 (JAZ), ergibt dies einen Endenergiebedarf von 7.800 kWh.

Wenn wir eine Verbauchssimulation darstellen, setzen wir vorsorglich einen Wert von 0,2 Euro (20 Cent) je kWh an. Das ergibt bei bei dem angenommen Verbrauch von 7.800 kWh multipliziert mit 0,2 Euro einen Jahresenergiekosten von 1.560 Euro, das entspricht monatlich 130 Euro.
Ich vermute, dass die Gastherme sogar günstiger sein wird.

Die Heizlast ist die notwendige Heizleistung, die zur Verfügung stehen muss, um die Raumtemperatur bei sämtlichen angenommenen Witterungsverhältnissen zu halten. Sie wird angegeben in Watt bzw. Kilowatt. Grundlage für die Berechnung der Heizlast ist u.a. die DIN EN 12831. Im Vorfeld sollte sich jeder Bauherr eine SERIÖSE Berechnung der Heizlast erstellen lassen.

Gruß

Thomas Heufers

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Beitragvon amron » 28.02.2009 21:23 Uhr

Hallo Thomas,
danke für die Berechnung. Auf ähnliche Zahlen bin ich auch gekommen. Das soll uns der Spaß aber Wert sein, denn ich habe größere Probleme, mich weiterhin der bestehenden Gaspolitik auszuliefern. Auch denke ich, dass unsere Kinder bald gar kein Gas mehr kennen werden, wenn wir (die Mehrheit) so weitermacht und Gas als eine "saubere" Heizmethode bezeichnet. Energetisch wird sich das auch nicht rechnen, aber wir haben gut mit InVenter bestückt, alle Schlafräume sowie den Hauptwohnraum. Ich weiß leider nicht, wie die Heizlast berechnet wurde, aber die Vorlauftemperatur ist 35°C. Klappt denn bei so einem "schlecht" gedämmten Haus der Versuch, mittels einer modulierenden WP (3-9) den Pufferspeicher wegzulassen? Die Bodenplatte hat einen U-Wert von 0,380W/m2K. Ist laut Heizungsbauer völlig ausreichend. Wie hoch ist der Wärmeverlust während der Sperrzeiten zu erwarten? (2mal 1,5 Stunden).
Gruß
Norma

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Beitragvon GMil » 28.02.2009 21:57 Uhr

Hallo Norma,

die Frage des Pufferspeichers hängt weniger vom WP- als vom Heizungstyp ab: wer viel oder gar nur Radiatoren hat (wie ich z.B.), der braucht einen Pufferspeicher. Wer dagegen viel oder nur FBH hat, benötigt i.d.R. keinen. Hat man eine Mod-WP (= Inverter), wird der Unterschied nur noch krasser.

Warum ist das so? Eine Constant-speed-WP erzeugt außer bei Tiefkälte immer mehr Wärme, als das Haus aktuell benötigt. Für die Mod-WP gilt das zwar abgeschwächt, aber auch sie moduliert nur im Bereich von maximal etwa 30-150 %. Schon die 30 % können und werden in der Übergangszeit zuviel Wärme sein; die WP taktet also ebenfalls, wenn auch viel später / weniger als ihre Konstantlauf-Kollegin.

Das Takten an sich ist also unvermeidlich und auch nicht schädlich, solange die Taktzyklen nicht zu kurz werden. Hier kommt der Puffer ins Spiel: je größer er ist, desto mehr Wärme-Energie nimmt er auf, bevor er sich um eine bestimmte Temperatur erwärmt. Bei der FBH ist der Estrich dieser Puffer, und er ist absolut ausreichend, wenn dafür gesorgt ist, daß immer genügend Heizkreise offen sind (wichtig!). Radiatoren dagegen sind als Puffer untauglich; hier ist ein getrennter Pufferspeicher nahezu immer vorzuziehen.

Die Sperrzeiten beim WP-Tarif haben übrigens auch kaum Einfluß auf den Puffer: selbst große Pufferspeicher stellen die Heizwärme für kaum mehr als 20 - 30 Minuten zur Verfügung, und das ist für die Sperrzeiten fast immer zu kurz! Hier muß dann das ganze Haus als Wärmespeicher herhalten. Das ist aber kein Problem, denn selbst schlecht isolierte Hütten wie meine halten selbst bei Tiefkälte die Raumwärme soweit konstant, daß in 2 Std. Sperrzeit nur etwa 1/2 K Absenkung erreicht werden.

Verabschieden muß man sich so gut wie in allen Fällen aber von der Vorstellung, man könne einen Raum oder gar das ganze Haus während der Sperrzeit wärmer bekommen, als er /es vorher war: dabei hilft der Puffer wenig und die FBH gar nicht, da hilft nur, zu warten, bis die Sperrzeit zu Ende ist.
Gruß

Gerhard
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Beitragvon amron » 28.02.2009 22:58 Uhr

Mensch Gerhard,
jetzt bin ich aber rundum informiert. Herzlichen Dank für diese super ausführliche und leicht verständliche Beantwortung meiner Fragen. Dann wird es doch nicht so schlimm sein, auf den Pufferspeicher zu verzichten, wie es mir vier von fünf Heizungsbauer empfohlen haben. Auch beruhigt es mich sehr, dass auch andere Menschen als Besitzer von so supergedämmten Häusern (hätte ich schon auch gern, wenn es mein Geldbeutel zulassen würde), es wagen, mit WP zu heizen. Ursprünglich wollten wir auf den Puffer nur deshalb verzichten, weil wir keine Sperrzeiten geplant hatten, da wir mit Ökostrom heizen wollten. Davon sind wir nun doch aufgrund der zu hohen Belastung abgekommen. Wir werden über eine Photovoltaikanlage unsere Umweltsünde billanzieren.

Kann mir denn noch jemand Erfahrungswerte über die Vissmann Vitocal 300A geben? Sie soll eine COP Wert von 3,8 haben. Klingt zu gut, oder?
Grüße
Norma

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