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Heizungstechnik (allgemein), Installationstechnik, kombinierte Heizsysteme, Heizung im Neubau, Klimatechnik, Umstieg auf neue Heizungsanlage (Heizungssanierung)
schamo15
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Beitragvon schamo15 » 15.02.2009 21:13 Uhr

Hallo,

stehe kurz vor dem Neubau. Das Heizen soll eine Luft/Wärmepumpe übernehmen in Verbindung mit FBH.
Im WZ soll noch ein Kaminofen seinen Einsatz finden. Jetzt überlege ich, ob noch so eine Lüftung mit WRG wirklich sinn macht, oder ob sie doch nur purer Luxus ist. Mit dem Lüften haben wir im jetzigen Haus keine Probleme. Die Luft ist eher zu trocken (35% r.LF) wegen des Kaminofens.
Energiespartechnisch ist sie wohl auch nicht der Knaller, weil sie selbst einiges an Energie braucht. Also rechen wird sich so eine Anlage eh erst in 25 bis 30 Jahren.
Nun dennoch die Frage, sollte man heute ca 8000,-€ investieren oder lieber von Hand zu Fuß lüften?

Oswald
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Beitragvon Oswald » 16.02.2009 01:00 Uhr

hallo...


Also wenn es sich um ein Standard-EnEV-Haus handelt, würde ich mir das überlegen, aber ab einem NEH würde ich das ernsthaft in Erwägung ziehen, da die Energieverluste im Jahr durch manuelle Lüftung ohne WRG schnell fast so hoch sind wie die reine Heizleistung fürs ganze Haus.

Wenn man dann mit WRG auch nur 50% zurück gewinnt, ist das bei einem Haus mit 10000kWh/a schon eine ganze Menge.
Bei einer L/W-WP wären dass dann geschätzte gesparte 1000 kWh Endenergie nach Abzug des Bedarfs für die WRG.

Das sind gut und gerne 200,-€/a, bei gleichbleibenden Energiepreisen.
Das heisst, das Ganze rechnet sich im Falle von 8000,-€ vermutlich nicht wirklich.

8000,-€ finde ich allerdings etwas viel für eine Lüftungsanlage.
Das müsste schon ein High-End-Ding mit zentraler Versorgung und bester Technik (Kreuz-Gegenstrom-Tauscher mit eigener WP).

Es geht auch mit dezentraler Lösung mit WRG und Einspeisung der Abwärme ins Brauchwasser.

Fazit: Je besser das Haus gedämmt ist, umso höher fällt der Anteil der Energieverluste durch Lüftung aus und umso interessanter wird es diese Energie zu nutzen.

Aus hygienischer Sicht spricht auch alles für eine kontrollierte Belüftung (zumindest bei dezentralen Anlagen)
Bauphysikalisch ist eine Lüftung zwingend notwendig!
Ob man die erforderliche Sorgfalt manuell erreicht kann man sich nur selbst beantworten.

Den enormen Gewinn an WOhnkomfort hat mir bisher jeder, der eine hat mehr als bestätigt.

Grüsse
Oswald
Thomas Heufers
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Beitragvon Thomas Heufers » 16.02.2009 08:20 Uhr

Kontrollierte Wohnraumlüftung wirklich sinnvoll oder Luxus?
Ja, wobei ein kontrollierte Wohnungslüftungsanlage mit einem guten Wärmerückgewinnungsgrad die Lösung ist, dezentrale Wohnungslüftungsanlagen wegen höherer Lüftungsverluste eher nicht.

Ein Lüftungsanlage in einem Einfamilienhaus (~ 150 m²Wfl.) verbraucht zwischen 0,5 - 1 kWh pro Tag an Strom für die kontrollierte Be- und Entlüftung. Der energetische Aufwand für das Lüften ist nur ein Bruchteil der effektiven Einsparungen. Manuelles Lüften hingegen ist mit hohen Energieverlust verbunden, falsches Lüftungsverhalten lässt sich nicht ausschließen. Gerade bei längerer Abwesenheit, ob Urlaub oder im Tagesverlauf (Arbeit etc.) ist eine automatische kontrollierte Luftwechseltechnik für die aufmerksamkeitsfreie Be-und Entlüftung die beste Lösung. Beispielsweise werden nach dem Duschen Dämpfe aus dem Bad unmittelbar abgeführt, keine beschlagenen Fenster etc.. Eine zu hohe Luftfeuchte (...Schimmelgefahr) ist bei richtiger Anwendung praktisch auszuschließen, es fällt eher Kondensat an.

Folgende Lektüren gehen auf das Thema ein:

Moderne automatische Lüftungstechnik - Frischluft und Energiesparen
http://energie-effizientes-haus.de/Daten/Informationsbroschueren/BINE%20-%20Frischluft%2 0und%20Energiesparen.pdf

Leitfaden zur Ursachensuche und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen
http://energie-effizientes-haus.de/Daten/UBA-Leitfaden-Ursachensuche-und-Sanierung-Schim melpilzwachstum.pdf

Eine zentrale, kontrollierte Wohnungslüftungsanlage mit hoher Wärmerückgewinnung als Außenwandsystem (Material und Montage) liegt bei 150 m² Wohnfläche im Schnitt bei ~ 6.000 Euro, abhängig vom Systemanbieter und der Lüftungsplanung kann das natürlich auch mehr oder weniger kosten.

Bezüglich des Kaminofens sollte ein Bypass für die Lüftungsanlage berücksichtigt werden. In sehr gut gedämmten Häusern wird die Wärmeabgabe des Kaminofens zu Überwärmung der Raumluft führen, dann sollte die Luft nicht über den Wärmetauscher geführt werden, sondern direkt ohne Wärmerückgewinnung über den Bypass nach außen abgeleitet werden.

Gruß

Thomas Heufers

Zuletzt geändert von Thomas Heufers am 16.02.2009 19:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon schamo15 » 16.02.2009 16:59 Uhr

Hi,

zuerst mal Danke für die ausführlichen Antworten.

Bei 200m² Wohnfläche liege ich mit 8000,-€ also nicht schlecht (6000,-€ bei 150m²).
Die Lüftungsverluste (Fensterlüftung 647 m³ 0,60 h-1)sind tatsächlich lt. Energiepass mit 11590KWh/a recht hoch, fast wie der Jahresheizwärmebedarf 14954 KWh/a.

Wenn ich Euch recht verstehe, zahlt sich so eine Anlage nicht allein nur durch den Wärmegewinn, sondern auch durch das angenehme Klima und den Schutz vor Schimmelbildung aus.

Allerdings habe ich noch eine Frage wegen des Kaminofens. Normalerweise sollte bei einer zentralen Lüftungsanlage das Wohnzimmer mit Frischluft versorgt werden. Ich wollte über dem Kaminofen eine Absaugung installieren, um so die Wärme dem Wärmetauscher zuzuführen. Warum sollte ich einen Bypass berücksichtigen? Vielleicht können Sie, Herr Heufers, mir die Frage beantworten.
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Beitragvon Oswald » 16.02.2009 17:57 Uhr

also ich schreib trotzdem mal, auch wenn ich nicht explizit angesprochen wurde.

Regelt die überschüssige Wärme die Lüftungsanlage nicht selbst?
Ich meine ich stelle an der Anlage eine Raum-Grundtemperatur ein und die Anlage holt sich so viel wie möglich und so viel wie nötig aus der Abluft, um damit die Frischluft anzuwärmen.
Sollte nun durch den Kaminofen ZU VIEL Abwärme entstehen sollte sich doch die Lüftungsanlage auch trotzdem nur vorrangig eingestellte (z.B. 23°) Temperatur holen oder?
Wenn dem nicht so ist, dann ist die Regelung wohl nur als ausreichend zu erachten, finde ich.

Was anderes ist es im SOmmer, wo eine Wärmerückgewinnung eigentlich gar nicht erwünscht ist, da man ja im Haus eigentlich niedrigere Temperaturen haben will als im Freien herschen.

Also wenn ich so etwas finden würde, dann wäre es eine Lüftung mit WRG, die erst mal die Luft auf eingestelltes Niveau anwärmt und alles was noch "zu holen" ist in die Heizung einspeist.

Grüsse
Oswald
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Beitragvon RobertB » 16.02.2009 20:07 Uhr

schamo15 hat geschrieben:Normalerweise sollte bei einer zentralen Lüftungsanlage das Wohnzimmer mit Frischluft versorgt werden. Ich wollte über dem Kaminofen eine Absaugung installieren, um so die Wärme dem Wärmetauscher zuzuführen. Warum sollte ich einen Bypass berücksichtigen?


Hallo schamo15,

die Lüftungsanlagen, über die wir es hier haben, regeln nicht primär die Temperatur, sondern die zugeführte Luftmenge. Unsere Pluggit A300 tut genau das. Sie tauscht auf Leistungsstufe 2 etwa 25 % der Luft im Gebäude pro Stunde aus.

Das Klima ist in der Tat hervorragend bzgl. CO2-Gehalt, d.h. Frische. Wir lüften praktisch nicht mehr über die Fenster. Allerdings lassen wir die Anlage derzeit auf Stufe 1 (~ 15 % Austausch pro Stunde) laufen, weil die Luft sonst zu trocken wird.

Damit die Anlage die wertvolle Heizenergie nicht einfach nach außen abführt, ist der Wärmetauscher eingebaut, der von der Abluft etwa 80 % an die Zuluft abgibt. Da wir kein Heizregister in das Lüftungsgerät oder dahinter eingebaut haben, kann die Zuluft, die in unsere Räume strömt nur maximal so warm sein wie die Abluft, in der Praxis ist sie 1-3 °C kälter. Rechnerisch erspart uns die Anlage pro Jahr 1720 kWh Heizenergie, pro Tag brauchen wir die bereits genannten 1,0 kWh Strom für den Lüfter (etwa eine 60 Watt-Glühbirne).

Wenn ich eine Absaugung direkt über dem Kaminofen hätte, so würde ich den Staub, den der produziert, wenn ich die Tür öffne, direkt in die Abluftrohre gesaugt. Das wäre nicht mein Ding.

Aber auch die Wärme, die in der Luft ist, würde über das Lüftungsgerät, also über den Wärmetauscher die Zuluft für alle Räume erwärmen. Soweit die Theorie. Praktisch ist dieser Effekt aber kaum merkbar und wird nur äußerst langsam zu einer Temperaturerhöhung im Haus führen. Eher wird man angrenzende Zimmertüren öffnen, damit die Wärme des Kaminofen dort auch wirksam ist. Noch besser natürlich, wenn der Kaminofen an zentraler Stelle im Haus (z.B. im Treppenhaus) aufgestellt wird und dort die warme Luft das ganze Haus erreichen kann.

Man könnte natürlich bei einem Zuviel am Wärme auch das Lüftungsgerät so einstellen, dass es die Zuluft nicht an der Abluft erwärmt, sondern die Abluft einfach wegbläst (= sog. Bypass-Einstellung). Das käme mir bei einem Kaminofen nicht in den Sinn, da ich für den Betrieb des Ofens arbeite (Holz besorgen, trocknen, zerkleinern etc.) und Geld bezahle. Im Sommer macht es hingegen Sinn, den Vorwärmungseffekt im Wärmetauscher wegzuschalten.

Sinnvoll ist in einem gut gedämmten Haus nur, einen leistungsmäßig kleinen Kaminofen zu nehmen, der wenig Leistung in den Raum abgibt. Dazu gibt es wirklich kleine Öfen (z.B. 3 KW mit max. einem Holzscheit, z.B. von Hase). Alternative sind größere Öfen mit Wasserführung, die dann zur Verteilung der Wärme an die Heizung angeschlossen werden. Hier geht nur ein Bruchteil der Wärme (z.B. 30 % in den Raum, der Rest in den Pufferspeicher).

Wir haben uns für letzteres entschieden und können mit dem Kaminofen unser ganzes Haus heizen. Selbst in den vergangenen Frostperioden sind wir mit dem Ofen (3 KW im Raum, 7 KW ins Heizwasser) ausgekommen. Allerdings müsste er dann ganztägig brennen, was wir natürlich nicht hinbekommen. Praktisch ist es für mich längerfristig möglich, bis zu einem Drittel der benötigten Heizenergie mit dem Kaminofen zu erzeugen.

Grüße
Robert

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Beitragvon klausamsee » 17.02.2009 12:31 Uhr

Den Ofen kann man ja entsprechend berücksichtigen. Ich habe die Lüftung so ausgelegt, daß an drei Stellen insgesamt 75m³/h (bei höchster Luftstufe) Frischluft ins Wohnzimmer geblasen werden, und davon 50m³/h weiter ins Eßzimmer bis in die Küche "ziehen". Die anderen 25m³/h gehen in den Flur und verteilen sich dort weiter (z.B. ins WC). Dadurch strömt die Wärme vom Ofen weg in andere Räume.
So viel zur Theorie. Mein Ofen ist aber noch nicht gebaut, d.h. ich habe keine praktischen Erfahrungen.
Bei Ofen und KWL solltest du sehr früh Kontakt mit dem Schornsteinfeger aufnehmen, denn letztendlich bist du seinem Wohlwollen oder seiner Willkür ausgeliefert. Wenn du auch noch eine Abluft-Dunstabzugshaube hast wirds ganz kritisch. Wir haben für alle Fälle eine eigene Zuluft für den Ofen gelegt, damit wir diesen raumluftunabhängig betreiben können. Ein Leerrohr vom Ofenstandort zum Lüftungsgerät vereinfacht später ggf. mal den Anschluss eines Strömungssensors.
Nachtrag: mein Lüftungsgerät regelt die Raumtemperatur. Wenns zu warm wird, geht automatisch eine Bypassklappe auf und lenkt die Abluft um den Wärmetauscher herum.

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