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lucki.luck
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Beitragvon lucki.luck » 02.02.2009 21:37 Uhr

Hallo Zusammen,
wir haben eine Frage wie hoch der tatsächliche max. Energiebedarf eines Neubaus nach KfW60 in der Heizperiode pro Monat max. sein darf - kWh?
Grund für die Frage ist, dass wir kürzlich in unser Häuschen (Wohnfläche ca. 128m²) eingezogen sind und letzten Freitag vom Energieversorger die erste Rechnung für 2008 erhalten haben. Ermittelt wurde ein Fernwärmeverbrauch für Heizung und Warmwasseraufbereitung von 916kWh in 16 Tage ab Mitte Dezember, Zeitpunkt Übergabe durch den Bauträger. Beim Anblick der Rechnung sind wir förmlich aus den Latschen gekippt bei der Überprüfung der Zählerstände wurden keine Fehler festgestellt. Also haben wir den in unserem Haus befindlichen Wärmetauscher mittels der Rechnung beigelegten Anleitung auf dessen Einstellungen hin überprüft. Festgestellt haben wir, dass die Anlage falsch programmiert war und der Großteil der Parameter von den Grundeinstellungen abwichen. Mittels der Anleitung die uns vorher nicht vorlag, eine Einweisung in die Anlage haben wir auch nicht erhalten, haben wir die Einstellungen korrigiert, obwohl uns bei der Übergabe durch den Bauträger versichert wurde, dass die Anlage entsprechend KfW60 optimiert eingestellt wurde und wir an der Anlage selbst nichts einzustellen haben. Geändert haben wir folgende Parameter da diese nicht der Grundeinstellung entsprachen, auch haben wir diese nach Rücksprache mit einem Heizungsinstallateur wie folgt abgeändert:
1. Uhrzeit und Datum stimmte nicht
2. Anlage lief von Mo-So von 4:30-23:30 im Tagmodus => Grundeinstellung wäre gewesen Mo-Fr 6-8Uhr, 16-22Uhr; Sa/So 8-22Uhr => wir haben die Grundeinstellung hergestellt und manuell auf dauerhaften Abgesenkten-Betrieb gestellt, da dies bei den Hinweisen zum Energiesparen in der Rechnung von der Energieversorgung so genannt wurde
3. Tagmodus 22Grad Raumsolltemp. => Grundeinstellung 20Grad => korrigiert auf 20Grad
4. Vorlauftemp.Bereich wich von Grundeinstellung ab => geändert auf 30-45Grad
5. Warmwassersolltemp. 70Grad wich von Grundeinstellung ab, auf 50Grad korrigiert
6. Weitere Parameter wie Heizkurve usw. weichen ab, habe ich nicht geändert, da ich nicht weis was alle Parameter bedeuten und was die Auswirkung bei Änderung ist
So wie ich das aus dem Handbuch entnehme lief die Anlage auf Volllast, obwohl wir erst vor wenigen Wochen eingezogen sind und die Thermostate dauerhaft auf Stufe 2 eingestellt hatten. Empfehlung vom Gutachter wg. Austrocknung Bau. Unser Heizverhalten haben wir in den letzten Tagen nicht verändert, d.h. Wohnbereich am Wochenende Stufe 3, alle anderen Heizkörper auf Stufe 2, Werktags tagsüber alle auf 2, Morgens und Abends für ein paar Stunden im Wohnbereich auf 3, Nachts alle auf 1. Die Außentemp. derzeit zwischen -3 Nachts bis +6 Grad Tagsüber. Wir lesen täglich den Verbrauch ab und konnten sein Anpassung der Einstellung eine Halbierung des Verbrauchs feststellen. Dies kommt uns dennoch zu hoch vor. Woran kann dies liegen? Errechnet haben wir einen max. Verbrauch von 640kWh pro Monat bei KfW60, derzeit liegen wir aber bei etwa 800-900kWh pro Monat.
Über Tipps sind wir wirklich sehr dankbar, vorallem aber über praktische Erfahrungen was den tatsächlichen Energiebedarf bei KfW60 Häusern mit Wärmetauscher angeht.
Viele Grüße

Oswald
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Beitragvon Oswald » 02.02.2009 22:56 Uhr

hallo

Also KfW60 heisst erst mal "nur" 60% des Primärenergiebedarfs eines nach ENEV gebauten Hauses.
Da geht die Anlagenbewertung mit rein, die den Primärenergiebedarf ausmacht und "nur" indirekt der Gesamtenergiebedarf.

Wird mit Strom geheizt, dann wird der Primärenergieverbrauchsfaktor von Strom eingerechnet..... sagen wir mal 0,5 rein rechnerisch.
Mit Gas oder Öl liegt er dann bei 1 oder 1,1.
Bei Pellets liegt er dann bei fast 0. Sagen wir einfach mal 0,1, da Holz keine Primärenergie ausser bei der Herstellung der Pellets benötigt.

Ein Haus mit Stromheizung bei Faktor 0,5 muss also nur 1/0,5*60% so gut gedämmt sein wie ein ENEV-Haus => 120%

EIn Haus mit Gasheizung muss eben 1/1*60% der Dämmung erreichen wie ein ENEV Haus => 166%

EIn Haus mit Pellets dann 1/0,1*60% => 16%

Wenn das ENEV Vergleichshaus einen Jahresenergieverbrauch von 20000 kWh hat

Haus 1: darf 16667 kWh verbrauchen
Haus 2: darf nur 12000 kWh verbrauchen
Haus 3: darf 125000 kWh verbrauchen

Alles nur rein hypothetische Werte aber der Sachverhalt zeigt:
KfW heisst für den Verbrauch erst mal gar nix!

Da wird auch viel Schmu getrieben!

Die Dämmung der Gebäudehülle ist das Wichtigste. Wenn man das richtig macht ergibt sich KfW von ganz allein.

Ich glaub ENEV sagt 100 kWh je qm im Jahr.

Das heisst also 60kWh Primarenergie je qm im Jahr
Bei Deinem Haus also 7680 kWh / Jahr.
Das ist aber nur die Primärenergie!
Ich kenne die Anlagenzahl für Deine Fernwärme nicht.
Wird ein gutes Stückchen unter 1 liegen.
Bei 0,7 wären dass dann 10971 kWh Endenergie, die noch KfW60 wären
Geteilt durch 12 sinds dann 914 kWh.
Wenn man dann noch bedenkt, dass ca. 18% des Jahresenergiebedarfs im Schnitt auf einen Januar fallen dann müsste die Uhr sogar 1974 kWh anzeigen.
Also ist bei Dir alles ganz "normal"! ;-)


Da bleibt noch offen, dass ein Massivbau im ersten Jahr deutlich mehr Energie wegen der Restfeuchte aus der Bauphase zu verdunsten hat.

Grüsse
Oswald
Thomas Heufers
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Beitragvon Thomas Heufers » 03.02.2009 09:08 Uhr

Folgende Tabelle zeigt die Primärenergiefaktoren verschiedener Energieträger.

[img]http://energie-effizientes-haus.de/Daten/Primaerenergiefaktor-Energietraeger.gif[/img]
Der Primärenergiefaktor fliest in die Berechnung für ein Energiesparhaus nach KfW-Kriterien ein. Trügerisch, ein günstiger Primärenergiefaktor ist aber nicht grundsätzlich ein Indiz für eine besonders energiesparende Bauweise, sondern kann sogar zum Gegenteil führen. In diesem Punkt ist Bilanzierung nach KfW-Kriterien zu einseitig auf Primärenergiefaktoren ausgerichtet.
Geht man bei der Planung zum Beispiel von einem Primärenergiefaktor nach EnEV von 1 aus, ist die Aufgabenstellung an den Hausbauer ein energieeffzientes und sparsames Haus zu bauen hoch.
Geht man aber umgekehrt davon aus, dass der Primärenergiefaktor bei 0,3 liegt, dann ist die Aufgabenstellung leichter. Die Wände werden dünner, die Dämmung der Warmhülle wird schlechter und der Energieverbrauch geht nach oben.

Besser ist es, auch bei einem niedrigen Primärenergiefaktor eine gut gedämmte Gebäudehülle zu fordern, auch eine effiziente Flächenheizung und eine Wohnungslüftung mit WRG einzusetzen.

Gruß

Thomas Heufers

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Beitragvon lucki.luck » 06.02.2009 23:41 Uhr

Hallo,

vielen Dank für die Antworten und einleuchtende Erklärung,

Die Anlage wurde nochmal von einem Fachmann geprüft und festgestellt, dass die Pumpe auf max. stand und nicht auf Automatik betrieb. Bei der nun endlich erfolgten Einweisung wurden jedoch noch nicht alle Fragen geklärt, so z.B. ob es sich bei der Anlage um einen Gleichstrom, Gegenstrom, Kreuzstrom oder Kreuzgegenstrom Wärmetauscher handelt. Auch der Energieversorger der die Anlage aufgebaut hat, konnte mir diese Frage bisher nicht beantworten. Der Fachmann den der Energieversorger vorbeigeschickt hat dann mit seiner Speicherkarte Einstellungen vorgenommen, die er überall einrichtet. Ich habe mir die Parameter erklären lassen. Ich hab die Anlage mit den Parameter einen Tag laufen lassen und dann nach unseren Bedürfnissen abgeregelt. In den letzten 8 Tagen habe ich den Verbauch täglich gemessen und letztendlich den Verbrauch jetzt schon um die Hälfte reduziert, von ca. 1900kWh/Monat auf hochgerechnet ca. 950kWh/Monat. Wobei ich festgestellt habe, dass die Anlage ein paar Tage braucht bis diese sich einpendelt, weshalb ich davon ausgehe, dass es noch etwas weniger wird. Bei unserem Haus handelt es sich um ein Massivhaus mit 17,5cm Außenwand + 14cm Dämmung. Wir werden vom einem Blockheizkraftwerk mit Fernwärme versorgt, welches als Heizmittel Gas verwendet und 40 Einfamilienhäuser versorgt. Ich denke, dass wir mit 950kWh/Monat während der Heizperiode (max. 8 von 12 Monaten) leben können. Frieren tun wir übrigens seit der Anpassung der Einstellungen nicht, im Gegenteil lassen jetzt sogar manche Heizkörper Tag wie Nacht auf Stufe 2. Übrigens bei einem Verbrauch von 10.000kWh/Jahr hätten wir ein viertel der Wohnungen in dem 8-Parteien Mietshaus wo wir vorher gewohnt haben ein Jahr mehr als ausreichend beheizen können. In unserer Mietwohnung Maisonette (offen) ca. 90qm (Wohnfläche, Grundfläche min. 100qm) hatten wir einen Verbrauch von 5.000kWh/Jahr, ebenfalls Fernwärme/Gas, wobei es sich dabei nicht um KfW60 bauweise handelt.
Viele Grüße und Danke nochmals

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