Hallo Bini,
ich habe im letzten Jahr in NBG die "WP-Tage" besucht sowie einige andere Fachausstellungen (in Fürth, in Cadolzburg usw.) und bin dadurch mit verschiedenen WP-Anbietern (i.w. Heizungsbauer) in Kontakt gekommen. Keiner von denen konnte mich von seinem Wissen (und seiner Einsatzfreude!!) her wirklich überzeugen, denn alle haben mir sozusagen den Prospekt vorgelesen! Ein paar haben dabei wenigstens zugegeben, daß sie die Dimensionierung dadurch ermitteln, daß sie sich durch das jeweilige Herstellertool durchklicken.
Speziell bei Altbauten wie meinem geht das so: Wohnfläche mal geschätztem Energiebedarf per qm plus Aufschlag fürs Brauchwasser; ersatzweise der Ölverbrauch der Vorjahre, soweit bekannt. Damit liegt man zwar sicher nicht völlig daneben, aber es geht auf alle Fälle genauer! Da ich selbst lesen und klicken kann, fand ich das Ergebnis etwas einttäuschend

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Dann habe ich die Hersteller angemailt und mir die technischen Unterlagen und Projektierungshandbücher kommen lassen. Die waren wirklich hilfreich, bezogen auf die genaue Größenermittlung einer WP und auch für den Vergleich zwischen den Herstellern, und sie sind vor allem auch vom Halblaien ohne abgeschlossenes Physikstudium verdaubar

Gleichzeitig bat ich um Referenzadressen von Heizungsbauern. Dadurch kam ich mit einer Firma aus Burgkunstadt in Kontakt (immerhin ca. 100 km weg!!), bei deren Inhaber ich zum ersten mal den Eindruck hatte, daß er dieses Fach auch wirklich gut versteht! Immerhin sind WPn vom Wesen her Kälteaggregate und keine Heizungen, also muß die ein Heizungsbauer auch nicht wirklich intern kennen. Er ist eher zuständig für den Anbau der WP an die hauseigene Heizungsverrohrung.
Meinen späteren "Hersteller der Wahl" (Golden Energy) fand ich dann kurioserweise per Zufall in NBG, wo ich mich mit dem Erfinder himself ausführlich unterhalten konnte. Das Konzept erscheint mir ideal für Altbauten; für einen Neubau wie Deinen mit Voll-FBH-Ausstattung halte ich es wegen der bei GE zwangsweise erreichten hohen Vorlauftemperaturen allerdings für suboptimal, außerdem benötigt sie technisch bedingt einen Puffer, der bei reiner FBH eigentlich unnötig ist. Dennoch ist die GE m.E. auch da noch besser als eine getaktete Constant-speed-Anlage, wie sie die großen Hersteller immer noch anbieten.
Schau Dich einfach mal um nach WPn mit folgenden Kriterien: modulierend (= drehzahlgeregelt), Invertertechnik, bürstenloser Gleichstrom-Antrieb in NdFeB- oder SmCo-Magnettechnik, gasgekühlter Scrollverdichter mit elektronischem Expansionsventil und Abtauung per Kreislauf-Umkehr (Heißgas). Der Hersteller spielt nicht die große Rolle, aber die Pumpe sollte auch mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeiten können. Letzteres kann z. B. die Golden Energy nur dadurch, daß man das konstant ca. 50 °C warme erzeugte Wasser auf FBH-Temperaturen heruntermischt.
Hast Du so ein Ding gefunden, wirst Du feststellen, daß es einen relativ weiten Heizleistungsbereich hat, ganz im Gegensatz zu herkömmlichen WPn, die i.d.R. einen festen Heiznennwert haben oder deren 2, wenn sie mit Doppelverdichtern ausgestattet sind. Nimm 80% vom Maximalwert, und Du hast die für die WP-Auswahl relevante Leistungsangabe.
Für Deinen Neubau kann Dir der Bauträger / Architekt mit Sicherheit die notwendigen Heizbedarfswerte geben (Heizung plus Brauchwasser), wenn Du die nicht sowieso schon hast (Energiepaß!). Die "Kunst" besteht jetzt nur noch darin, nach diesen Werten die korrespondierende Anlage aus den technischen Daten des Herstellerprospekts auszuwählen, und bingo! Jetzt suchst Du Dir noch den kostengünstigsten Heizungsbauer, der bereit ist, das von Dir gewählte Gerät nach Deinen Vorgaben einzubauen. Ich hatte z.B. eine Firma, deren 2. Kunde ich in Sachen dieser WP war. Das ist so lange kein Problem, wie Du selbst weißt, was Du wie montiert haben willst, aber das hast Du vorher aus dem Installationshandbuch herauslesen können.
Da die Dimensionierung bei Dir lag, kannst Du den HB allerdings nicht nachher haftbar machen, wenn die Größe doch falsch war. Das sollte auch nicht das Ziel sein und ist überflüssig, wenn Du die WP-Leistung richtig aus den Unterlagen abgelesen hast. Weil Du eine modulierende Anlage hast, die sich in gewissen Grenzen ohne Wirkungsgradverlust (wichtig!) auf den Lastbedarf einstellt, ist diese Gefahr sowieso relativ gering. Dafür kannst Du den Preis drücken, weil der HB ja nur noch das Montagerisiko verkraften muß (undichte Stellen etc.) und natürlich die Gewährleistung für die WP im Defektfall.
Den hydraulischen Abgleich und überhaupt die Einstellung der Anlage machst Du am besten auch selbst. (Warum, das hast Du ja hier sicher schon öfter gelesen und eigentlich auch schon selbst geschrieben.....

) Du hast viel mehr Zeit als der HB, Dich an die Optimalwerte heranzutasten; somit ist zu erwarten, daß auch das Ergebnis besser wird (ein Hexenwerk isses sowieso nicht).
Ich habe z. B. rund 3 Monate gemessen und "geschraubt", bis mir das Ergebnis wirklich zusagte (allerdings inkl. einiger elektronischer Eingriffe / Erweiterungen in die Steuerung, Abänderung von Platinen etc.)! Bitte nicht erschrecken: natürlich läuft auch so alles zu 98 % richtig, aber den meisten Aufwand macht bekanntlich der Sprung von 98,5 auf 99,5 % (100 % erreicht man sowieso nicht

)!
So habe ich z. B. erst jetzt (8 Monate nach Inbetriebnahme) festgestellt, daß die Anlage im Sommer, wo sie wegen des Brauchwassers nur eine knappe Stunde pro Tag läuft, in den restlichen 23 Stunden Stand-by mehr als eine kWh für ihre internen Abläufe verbrät (Steuerelektronik, Ölwannenvorheizung etc.). Außerdem bin ich natürlich daran interessiert, daß die Anlage nur in der Niedrigtarifzeit anspringt, bevorzugt abends nach 18 Uhr, wo es noch recht warm draußen ist. Also habe ich statt der internen Schaltuhr eine externe installiert, die die gesamte Anlage nur eine bestimmte Stunde pro Tag freigibt und ihr in der übrigen Zeit die Netzspannung entzieht. Der Puffer genügt völlig, um das Brauchwasser 24 h warm zu halten. Die Elektronik stört das auch nicht, wie ich mich durch Nachfrage beim Hersteller vergewissern konnte, denn in den Sperrzeiten wird der Pumpe ja auch der Saft komplett entzogen. Daher ist die Elektronik vorsorglich so schlau, nach Stromwiederkehr erst die Ölwanne zu heizen, bevor der Verdichter anläuft. Bei Wiederaufnahme des regulären Heizbetriebs oder für "Notfälle" kann ich die Schaltuhr entweder manuell einschalten oder ganz überbrücken.