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joschi70
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Beitragvon joschi70 » 07.02.2008 09:45 Uhr

Hallo,

bei unserem KfW60-Neubau mit WW-Wärmepumpe wurde vor einigen Monaten festgelegt: wir wollen eine Vitocal 200-G mit 9,7kW Leistung einbauen (BWP mit Zwischenwärmetauscher) (Leistung mündlich vereinbart).

Gestern habe ich mit Schrecken im Keller entdeckt, dass der Installateur nur das nächstkleinere Modell mit einer Leistung von 7,7kW eingebaut hat.
Ob das ein Versehen war oder Absicht weiß ich noch nicht.

Ehe ich nun Riesenärger mit dem Bauträger anfange, möchte ich nochmal prüfen, ob nicht doch auch die 7,7kW für unser Haus ausreichen. Bitte um Hilfe dabei.

Problem: ich habe vom Bauträger trotz Aufforderung keine ordentliche Heizlastberechnung nach EN 12831 erhalten (wobei diese ja angeblich tendenziell eine zu große Dimensionierung ergibt).

Berechnet wurde mir aber für den KfW-Nachweis eine Gebäudeheizlast nach DIN V4108-6 von 8,01kW, ein Heizwärmebedarf von 37,81 kWh/(qm*a) und ein Warmwasserbedarf von 12,5 kWh / (qm*a)
Ausgehend von 8kW plus Zuschlag für Wasser, Sperrzeiten etc. haben wir damals die 9,7kW ausgesucht. (der Installateur hat das aber eher nach "Gefühl" gemacht, ich hab mich dabei auf die DIN verlassen.)

Ist die Gebäudeheizlast nach DIN V4108-6 eine sinnvolle Basis für die Dimensionierung?

Wenn ich aber heute mit Faustformeln nachrechne (aus Viessmann-Katalog), komme ich auf folgendes:
W/qm 50
qm beheizt 133
Leistungsbedarf kW 6,65
Heizwärmebedarf kWh (24h) 159,6
ohne EVU Sperrzeiten (h) 22
Heizleistung (kW) 7,25

Warmwasserzuschlag p.P (kW) 0,25
Personen 5
WW Zuschlag (kW) 1,25

Summe Heizleistung + WW 8,50 kW

Zusätzlich könnte ich notfalls die Heizung an den kältesten Tagen mit dem Kaminofen im Wohnzimmer unterstützen.
Die vorhandenen Elektro-Heizstäbe in den Wasserspeichern möchte ich definitiv nicht einsetzen müssen - zu teuer.

Könnten die 7,7kW also doch reichen? Oder waren die 9,7kW schon richtig ausgesucht?
Prinzipiell ist es ja wirtschaftlich, die WP klein zu dimensionieren, aber frieren möchte ich eben auch nicht.

Zusatzfrage: verliere ich durch den Zwischenwärmetauscher auch noch Heizleistung (dann also noch weniger als 7,7kW?), oder sinkt da "nur" der Gesamtwirkungsgrad der Anlage, aber die 7,7kW kommen schon raus?

Vielen Dank für die Hilfe,
Jo

************************
Hier noch die nackten Fakten zur Heizung:
Grundwasser-Wärmepumpe mit Zwischenwärmetauscher (wg. Wasserqualität)
Modell Viessmann Vitocal 200-G mit 7,7kW Heizleistung
Heizkreis Pufferspeicher 160 Liter
Warmwasserspeicher 400 Liter
FBH
beheizte WFl 133qm,
Nutzfl. 190qm
EVU Sperre max. 4*1 Std pro Tag
(in Überschlag-Berechnung nur 2h Sperre angenommen)

machtnix
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Beitragvon machtnix » 07.02.2008 10:13 Uhr

Es ist eigentlich ganz einfach,beauftrage einfach jemanden mit der Heizlastberechnung.
Diese ist niemals für lau.
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Beitragvon joschi70 » 07.02.2008 10:20 Uhr

Dann ist also die Heizlast nach DIN V4108-6 tatsächlich eine absolut unsinnige Basis?

Jo.
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Beitragvon machtnix » 07.02.2008 10:27 Uhr

Ja.
Eine Heizlastberechnung wird nach EN 12831 durchgeführt und kostet richtig Geld.
Diese kannst du gerne bei dem Kollegen Martin Havenith in Auftrag geben:
http://www.martin-havenith.de/
oder aber hier:
http://www.waermebedarfservice.de/
oder aber selber machen mit einigen Hilfmitteln die der Kollege Bruno Bosy auf seinen Seiten bereitgestellt hat:
http://www.bosy-online.de/
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Beitragvon fdl1409 » 07.02.2008 10:57 Uhr

Hallo Joschi,

bei 133m2 beheizter Fläche KfW60 halte ich die 7,7 kW noch für erheblich überdimensioniert. Der Bauträger hat dir hier eher einen Gefallen getan.
Die Kaufpreisdifferenz würde ich mir aber trotzdem erstatten lassen, wenn die größere WP Grundlage der Preisfindung war.
Ohne Abschaltzeiten würdest du die Hütte selbst mit 5 kW locker warm kriegen. Wir reden doch über eine Sole-WP, oder? Die Beschreibung BWP mit Zwischenkreis ist mir nicht ganz klar.

Zum Vergleich: ein Bekannter hat vorletztes Jahr seinen Altbau mit 120m2 Nettoheizfläche und 140m2 ENEV-Nutzfläche saniert und auf Sole-Wasser-WP umgestellt. Eingebaut wurde eine Viessmann Vitocal 300 mit 6,4 kW. Die bisher längste Laufzeit pro Tag lag bei 15 Stunden, an einem Tag mit Höchsttemperatur -7°C. Da waren also noch einige Stunden Reserve. Das Haus ist schlechter gedämmt als deins.

Du kannst die Auslastung selbst mit dem Betriebsstundenzähler überprüfen. Schreib dir mal ein paar Tage lang die Durchschnittstemperaturen und die Verdichterlaufzeit auf. Bei 0° hast du schon weit mehr als die Hälfte der maximalen Auslastung.

Grüße
Frank
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Beitragvon joschi70 » 07.02.2008 11:35 Uhr

Die Wärmequelle ist Grundwasser. Wegen der korrosiven Eigenschaften geht das Grundwasser aber nur in den Zwischenwärmetauscher. An diesem ist dann eine Sole-Wärmepumpe Viessmann Vitocal 200-G angeschlossen (Kältemittel R410A).

Ja, ich habe gehofft dass mich die Erfahrungsträger hier beruhigen und mir sagen, die Leistung genügt. :-)
Ein bisserl Verunsicherung bleibt mir aber schon noch, nachdem ich eben keine normgerechte Berechnung habe....

Jo.

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Beitragvon fdl1409 » 07.02.2008 12:13 Uhr

Brauchst du nicht. Bin mir ganz sicher daß es reicht.
Habe auch einen sanierten Altbau im Mittelgebirgsklima.
Am bisher kältesten Tag im Dezember hatte ich eine Heizlast von 28 Watt je m2 incl Warmwasser. Bei dir wären das nicht mal 4 kW. Schau einfach mal auf den Betriebsstundenzähler. Vermute daß deine Pumpe bei 0° Durchschnittstemperatur nur weniger als 8 Stunden läuft.
Hast du noch einen Nachbarn, den du mitbeheizen könntest?;-))

Ungünstig ist bei einer so kleinen WW-Wärmepumpe nur, daß es meist keine passenden Brunnenpumpen gibt. Welche hast du eingebaut? Kennst du die Leistung?

Ist das eine BWP 108 die da eingebaut ist ??? Die Leistungsangabe bezieht sich auf Soletemperatur 0°C. Als Wasser-Wasser-WP bei 10° hat die eine Leistung von etwa 9,8 kW laut Leistungskurve.

Grüße
Frank
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Beitragvon joschi70 » 07.02.2008 13:45 Uhr

Heureka!
Genau, es ist die BWP 108!
Dann entspricht die Leistung ja doch den vereinbarten 9,7kW.
Bin ich also doch nicht übervorteilt worden. *erleichtert*

Aber anscheinend ist es eher umgekehrt, unsere WP ist überdimensioniert?

Wie betreibe ich am effizientesten eine überdimensionierte Wärmepumpe?
Kann ich da selbst durch Einstellungen was optimieren?

Die Grundwasserpumpe ist eine Grundfos SP 2 A-9 mit 0,37kW Motorleistung, Förderhöhe 11m, Zuleitung 15m.

Dank an Frank!
Jo.
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Beitragvon roro » 07.02.2008 15:54 Uhr

@joschi: Wobei eine 7,7 kW-WP, bei Dir wahrscheinlich die bessere Lösung gewesen wäre (Vermutlich hätte eine 6 kW WP auch ausgereicht, vor allem bei einer WW-WP) Aber Du wirst dass am Taktverhalten schon merken.
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Beitragvon fdl1409 » 07.02.2008 16:38 Uhr

Ja, die ist ganz sicher überdimensioniert. Wie gesagt, kannst damit locker noch ein zweites Haus mitheizen, meine ich ganz ernst.
Nachteil liegt v.a. im Taktverhalten. Bei FBH kannst du das aber hinkriegen. Würde soviele Kreise wie irgend möglich offen lassen, wenns geht nur über die möglichst flache Heizkurve regeln. Dann kriegst du auch lange Taktzeiten. Dazu ist in diesem Forum so viel geschrieben worden, möchte ich nicht nochmals wiederholen.
Vom Stromverbrauch ist bei Sole-Wasser eine kleinere WP tendenziell besser. In diesem Fall nicht. Mit der SP 2 A6 ( hoffe du hast dich vertippt ) hast du die kleinste verfügbare Brunnenpumpe dieser Baureihe. Die zieht 450 Watt. Im Vergleich zu den etwa 1.700 Watt des Verdichters ist das eine heftige Verschlechterung der Arbeitszahl. Bei einer 6 kW WP würdest du den gleichen Verbrauch der Brunnenpumpe haben - weil es eine kleinere nicht gibt. Die Arbeitszahl wäre dadurch deutlich schlechter als bei der größeren WP. WW-WP bei kleineren Leistungen ist also der eine Fall wo die Überdimensionierung nicht schadet, sondern nutzt. Glück gehabt.

Wie tief sitzt bei dir der Grundwasserspiegel, und wie tief ist der Brunnen?

Grüße
Frank

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