|
Hallo Leute,
ich stehe vor folgendem Problem:
Im Zuge einer Altbausanierung (Baujahr 1899, insg. 180m² Wohnfläche) soll neben neuen Fußböden (inkl. FBH) und Fenstern auch eine neue Heizungsanlage (WP) installiert werden. Bislang wurde das Gebäude mit einer alten Schwerkraftheizung (Holz + Kohle) beheizt.
Welcher Wärmepumpentyp wäre hier am wirtschaftlichsten? WP mit Direktverdampfung oder Wasser/Sole? Das Gebäude befindet sich 20m von einem Gewässer (aufgestauter Teich) entfernt. Könnte man die Kollektorenschlangen nicht direkt im Teich verlegen? Oder gibt es in diesem Zusammenhang evtl. einen anderen, passenderen Wärmepumpentypus?
Für Anregungen wäre ich sehr dankbar, da ich mir mein Wissen über die WP auch nur "zusammengegoogelt" habe.
Gruß
Stephan
Nach oben
|
|
|
|
wie sieht es denn mit einer Grundwasser-WP aus ? könnten ideale Voraussetzungen da sein ... hast du die effektivste WP-Variante, und auch preislich im Rahmen. Rechnet sich immer.
Wenn du "basteln" möchtest gibt es viele Wärmepuellen, auch Kollektoren in einem Teich sind möglich ...
Die Frage ist nur, in wie weit man etwas von der "Stange" möchte, verbunden mit einer gewisse Gewährleitung- --
oder man hat den nötigen Sachverstand und baut sich was preiswertes auf die eigenen Gegebenheiten angepasst.
Solltes du aber wenig Erfahrung in Heizungs- und Kälte Installationen haben würde ich die Finger von den "Basteleien" lassen ...
... dann wird preiswert oft teuer !
Grüße Jürgen
_________________ www.wsgro.de.vu/...
Gespartes Wissen ist kein gespartes Geld !
Nach oben
|
|
|
|
Hallo Jürgen!
An eine Grundwasser-WP hab ich noch gar nicht gedacht. Muss man dafür nicht eine teure Bohrung veranlassen? Oder könnte man auch einfach den Teich anzapfen?
Selbermachen kommt nicht in Frage, da ich von der Materie absolut keine Ahnung habe. Gibt es einen WP-Hersteller, den man in diesem Zusammenhang empfehlen kann? Die Testsieger von Stiftung Warentest (Vaillant, Stiebel-Eltron) kann man ja nicht nehmen, da sie die Wasser/Sole Technik nutzen.
Das Interesse der lokalen Heizungsbauer (Uckermark/Brandenburg) hält sich leider stark in Grenzen, die wollen lieber eine Gastherme o.ä. einbauen.
Gruß
Stephan
Nach oben
|
|
|
|
|
|
|
Hallo Stephan,
fast jeder Wärmepumpenhersteller bietet auch Wasser/Wasser WP an, das sollte kein Problem sein.
Für die Grundwasser- WP benötigst du aber eine bestimmte Wassermenge und auch Wasserqualität.
Du benötigst 2 Brunnen, einen Saugbrunnen und einen Schluckbrunnen zu Rückleitung. Diese sollten ca. 15 m auseinander liegen und wenn es geht in Fließrichtung des Grundwassers.
Es gibt 2 Arten der Nutzung:
Direktnutzung
Bei der Direktnutzung wird das Grundwasser der Wärmepumpe direkt zugeführt. Der
Wärmeentzug erfolgt im Verdampfer der Wärmepumpe.
Indirekte Nutzung
Die indirekte Nutzung kommt heute mehrheitlich zur Anwendung.
Zwischen die Wärmepumpe und den Grundwasserkreislauf wird ein Wärmetauscher
geschaltet (Zwischenkreislauf). Der Wärmeentzug aus dem Grundwasser erfolgt im
Wärmetauscher.
Der Einsatz eines Zwischenkreislaufes ist begründet durch die chemisch/physikalische
Zusammensetzung des Grundwassers (Verunreinigungen).
Nutzung des Wassers aus dem Teich wäre nur mit Variante 2 möglich wenn der Teich warm genug und groß genug ist.
Wassertemperatur: Das Grundwasser muss über das ganze Jahr eine Mindesttemperatur von + 7 °C aufweisen. (Geht auch tiefer, hat was mit Eisbildung zu tun)
Dies ist in der Regel ab einer Brunnentiefe von 5bis 10 m gewährleistet. Es muss sichergestellt sein,
dass Schmelzwassereinspülungen im Frühjahr ausgeschlossen sind. Oberflächenwasser eignet sich in der Regel nicht, ein gleichbleibendes Temperaturniveau von > 7 °C kann nicht sichergestellt werden, und die Verschmutzung ist zu hoch.
Wassermenge: In Abhängigkeit von der benötigten Heizleistung ist eine Mindestwassermenge notwendig, die von der Brunnenanlage als Dauerleistung erbracht werden muss. Diese Menge solltest du durch eine „Probeentnahme“ überprüfen. D. h. Über einen längerer Zeitraum (24 Std.) durchgehend Wasser pumpen und messen was der Brunnen hergibt.
Eine Grundwassernutzung muss angemeldet werden und bedarf einer Genehmigung.
Hör dich in deiner Gegend einfach mal um, ich denke es wird dort auch Brunnenbohrer geben, z.B. werden dort viele Brunnen für die Landwirtschaft gebohrt ... die haben Ahnung vom Untergrund und bohren Brunnen bis 10 m recht preiswert.
Die Kosten sind mit einer Tiefenbohrung nicht zu vergleichen, liegen zwischen 1 und ca. 3 tsd € incl. korrekter Ausführung. (Hinterfüllung, Saugglocke, Pumpendimensionierung, usw)
Sollte der Grundwasserspiegel bei dir wirklich sehr hoch liegen ist es auch möglich zwei Löcher ca. 4-5 m tief zu baggern, dort einfach Kanalschächte einbauen, und du hast „begehbare“ Brunnen.
Hast mit der Grundwasser-WP eine der besten WP-Varianten, die Bafa - Direkt-Förderung ist gar kein Problem.
Gundwasser WP werden in meinen Augen viel zu oft vernachlässigt, obwohl sie einer der besten (die Beste) WP-Variationen sind.
Ich hoffe,ich habe die den Mund etwas „wässrig“ gemacht. Investier mal etwas Zeit in die Sache und höre dich um, oder suche einen kompetenten Berater, benötigst du weder Solar, noch Zisternen noch anderen „Schnickschnack“ ...
Grüße Jürgen
_________________ www.wsgro.de.vu/...
Gespartes Wissen ist kein gespartes Geld !
Nach oben
|
|
|
|
Hallo Stephan,
wie groß ist denn der Teich und wie tief?
Fließt da ein Bach durch oder ist das eher ein stehendes Gewässer?
Wie weit ist der Teich vom Haus entfernt?
Wie groß ist deine Heizlast, d.h. wieviel kW brauchst du?
Wie groß ist der Wärmebedarf in kWh pro Jahr?
Wird das Haus gleichzeitig gedämmt bei der Sanierung?
Grüße
Frank
Nach oben
|
|
|
|
@denkedran
Danke für den Hinweis, die werde ich Montag mal kontaktieren.
@jojo40
Erstmal vielen Dank für deine Ausführlichen Erklärungen. So wie es aussieht, scheint eine Wasser/Wasser WP in meinem Falle die beste Wahl zu sein, denn man spart sich ja dann die Kollektoren etc. . Sowohl die Direktentnahme aus dem Teich als auch eine Nutzung des Grundwassers sollte kein Problem darstellen. Und zwar liegt das Gelände hinter dem Teich etwa 2m unter der Teichoberfläche, so dass sich das Wasser eigentlich kurz unter der Grasnabe befinden müsste. In früheren Jahren existierte hier eine Mühle, die mit Wasserkraft betrieben wurde. Heute wird der Teich zur Forellenzucht genutzt. Zur Verdeutlichung der Situation habe ich mal unten ein Satellitenfoto angehängt.
Ist es in dem Falle egal, wer der Hersteller der WP ist? Oder gibt es da Empfehlungen?
@fdl1409
zu1.: keine Ahnung, das muss ich erstmal ausmessen
zu2.: es ist kein stehendes Gewässer. Der Teich wurde aufgestaut und es fliesst über ein Wehr ständig Wasser ab. Früher gabs hier eine Mühle mit Wasserkraft.
zu3. puh, da bin ich überfragt. Die Heizleistung der alten Schwerkraftheizung (Holz+Kohle) ist mir nicht bekannt.
zu 4. Insgesamt sollen 180m² Wohnfläche beheizt und Warmwasser bereitgestellt werden. Allerdings werden im ersten Bauabschnitt nur 100 m² (Erdgeschoss) fertiggestellt. Die restlichen 80 m² kommen erst in einem nächsten Bauabschnitt dazu.
zu 5. Es kommen neue Fenster rein und FBH. Das Gebäude hat ein 36er Mauerwerk welches mit Putz etwa 40cm dick ist. Wahrscheinlich kommt noch eine Innendämmung dazu. Das Dach wird aus finanziellen Gründen erst später erneuert und gedämmt. Das Obergeschoss ist dann quasi unbewohnt solange.
Kann man die bestehende Schwerkraftheizung in das neue System einbinden (z.B. zur Heizunterstützung bei sehr niedrigen Temperaturen)? Oder reicht da ein kleiner Kamin im Wohnbereich mit Wärmetauscher?
Vielen Dank für eure Mühe!
Gruß
Stephan
Zuletzt bearbeitet von Reformstau am 01.03.2008 00:32, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
|
|
|
|
Hallo Stephan,
hört sich doch alles sehr positiv an.
Das Wasser direkt aus dem Teich zum tauschen zu nehmen ist nicht möglich wegen der Verschmutzung. Da gäbe es zwei Möglichkeiten, wie oben beschrieben die indirekte, das heißt über einen Wärmetauscher.
Dann noch ähnlich einer Sole WP einfach die Kollektoren im Teich versenken. Teich sieht ja relativ groß und tief aus. Hier solltest du einfach mal die Wassertemperaturen am Grund des Teichs messen, obwohl bei starkem Zulauf kein großer Unterschied zwischen Oberfläche und Grund sein sollte. Hier ist aber klar, die Quelltemperatur ist gleich Teichwassertemperatur. Also kann sie im Winter auch nahe Null sein. Nicht tragisch wenn genug Wasser da ist und der Teich damit nicht völlig zufriert.
Der in meinen Augen beste Weg ist aber eine eigene Bohrung für den Saugbrunnen, möglichst tief und fachmännisch ausgeführt. Hier wird dann die Wasserprobe ergeben ob eine direkte Nutzung über den WP Verdampfer möglich ist. Sollte aber eigentlich kein Problem darstellen wenn genug Wasser da ist.
Es ist dann ohne weiteres möglich, eine Jahresarbeitszahl von über 5 zu erreichen.
Also jetzt erst mal deinen Wärmebedarf errechnen, danach dann die WP und deren Leistung auswählen. Jetzt ist es „eigentlich“ egal welchen Hersteller du nimmst, wichtig ist immer das sich ein „Heizungsbauer deines Vertrauens“ mit dem Typ auskennt.
Es gibt Hersteller die bieten mittlerweile Grundwasser WP mit sehr viel Edelstahl Komponenten an, dies ist natürlich bei der direkten Nutzung ein klarer Vorteil, kostet aber auch.
Dafür gibt es aber nach Einreichung einer Wasserprobe bis zu 10 Jahre Garantie.
Also gut beraten lassen und nicht an der falschen Ecke sparen. Sehr viel Wert auf eine sparsame Saugpumpe legen, hier gibt es große Unterschiede im Verbrauch.
Da ich ja Franks (fdl1409) „Experimentierfreude“ kenne wird von ihm bestimmt noc hder eine oder andere alternative Vorschlag kommen. Nur immer daran denken, wenn man selber nicht viel „basteln“ kann wird aus „ganz preiswert“ schnell „ganz schön teuer“.
Also wenn das nächste mal ein Bagger in deiner Nähe ist, „buddel“ mal ein kleines möglich tiefes Loch nahe am Haus. Dann mal sehen wie schnell sich Grundwasser sammelt und wie es nachläuft.
Der benötigte Wasserbedarf richtet sich nach der WP-kW.
Halt uns mal auf dem laufenden, auch über deinen Wärmebedarf und die „Preisgestaltung“.
Da gibt es mögliche und unmögliche Dinge.
Grüße Jürgen
_________________ www.wsgro.de.vu/...
Gespartes Wissen ist kein gespartes Geld !
Nach oben
|
|
|
Hallo Jürgen,
ich werde gleich morgen mal die ersten Firmen kontaktieren und Besichtigungstermine ausmachen. Nun hab ich ja ein paar Ideen, mit denen ich die Fachleute konfrontieren kann. Ich werd dann in jedem Fall Bescheid geben über die weitere Entwicklung.
Gruß
Stephan
Nach oben
|
|