Hallo,
nachdem wir mittlerweile im Jahr 2008 angekommen sind, stellt sich für viele interessierte die Frage, lohnt es sich denn überhaupt noch?
Aus diesem Grunde sind hier mal die wichtigsten Punkte zur Betrachtung der Wirtschaftlichkeit in 2008 aufgeführt.
Alle Einnahmen und Ausgaben sind für einen Zeitraum von 20 Jahren hochgerechnet und angegeben in €/kWp.
Kosten bei Vollfinanzierung (Tilgung + Zinsen) incl. Wartungsrücklagen und Versicherung beim angegebenen Kaufpreis (kpl. Schlüsselfertig incl. Montage, Zählerplatz, Eigentumszähler und Gerüst) je kWp:
3800€/kWp - 7546,60€
3900€/kWp - 7705,00€
4000€/kWp - 7865,80€
4100€/kWp - 8026,60€
Einnahmen (incl. 10% Degradation auf die Gesamtlaufzeit) beim angegeben regionalem Durchschnittsertrag:
800kWh/kWp - 7106,60€
850kWh/kWp - 7550,10€
900kWh/kWp - 7994,30€
950kWh/kWp - 8438,40€
1000kWh/kWp - 8882,50€
Regionale Durchschnitsserträge von PV-Anlagen der letzten 10 Jahre nach PLZ-Gebieten:
0xxxx - 836kWh/kWp 5xxxx – 818kWh/kWp
1xxxx - 809kWh/kWp 6xxxx – 876kWh/kWp
2xxxx - 786kWh/kWp 7xxxx – 925kWh/kWp
3xxxx - 812kWh/kWp 7xxxx – 921kWh/kWp
4xxxx - 797kWh/kWp 9xxxx – 904kWh/kWp
Erläuterung der einzelnen Werte:
Vollfinanzierung
Der aktuelle effektive Zinssatz der kfw liegt bei 5,26%. (Ausgezahlt werden bei kfw jedoch nur 96% der Kreditsumme. Stehen also nicht 4% der Summe als Eigenkapital zur Verfügung, muss die Kreditsumme erhöht werden. Diese Kosten sind hier nicht berücksichtigt.) Zinsbindung beträgt 10Jahre, Risiko steigender Zinsen ist ebenfalls nicht berücksichtigt. Kreditlaufzeit 20 Jahre. Die angegebenen Werte können also auch höher ausfallen.
Andere Banken bieten in der Regel Kredite zu kfw-Konditionen an
Umsatzsteuerrückerstattung
Für die Finanzierung wird ausschließlich von der Netto-Summe ausgegangen. Die UST wird vom Finanzamt für gewöhnlich zurückerstatte, da die PV-Anlage als gewerblich eingestuft wird. Die Rückerstattung dauert normalerweise 2-3 Monate. Für diesen Zeitraum muss die UST jedoch zwischenfinanziert werden. Diese Kosten (oder verlorene Zinseinnahmen) sind jedoch nicht berücksichtigt)
Inflation
Für die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit ist es von großer Bedeutung die Inflation zu berücksichtigen. Während die laufenden Kosten in den nächsten 20 Jahren stetig steigen werden, die Einspeisevergütung jedoch auf einen Zeitraum von 20 Jahren festgeschrieben ist, Arbeitet die Inflation hier gegen die PV-Anlage. Zur Berechnung wurde ein Wert von 2%/a angenommen.
Versicherung
Die Anlage sollte eine Allgefahren- Elektronikversicherung haben und es ist eine Haftpflichtversicherung ratsam. Die Kosten wurden hier gesamt mit 20€/kWp angenommen. Für kleinere Anlagen ist es evtl. jedoch teurer, da viele Versicherer einen Mindestbeitrag von 50€ verlangen.
Wartungsrücklagen
Eine PV-Anlage ist keinesfalls eine Wartungsfreie Gelddruckmaschine wie von vielen Vertretern oftmals Behauptet. Es kann der Wechselrichter ausfallen, Trennschalter, Überspannungsableiter, Sicherungen, Datenlogger, und und und………
Wer elektrische Anlagen besitzt, weiß sehr wohl, dass auch hier jederzeit etwas ausfallen kann.
Die Wartungsrücklage wurde mit 40€/kW angesetzt. Dieses ist ein relativ geringer Wert. Es wird davon ausgegangen, dass z.B. Wechselrichter für relativ geringe Summen im Austausch gewechselt werden können. Ob das die Hersteller auch in z.B. 15 Jahren noch machen, weiß noch keiner. Muss der Wechselrichter z.B. normal erneuert werden, sind zur Zeit etwa 500-750€/kWp fällig. Unter Berücksichtigung der Inflation wären das in 20 Jahren ca. 750-1000€/kWp.
Regionale Durchschnittserträge
Diese Daten stammen von der Datensammlung des sfv.de. Der Solarförderverein bietet zur Zeit die Größte online-Datenbank mit Ertragsdaten von PV-Anlagen und ist somit gegenüber den anderen am Aussagekräftigsten.
Es wurde jeweils der 10-Jahresdurchschnitt der installierten Anlagen berechnet. Im Einzelfall sollte aber jeder die Daten für seinen Standort nochmals genauer bestimmen. Der SFV bietet auch die Möglichkeit der Sortierung nach den ersten beiden PLZ-Nummern. Die Erträge können auch im gleichen PLZ-Bereich noch stark schwanken.
Moduldegradation
Die Module verlieren mit der Zeit an Leistung. Angenommen wurde hier ein Wert von 10% auf 20 Jahren linear gerechnet. Das ist zwar weitaus besser, als die von den Herstellern garantierte Performance, aber die werden sich auch etwas an Sicherheit gelassen haben. Birgt für den Investor natürlich ein gewisses Risiko diese Annahme so zu treffen.
Arbeitsaufwand
Das Betreiben einer PV-Anlage ist natürlich auch mit zeitlichem Aufwand versehen. Wie der einzelne diesen bewertet muss jeder für sich entscheiden.
Zu nennen wäre hier: wöchentliche (oder tägliche) dokumentieren des Zählerstandes, monatliche Umsatzsteuervoranmeldung, jährliche Bilanz.
In Summe kommen da ca. 15-20 Stunden pro Jahr zusammen.
Fazit
Es wurden soweit als möglich Realistische Zahlen aus Datenbanken und öffentlich zugänglichen Informationen entnommen. Wo die Zahlen nicht so genau ermittelbar sind, wie z.B. Wartungsrücklage, wurden sehr optimistische Werte angenommen.
Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie hoch das Risiko ist, was der einzelne bereit ist einzugehen und die Zahlen entsprechend anpassen.
Warnung
Es ist nicht ratsam die Angebote in einem bekanntem (man bezeichnet sich dort selbst als die Nr.1) großen Forum zu Thema Photovoltaik bewerten lassen.
Überwiegend werden die Angebote dann von Solarteuren bewertet, welche noch der Hochpreispolitik der vergangenen Jahre verfallen sind. Ebenso besteht die Gefahr, dass der anbietende seines eigenes Angebot bewertet, das Ergebniss ist dann schon klar.
Auch laufen die Empfehlungen überwiegend auf die im Forum eingebetteten Hersteller hinaus, von Unabhängigkeit ist keine Spur mehr.