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Erdwärme, Wärmepumpe, Erdkollektoren, Wasserwärmepumpen, Bohrungen, Sonden
JörgSallath
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Beitragvon JörgSallath » 19.03.2007 22:46 Uhr

Ich bin echt unsicher ob ich jetzt eine Luftwärmepumpe oder eine Erd-Wärmepumpe in unseren derzeit zu planenden Neubau einbauen soll.
Wer kann mir freundlicherweise helfen?

Ich habe folgende Unklarheiten:
1.Wenn man viel Heißwasser braucht (wir planen eine große Familienbadewanne), ist dann eine Luft-Wärmepumpe im Vorteil (va. im Sommer bei höheren Außentemperaturen)? Wäre doch logisch.

2. Mein Architekt spricht von neuen LWP-Systemen ohne Außengerät; alles wird nur über 2 Lüftungsrohre an und abgesaugt. Ist das sinnvoll? Ist das lauter?

3. Die Sommer werden heißer. Wiegt die billigere Kühlung durch eine Erdwärmepumpe die höheren Bohrungskosten auf? Welchen Anteil an den Gesamtkosten hat die 6-Wochen Kühlung im Sommer. Ist das eine zu vernachlässigende Größe?

Danke für Eure Hilfe.
Jörg

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Beitragvon Fred » 19.03.2007 23:15 Uhr

Was für ein Haus baust du ? Holzständerwerk , Blähton , Ziegel etc.? Wie willst du kühlen ? Über die Fußbodenheizung oder Lüftung ? Kontrollierte Be-und Endlüftung geplant? Klimatisieren ( Heizen und Kühlen) ist über die gesamte Oberfläche möglich. Bauteilaktivierung. Wenn der Platz vorhanden ist und ein geeigneter Standort dann ist es von Vorteil die LWP aussen zu installieren. Geräusche , Kondens, Kosteneinsparung. Aber innenstehende Geräte sind natürlich bei fachgerechter Montage ebenfalls gut. Bei Fragen kannst du dich ja melden.
JörgSallath
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Beitragvon JörgSallath » 20.03.2007 00:07 Uhr

Danke für die rasche Antwort!

geplant sind Ziegel,
gekühlt werden soll über die Decke , aber nur Schlafzimmer und Wohnzimmer und Küche (insgesamt ca. 80 qm), evtl auch nur Schlafzimmer (20qm)
keine kontrollierte Wohnraumentlüftung geplant.

Ist kühlen über LWP deutlich teurer?

ist die LWP deutlich im Vorteil, wenn viel Warmwasser verbraucht wird?

Grüße
Jörg
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Beitragvon fdl1409 » 20.03.2007 06:51 Uhr

Hallo Jörg,

Luftwärmepumpe ist energetisch immer im Nachteil, und zwar ganz erheblich. Der Mehrverbrauch liegt bei 20-25% für Heizung und Warmwasser.

Ein hoher WW-Verbrauch ändert daran gar nichts. Im Sommer hast du höhere Lufttemperaturen, aber dann steigt auch die Soletemperatur auf
8-9°. Den Wirkungsgrad der Luftpumpe bei Minustemperaturen kannst du dir vorstellen. Übrigens ist der WW-Verbrauch im Winter stets höher als im Sommer, v.a. wegen der unterschiedlichen Kaltwassertemperaturen
- im Februar typisch 5, im August 15°C.

Bei Kühlung sind die Vorteile von Sole-Wasser besonders groß. Du kannst nämlich die überschüssige Wärme in die dann kalte ( wie gesagt 8-9° ) Erde einspeisen ohne großen Energieaufwand. Die Luftpumpe muß gegen ein Temperaturgefälle nach oben arbeiten. Bei Kühlbedarf ist die Außenluft ja höher als die Raumtemperatur. Ein weiterer Aspekt: die Wärme, die du in die Sonde einleitest kommt dir im Winter natürlich wieder zugute, weil du damit die Sonde regenerierst, was zu etwas höheren Soletemperaturen führt.

Regelungstechnisch ist Sole-Wasser auch von großem Vorteil. Die Leistung ist unabhängig von der Außentemperatur ziemlich stabil und variiert um +/- 10% von der Nennleistung je nach Soletemperatur und Vorlauf. Bei der Luftpumpe sind die Unterschiede weitaus größer. Da kannst du von +/- 50% ausgehen. Das hat erhebliche Nachteile. Wenn du knapp dimensionierst mußt du bei starkem Frost mit dem Nachheizstab arbeiten. Bei größerer Dimensionierung steigt die Leistung bei milder Witterung so hoch an, daß du deine Wärme nicht mehr vernünftig wegkriegst. Wenn du dann nicht mit sehr hohen Spreizungen arbeiten willst brauchst du einen Pufferspeicher. Bei SW ist der völlig überflüssig.

Die Jahresarbeitszahlen von SW bzw LW-Anlagen sprechen eine deutliche Sprache. Für eine Wärmepumpe entscheidet man sich ganz wesentlich, weil man ein emissionsarmes umweltfreundliches System sucht, das dafür aber in der Anschaffung teurer ist. Bis zu einer Jahresarbeitszahl von etwas über 3 ist eine WP aber gar nicht besser als Gasbrennwert mit Solar. Erst darüber beginnt der echte Gewinn für die Umwelt. Da sind 20% mehr ein dicker Brocken. Meine Meinung ist: wenn schon WP dann wenigstens eine richtig gute, ich will schließlich eine Heizung die auch in 20 Jahren noch den ständig steigenden Umweltstandards gerecht wird. Die Mehrkosten für die Sonde sind eine einmalige Investition. Bei Ersatzbeschaffung in 20 Jahren ist die SW-WP dann schon eher günstiger als LW-WP. Und die niedrigeren Stromkosten bleiben auf Dauer. Es kann nicht jeder eine SW-WP nehmen wegen z.B. Wasserschutzgebiet, ungünstigen Bodenbedingungen, Innenstadtlage ohne freies Grundstück usw. Wenn es aber geht dann gibt es für mich keine Frage welches die bessere Heizung ist.

MFG
Frank
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Beitragvon jojo40 » 20.03.2007 07:04 Uhr

Hallo,

ich denke der Frank hat schon alles beschrieben und gesagt ...

Rechne für eine Luft - Wärmepumpe einfach zwischen 25% und 40% mehr Energie. Rechne diese Kosten mal auf 20 Jahre und hast du nicht nur die bessere (Kühlung!) sondern auch die günstigere Alternative.

mfg
Jürgen
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Beitragvon roro » 20.03.2007 07:31 Uhr

Die 25-40% kommen mir ein wenig viel vor (Selbst Besitzer einer LWP), sondern ich rechne eher mit 15-25% aber egal.

Ich benötige mit meine LWP im Jahr EUR 400 an kompletten Stromkosten. (Heizung+WW).
Wenn ich nun 40% mehr benötige als bei einer Sole-WP dann würde ich mit pro Jahr EUR 160 ersparen. In 20 Jahren wären das 3200 EUR. Ich glaube nicht, dass ich um dieses Geld bereits eine vernüftige Bohrung finanzieren kann.

Stünde ich noch einmal vor der Entscheidung, ich würde wieder eine LWP verwenden.

jojo40
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Beitragvon jojo40 » 20.03.2007 08:25 Uhr

Hallo roro ...

25 % sagt jeder Heizungsbauer, aber die größeren Temperaturschwankungen und die damit verbundene Regulierung vergessen viele ...

aber wie es auch sei ... wenn ich die Energiekosten der letzten 20 Jahre betrachte und dies mal für die nächsten 20 Jahre hochrechne ...

...dann kann ich ruhig für 10.000 € bohren ...

unabhängig von der vorteilhaften Kühlung und der Wartungsfreiheit der Sole ... einfach mal den Anteil der Luft/Wärmepumpen in der Schweiz oder in Schweden betrachten ... sie haben uns ca. 10 - 20 Jahre Erfahrung voraus ...

Gruß Jürgen
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Beitragvon roro » 20.03.2007 09:38 Uhr

Vor allem Schweiz ist hier ein gutes Beispiel. Dort sind bereits die Mehrzahl aller neuverkauften WP Luft-Wasser-WP.


Extrembeispiel: 40 % Mehrverbrauch und jährliche Steigerung des Strompreises um 10 % (hoffen wir, dass es nicht so kommt).

Mehrkosten auf 20 Jahre: 160 * (1-1,10^21)/(1-1,10) = 10240 EUR

Erst dann würde sich eine Bohrung für mich langsam rentieren. (Die Mehrkosten der Finanzierung noch nicht gegengerechnet)

Bei anzunehmenden 5% Strompreiserhöhung, werden weder meine Wärmepumpe noch ich, denn Zeitpunkt erleben, wann sich eine Bohrung rentiert hätte.
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Beitragvon feykir » 20.03.2007 10:04 Uhr

Hallo zusammen,

aber wie sieht die Sache denn mit Flächenkollektor aus. Laut meinen Infos kann die WP dann kleiner dimensoniert werden - also Kostenersparnis.
Der Flächenkollektor kann, wenn möglich selbst verlegt werden und ist auch kostengünstiger als eine Tiefenbohrung.

Meine Klimafirma sagte, eine Kühlung ist bedingt möglich, das kommt auf den Verlegeabstand und die Tiefe an.

Das wäre ja eine Alternative zur Tiefenbohrung - günstiger
und bessere Kennzahl gegenüber LWP. Vorausgesetz man hat genügend Fläch zur Verfügung.


feykir
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Beitragvon JörgSallath » 20.03.2007 20:58 Uhr

Danke für Eure interessanten Ausführungen und va. Dir Frank, Danke für einen sehr guten Übersichtsartikel.

Ich glaube va wenn man im Sommer viel kühlen möchte (und bei den Klimaprognose in Zukunft zunhemend nötig) und bei großer Grundfläche rechnet sich eine Sole-Wärmepumpe wohl gerade so. Ist insgesamt ein wohl eher ideologisches Problem.
Sauberer, logischer und iregendwie eleganter ist schon die Erdwärmepumpe, finde ich.

Aber wenn Erdwärme nicht geht, würdet Ihr dann die Luft-Wärmepumpe eher nach draußen verlagern oder eines von den modernen (Kondensator?) Geräten bevorzugen im Haus mit Ansaugrohren: leitet man die dann übers Dach ab?

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